Fernstudium Voraussetzungen

Formelle und persönliche Voraussetzungen

Die Zugangsvoraussetzungen für ein Fernstudium oder Präsenzstudium werden häufig falsch eingeschätzt. Das liegt daran, dass nach wie vor davon ausgegangen wird, dass für ein Studium die Hochschul- oder zumindest Fachhochschulreife vonnöten ist. Dem ist nicht mehr so. Inzwischen ist auch ein Studium ohne Abitur möglich, dafür aber an andere Voraussetzungen gebunden. Sicherlich ist das Studium mit Abitur, bei dem außer Fächern mit Numerus clausus (NC) alle Wege offen sind, weiterhin die klassische Variante. Doch es gibt auch den sogenannten dritten Bildungsweg.

Ziel ist eine bundeseinheitliche Regelung, der die Kultusministerkonferenz im November 2008 mit der „Neuordnung des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte“ einen großen Schritt näher gekommen ist. Noch entscheiden aber die Bundesländer darüber, ob und unter welcher Maßgabe auch ohne Abitur studiert werden kann.

Die Neuordnung sieht vor, dass:

  • Inhaber betrieblicher Ausbildungsvoraussetzungen – Meister, Techniker, Fachwirt oder gleichgestellte Abschlüsse – den allgemeinen Hochschulgang erhalten. Sie müssen keine Eignungsprüfung mehr ablegen und können ein Fach ihrer Wahl studieren. Der bislang erreichte Abschluss wird damit dem Abitur, also der allgemeinen Hochschulreife gleichgesetzt. Aufstieg durch Bildung lautet das Ziel.
  • Berufstätige mit zweijähriger Ausbildung und dreijähriger Berufspraxis ein fachgebundenes Zugangsrecht zum Studium erhalten. Das Studienfach richtet sich damit nach der beruflichen Fachrichtung.

Vorbildung ist entscheidend für das Fernstudium

Wer eine Berufsausbildung und darüber hinaus eine Fortbildung samt Prüfung zum Meister oder Techniker nachweisen kann, hat wesentliche bessere Chancen, auch ohne Abitur zum Studium und auch Fernstudium zugelassen zu werden. Je nach Bundesland ist dazu eine Zugangsprüfung oder ein Probestudium nötig.

In beiden Fällen geht es darum, die Eignung für das Studium und auch Fernstudium unter Beweis zu stellen. Dabei ist die Wahl des Studienfaches heute wie auch zukünftig bindend. Es kann also im Laufe des Studiums kein anderes Fach gewählt werden. Ein Ortswechsel ist gleichwohl möglich. Welche Voraussetzungen genau verlangt werden, sollte vorab mit der Universität oder Hochschule geklärt werden.

Voraussetzungen für ein Fernstudium

Eine möglicherweise zusätzlich benötigte Qualifikation für das Fernstudium, etwa ein zuvor absolviertes Praktikum, einschlägige Arbeitserfahrung oder eine Berufsausbildung, ist jeweils nur an einzelne Studiengänge gebunden und kann je nach gewähltem Studiengang und je nach Fernschule deutlich schwanken.

Für akademische Studiengänge ist vielfach ebenso wie für ein normales Studium das Abitur oder eine Fachhochschulreife Voraussetzung. Für andere Studiengänge, beispielsweise aus dem künstlerischen Bereich, benötigt man beim Fernstudium häufig keine Hochschulreife. Gleiches gilt für das Erlernen neuer Fremdsprachen per Fernstudium.

Bei den technischen Berufen können zumeist entsprechende Vorkenntnisse in Form einer Berufsausbildung kombiniert mit einigen Jahren Berufserfahrung für das Studium ausreichend sein.

Private Anbieter eines Fernstudiums

Die privaten Anbieter sind in dieser Hinsicht ein wenig liberaler. Zwar unterliegen sie den gleichen Bestimmungen, wenn es um ein akademisches Studium geht. Sie nutzen die Möglichkeiten, auch Interessenten ohne Abitur die Pforten zu öffnen, aber wesentlich intensiver und schöpfen sie vollends aus. Die Gründe hierfür sind schlicht wirtschaftlicher Natur.

Die Unternehmen finanzieren sich über Gebühren, die nicht nach öffentlichen, sondern privatwirtschaftlichen Kriterien festgelegt werden, und sind damit froh über jeden, der sich für ein Fernstudium bei ihnen entscheidet. Probestudium und Zulassungsprüfung gehören allerdings auch hier zur Tagesordnung.

Persönliche Voraussetzungen für ein Fernstudium

Neben den rein formellen Zugangsvoraussetzungen, um sich überhaupt für ein Fernstudium einschreiben zu können, sollte man sich auch Gedanken über die persönlichen Anforderungen machen.

Ein Fernstudium erfolgreich und in einem zeitlich akzeptablen Rahmen abschließen zu können, erfordert mehr als nur die Qualifikation in Form eines Zeugnisses. Zusätzlich bedarf es – wie bei jedem Studium – eines gewissen Ehrgeizes sowie einer gehörigen Portion Durchhaltevermögen und Organisationstalent. Geschuldet sind diese Voraussetzungen der Tatsache, dass weitgehend selbstbestimmt gearbeitet und in der Regel neben dem Beruf oder den Pflichten als Mutter respektive Vater studiert wird.

Durchhaltevermögen

Dem Aspekt Durchhaltevermögen kommt insofern eine tragende Rolle zu, da auch ein Fernstudium nicht binnen weniger Monate beendet werden kann, sondern mehrere Jahre dauert – immer abhängig vom Studiengang, dem angestrebten Abschluss und letztlich auch der Zeit, die für das Studium aufgebracht werden kann.

Um die wöchentliche Belastung geringer zu halten, bietet sich ein Teilzeitstudium an. Der Lehrstoff wird im Vergleich zum Vollzeitstudium auf doppelt so viele Semester verteilt. In der Summe bleibt der zeitliche Aufwand jedoch gleich. Nur wer den Ehrgeiz hat, das Studienpensum zusätzlich zu den beruflichen und/oder familiären Verpflichtungen konsequent durchzuhalten, hat auch Erfolg. Meistens erweist sich die Dauer als größtes Hindernis und führt häufig zum vorzeitigen Abbruch.

Zeitmanagement und Organisationstalent

Damit dieses Problem nicht auftritt oder sich als nicht so gravierend darstellt, sind Zeitmanagement und Organisationstalent gefragt. Für das Fernstudium sollten im Laufe der Woche freie (Zeit-)Nischen geschaffen werden, während der keine anderen Aufgaben anstehen und weitgehend störungsfrei gelernt werden kann. Schließlich muss das Lernmaterial innerhalb einer gewissen Frist bearbeitet werden, um Anschluss halten zu können.

Idealerweise sind das feste Zeiten, die nur für das Fernstudium reserviert werden. Da sich das nur selten realisieren lässt, heißt Zeitmanagement in erster Linie, Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit anzugehen, um so den nötigen Freiraum zu erhalten. Hierbei muss zwischen wichtig und weniger wichtig unterschieden und eine Prioritätenliste erstellt werden. Gerade innerhalb einer Familie kann man Einiges auch delegieren. Zudem sollte man lernen, nicht ganz so relevante und weniger dringende Angelegenheiten zu verschieben oder ganz zu streichen. Im Berufsleben ist das allerdings etwas schwieriger.

Da sich die Lebensumstände im Laufe der Zeit ändern, heißt das letztlich: Das Fernstudium verlangt eine individuelle und punktgenaue Planung. Sobald sich herausstellt, dass der Zeitplan nicht dauerhaft eingehalten werden kann, muss neu organisiert werden. Verfügt man über den nötigen Durchhaltewillen und ist in der Lage, ein solides Zeitmanagement auf die Beine zu stellen, ist das fast schon die halbe Miete.

Vorhandensein von technischen Betriebsmitteln

Neben dem guten Beherrschen der Studiensprache (in Deutschland in der Regel die deutsche Sprache) sollten Studierende in der Lage sein, mit verschiedenen Medien umzugehen, damit das Fernstudium nicht unter der fehlenden Präsenz des Dozenten vor Ort leidet. Dafür sollten Studierende über einen Computer, einen Internetzugang und einen Telefonanschluss verfügen, bisweilen auch einfach in der Lage sein, ihre Unterlagen auf dem Postweg zu versenden. Vielfach wird heute der Umgang mit dem Computer und dem Internet erwartet, um über Emails und Chat-Konferenzen die Betreuung während des Studiums durch die Dozenten zu vereinfachen.

Finanzen

Die Finanzen sind das heikelste Thema beim Fernstudium. Selbst wer berufsbegleitend studiert und ein festes Einkommen zur Verfügung hat, muss kalkulieren, ob die zusätzliche Belastung tragbar ist. Je nach Anbieter belaufen sich die Kosten auf einige Hundert Euro je Semester oder aber je Monat. In der Summe ergibt sich ein Betrag von knapp 2.000 (Bachelor-Fernstudium an der Fernuniversität Hagen) bis weit über 10.000 Euro (MBA-Fernstudium an einer privaten Fernhochschule) bis zum Abschluss. Sicherlich rechnet sich die Investition, wenn damit eine Beförderung oder ein besser bezahlter Job einhergeht. Dafür gibt es allerdings keine Garantie.

Deshalb ist es umso wichtiger, sich vorab zu überlegen, wie hoch die Kosten sein dürfen und welche Möglichkeiten es gibt, sie so niedrig wie möglich zu halten. Einen Überblick zu den Kosten kann man sich am einfachsten verschaffen, indem man sich auf den Internetseiten der Fernhochschulen umsieht und die für das angestrebte Studienziel angebotenen Broschüren anfordert. Sie geben in der Regel einen sehr genauen Überblick zu den laufenden und möglicherweise auch zusätzlichen Kosten für ein Fernstudium.

Teilweise weisen die Fernhochschulen auch von sich aus auf die diversen Fördermöglichkeiten wie BAföG hin. Die meisten finanziellen Hilfen greifen bei einem Teilzeitstudium jedoch nur bedingt. Hier kommt es einerseits auf die persönlichen Voraussetzungen, andererseits auch auf den gewählten Studiengang und das angestrebte Ziel an. Das gilt sowohl für Zuschüsse als auch für Kredite, die speziell für ein Studium beantragt werden können. Den meisten, die neben dem Beruf oder mit Kind studieren, bleibt nur der Weg, die Kosten über die Steuer zu minimieren. Hieran zeigt sich, welche Bedeutung die Finanzen haben. Sie müssen geklärt sein, ehe der Startschuss für das Fernstudium fällt.