Meister-BAföG 2016

Aufstiegsförderung bei Weiterbildung nach AFBG

Meister BAföG beantragenDie Aufstiegsförderung nach dem Aufstiegsfortbildungförderungsgesetz (AFBG) verfolgt in erster Linie, die Teilnehmer bei einer Aufstiegsfortbildung zu unterstützen um somit die Existenzgründungsrate zu erhöhen. Im folgenden Ratgeber zum Meister BAföG mit den aktuellen Regelungen, die auch die Novelle 2016 enthalten.

Zum einen werden die Förderbeträge und zum anderen auch die Freibeträge auf Einkommen erhöht. Meister-BAföG wird zu einem Teil aus einem Zuschuss und zum anderen Teil über ein zinsgünstiges Darlehen der KfW gewährt. Hier steigen ab August ebenfalls die Zuschussbeiträge von 44 Prozent auf 50 Prozent für Teilnehmer und Ehegatten/ Lebenspartner sowie Kinder auf 55 Prozent. Darüber hinaus können künftig auch Bachelorabsolventen das Meister-BAföG erhalten, sofern sie den Meister machen und später einen Betrieb leiten wollen.

Die positiven Änderungen in Bezug auf Erhöhung der Fördersätze sowie der Freibeträge greifen ab dem 01.08.2016. Die letzte Zinsanpassung für das AFBG Meister BAföG Darlehen, die einen Teil der Förderung ausmacht, gab es zum 01.04.2016, die nächste folgt zum 01.10.2016.

Anders als bei der Förderung für Studenten oder Schüler-BAföG gibt es beim Meister-BAföG keine Altersbeschränkung. Es müssen lediglich vorgegebene persönliche, qualitative und zeitliche Anforderungen erfüllt sein.

Wo wird der Antrag gestellt?

Der Antrag wird beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung am Wohnsitz des Antragstellers gestellt, die ebenfalls fachkundige Informationen rund um die Förderung der Weiterbildung bieten. Eine Liste mit den Adressen der zuständigen Ämter finden Sie auf den Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, hier. Auf dieser Seite können auch die entsprechenden Antragsformulare ausgefüllt und ausgedruckt werden, die für die Beantragung notwendig sind.

Wer bekommt das Meister-BAföG?

Förderungsfähig sind verschiedene Ausbildungen. Grundsätzlich werden werden Handwerker und andere Fachkräfte, die sich auf die nachfolgenden Fortbildungsabschlüsse vorbereiten, gefördert:

  • Erzieher
  • Techniker
  • Fachkaufleute
  • Fachwirt
  • Industriemeister
  • Fachkrankenpfleger
  • Programmierer
  • Betriebsinformatiker
  • Betriebswirt
  • Bilanzbuchhalter / Controller / Steuerfachwirt

oder eine vergleichbare Qualifikation anstreben. Voraussetzung hierfür ist eine anerkannte und abgeschlossene Erstausbildung oder ein vergleichbarer Berufsabschluss. Sollte bereits eine vergleichbar hohe berufliche Qualifikation bestehen, z.B. ein abgeschlossenes Studium, so besteht kein Anspruch auf die Förderung.

Ausbildung zum Altenpfleger/ Altenpflegerin

Die Ausbildung zum Altenpfleger ist nach dem Meister BAföG nicht förderungsfähig. Dieser Berufsabschluss ist wie eine Erstausbildung zu werten und keine Aufstiegsfortbildung, da hierfür keine abgeschlossene Berufsausbildung vorausgesetzt wird.

Vergleichbare Leistungen

Erhält der Antragsteller bereits Leistungen (z.B. nach dem SGB oder BAföG), so besteht ebenfalls kein oder nur teilweiser Förderungsanspruch. Da es Ausbildungen gibt, die sowohl mit dem Meister-BAföG als auch mit dem Schüler-BAföG förderungsfähig sind, sollten Antragsteller prüfen, ob sie noch die Voraussetzungen für das Schüler-BAöG erfüllen. Dies ist immer günstiger, da die Schülerförderung als Vollzuschuss gewährt wird, während die Meisterförderung einen überwiegenden Darlehensanteil vorsieht.

Voraussetzung der Fortbildung

Um die Förderung zu erhalten, muss die Fortbildung einen Abschluss über dem Niveau eines Facharbeiter-, Gesellen-, Gehilfen- oder Berufsschulabschlusses liegen. Gleichwertig werden Qualifizierungen an staatlich anerkannten Ergänzungsschulen sowie Fortbildungen in den Gesundheits- und Pflegeberufen nach den Richtlinien der Deutschen Krankenhausgesellschaft gefördert.

Neu ab 2016 ist auch, dass beruflich vorqualifizierte Bachelor-Absolventen für eine Meister-Ausbildung ebenfalls Meister-BAföG erhalten können.

Mehrere einzelne Maßnahmen, die für sich selbständig sind, aber aufeinander aufbauen und fachlich abgestimmt sind, sind förderungsfähig. In diesen Fällen muss der Antragsteller einen Fortbildungsplan als Nachweis vorlegen.

Ein weiteres Kriterium ist die Anzahl der Unterrichtsstunden, welches in der Gesamtmaßnahme (alle Teilfortbildungen zusammen!) mindestens 400 Stunden voraussetzt.

Handelt es sich bei der Fortbildung um eine Vollzeitmaßnahme, muss an mindestens vier Tagen die Woche mit insgesamt 25 Wochenstunden stattfinden. Die Förderung darf die Dauer der Vollzeitmaßnahme drei Jahre nicht überschreiten.

Teilzeitmaßnahmen dürfen hingegen eine Dauer von vier Jahren nicht überschreiten. Eine weitere Vorgabe ist die Erfüllung von mindestens 150 Unterrichtsstunden innerhalb von acht Monaten.

Sofern Fernlehrgänge den Anforderungen des Fernunterrichtsschutzgesetzes entsprechen und auch die Förderungsvoraussetzungen des Meister-BAföG erfüllen, sind diese förderungsfähig.

Mediengestützte Lehrgänge können nur dann gefördert werden, wenn eine Ergänzung durch Nahunterricht oder mediengestütze Kommunikation stattfindet. Zudem müssen in regelmäßigen Abschnitten Erfolgskontrollen durchgeführt werde. Ein reines Selbststudium ist nicht förderfähig.

In Ausnahmefällen ist auch eine zweite Fortbildungsmaßnahme förderungsfähig, wenn sie für das angestrebte Fortbildungsziel rechtlich oder durch die persönlichen Umstände im Einzelfall erforderlich ist. Ein persönlicher, besonderer Umstand wäre z.B. eine Krankheit, die am Ausüben des Berufes hindert.

Fortbildungsmaßnahmen, die sich noch innerhalb des EU-Auslandes befinden, werden nur dann gefördert, wenn sie auf ein entsprechend anerkanntes Ausbildungsziel eines anderen EU-Staates hinarbeiten und wenn sie auf Grund von Kooperationsvereinbarungen von den in den jeweiligen Mitgliedstaaten zuständigen Stellen ausgeführt werden.

Anrechnung des Einkommens

Sofern das Einkommen oder Vermögen die Freibeträge übersteigt, mindert sich der Bedarf für das Meister-BAföG. Maßgeblich für die Ermittlung des Einkommens ist die Prognose über das Einkommen des Antragstellers für den Bewilligungszeitraum und das Einkommen des Ehegatten aus dem vorletzten Jahr vor Antragstellung. Dabei richtet sich die Einkommensanrechnung sowie die Vermögensanrechnung beim Meister BAföG nach §§ 17 und 17a AFBG.

Freibeträge vom Einkommen des Antragstellers

Freibetrag fürbis 31.07.2016ab 01.08.2016
Antragsteller255 €290 €
Ehegatten/ Lebenspartner des Antragstellers535 €570 €
jedes Kind des Antragstellers485 €520 €

Freibeträge vom Einkommen des Ehegatten

Freibetrag fürbis 31.07.2016ab 01.08.2016
Ehegatten/ Lebenspartner1.070 €1.145 €
jedes Kind485 €520 €

Anrechnung des Vermögens

Beim Vermögen werden z.B. selbstgenutzte Einfamilienhäuser, Bausparverträge etc. nicht angerechnet, um unbillige Härte zu vermeiden.

Weitere Freibeträge für das Vermögen sind nach § 17a AFBG :

Freibetrag fürbis 31.07.2016ab 01.08.2016
Antragsteller35.800 €45.000 €
Ehegatten des Antragstellers1.800 €2.100 €
jedes Kind des Antragstellers1.800 €2.100 €

Höhe des Meister BAföG

Die Höhe der Leistungen des Meister-BAföG ist nach den Bedarfssätzen des BAföG geregelt, die für mit abgeschlossener Ausbildung, auswärtig untergebrachter Schüler gelten. In § 10 Abs 2 AFBG heißt es dazu „Als monatlicher Unterhaltsbedarf gilt für einen Teilnehmer oder eine Teilnehmerin der Bedarfssatz nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 Nr. 2 und § 13a des Bundesausbildungsförderungsgesetzes. § 13 Abs. 3 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes ist entsprechend anzuwenden.“   Die Erhöhungsbeträge und Zuschläge für Krankenversicherung sowie Pflegeversicherung finden Anwendung nach dem AFBG.

Zuschuss- und Darlehensanteil

Meister BAföG wird grundsätzlich aus zwei Bestandteilen gewährt: zum einen aus einem Zuschuss, der den geringeren Teil der Förderung ausmacht und zum anderen aus einem Darlehensanteil, der durch die KfW Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) geleistet wird. Wie hoch jeweils der Darlehens- und Zuschussanteil ist, hängt u. A. davon ab, was gefördert wird und in welcher familiären Situation sich der Antragsteller befindet.

In der Regel liegt aber die Förderung bei ca. 1/3 als Zuschuss und 2/3 als zinsgünstiges Darlehen.

Konditionen für das Meister BAföG Darlehen der KfW

Das Darlehensanteil der Aufstiegsfortbildung wird von der KfW gewährt, welches den Abschluss eines privatrechtlichen Darlehensvertrages voraussetzt. Die Zinsen liegen unter den marktüblichen Kreditzinsen und werden halbjährlich, immer zum 01.04 und zum 01.10 eines jeden Jahres angepasst.

Die letzte Änderung gab es zum 01.01.2016, mit der sich die Zinsen auf 1,09% variabel p.a. belaufen (bis 31.03.2016: 1,09% p.a.). Die aktuellen Konditionen, insbesondere durch Veränderungen anhand der Zinsbindungsfristen, können im Zinsverlauf der KfW nachgelesen werden, die hier zu finden ist: KfW Zinsverlauf. Die nächste Zinsanpassung findet planmäßig zum 01.10.2016 statt.

Bedarf beim Meister BAföG – Höhe der Förderung

Der Grundbedarf (sog. Unterhaltsbeitrag) für Alleinstehende bei einer Vollzeitmaßnahme beträgt bis zum 31.07.2016 zusammen 697 EUR (229 € Zuschuss/ 446 € Darlehen) und wird ab dem 01.08.2016 erhöht. Dieser setzt sich folgendermaßen zusammen:

Bedarf fürbis 31.07.2016ab 01.08.2016
Grundbedarf Antragsteller348 €372 €
Wohnbedarf224 €250 €
Zuschlag Krankenversicherung62 €71 €
Zuschlag Pflegeversicherung11 €15 €
Erhöhungsbetrag52 €60 €
Gesamt697 EUR768 €

Förderbeträge im Überblick

Bedarf fürbis 31.07.2016ab 01.08.2016
BedarfZuschuss / DarlehenBedarfZuschuss / Darlehen
Alleinstehende697 €238 € / 459 €768 €333 € / 435 €
Alleinstehende mit einem Kind907 €343 € / 564 €1.003 €343 € / 564 €
Verheiratete/ eingetragene Lebenspartner912 €238 € / 674 €1.003 €238 € / 674 €
Verheiratete/ eingetragene Lebenspartner mit einem Kind1.122 €343 € / 779 €1.238 €343 € / 779 €
Verheiratete/ eingetragene Lebenspartner mit zwei Kindern1.322 €448 € / 874 €1.473 €709 € / 764 €

Der Grundbetrag von 697 € (768 € ab 01.08.2016) erhöht sich einkommens- und vermögensabhängig für jedes weitere Kind, für welches Anspruch auf Kindergeld besteht, um 210 € (235 € ab 01.08.2016), die zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsgünstiges Darlehen der KfW ausgegeben werden. Darüber hinaus erhalten Alleinerziehende einen einkommensunabhängigen Kinderbetreuungszuschlag als Pauschale (ohne Kostennachweis) in Höhe von 113 € (130 € ab 01.08.2016) als Zuschuss.

Lehrgangs- und Prüfungsgebühren

Für die Finanzierung der Gebühren von Vollzeit- oder Teilzeitmaßnahmen besteht ein einkommens- und vermögensunabhängiger Förderungsbeitrag in Höhe der tatsächlichen Kosten des Lehrgangs, jedoch nicht mehr als 10.226 € (15.000 € ab 01.08.2016). Dieser Betrag wird zu 30,5 % als Zuschuss und zu 69,5% als zinsgünstiges Darlehen gewährt (ab 01.08.2016 40 % Zuschuss). Das Darlehen ist während der Fortbildung und einer anschließenden Karenzzeit von zwei Jahren (maximal sechs Jahre) zins- und tilgungsfrei.

Kosten für Meisterstück

Die Kosten eines eventuellen Meisterstückes werden zu 50% (maximal 1.534 €) mit einem zinsgünstigem Darlehen gefördert. Ab 01.08.2016 wird beim Meister BAföG das „Attraktivitätspaket Meisterstück“ eingeführt, womit die Förderung der Materialkosten für das Meisterstück auf 2.000 € steigt und gleichzeitig ein Zuschussanteil von 40 Prozent eingeführt wird.

Förderungsdauer

Bei einer Vollzeitmaßnahme beträgt die Förderungsdauer höchstens 24 Monate, bei einer Teilzeitmaßnahme höchstens 48 Monate.

In bestimmten Ausnahmesituationen erhöht sich die Förderungsdauer des Meister-BAföG um weitere zwölf Monate.

Wird die Fortbildungsmaßnahme in mehreren Teilmaßnahmen absolviert, so gilt für eine Vollzeitmaßnahme eine Höchstdauer von 36 Monaten und für eine Teilzeitmaßnahme eine Höchstdauer von 48 Monaten der Förderung durch das Meister-BAföG.

Die Frist der Förderungsdauer beginnt mit der Aufnahme der Fortbildung, frühestens jedoch mit dem Monat der Antragstellung.

Rückzahlung und Stundung

Das Darlehen, also der Anteil am Meister-BAföG welcher nicht als Zuschuss gewährt wurde, muss nach Ablauf der zweijährigen Karenzzeit innerhalb von vier Jahren, mit einer monatlichen Mindestrate von 128 EUR abbezahlt werden. Der Zinssatz des Darlehens liegt deutlich unter dem marktüblichen Zinssatz.

Eine vorzeitige Rückzahlung des gesamten Darlehens ist nur in Beträgen von vollen 500 EUR möglich.

Antrag auf Existenzgründungserlass

Wird innerhalb von drei Jahren nach Abschluss der geförderten Fortbildungsmaßnahme ein neues Unternehmen in Deutschland gegründet oder ein vorhandener Betrieb übernommen, so kann frühestens nach Ablauf von 12 Monaten nach der Abschlussprüfung ein Antrag auf Existenzgründungserlass bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW, 53170 Bonn, Tel.: 0228/8310) gestellt werden, wenn:

  • wenn mindestens ein Auszubildender eingestellt wurde, dessen Ausbildungsverhältnis zum Zeitpunkt der Beantragung des Erlasses mindestens seit 12 Monaten besteht (Erlass: 33 Prozent auf den Restdarlehensanteil für Prüfungs- und Lehrgangsgebühren) oder
  • mindestens ein sozialversicherungspflichtiger Angestellter mit unbefristetem Arbeitsvertrag seit mindestens 6 Monaten im Betrieb beschäftigt ist (Erlass: 33 Prozent auf Restdarlehensanteil)

Für jeden weiteren Auszubildenden oder Angestellten, der die o.g.- Bedingungen erfüllt, wird ein weiterer Nachlass von 33 Prozent gewährt, in der Summe aber höchstens 66 Prozent. Die Beschäftigungsverhältnisse müssen zum Antragszeitpunkt fortbestehen.

Findet man nach erfolgreich bestandener Prüfung den Weg in die Selbstständigkeit, sei es durch eine neue Unternehmensgründung oder Unternehmensübernahme, so erhält der Teilnehmer einen Erlass von 33 Prozent (40 Prozent ab 01.08.2016) auf das auf Lehrgangs- und Prüfungsgebühren entfallene Restdarlehen. Voraussetzung ist allerdings, dass dauerhaft mindestens ein sozialversicherungpflichtiger Arbeitnehmer oder Auszubildender im Betrieb beschäftigt wird.

Stundung des Darlehens

Muss ein Kind bis zur Vollendung des 10. Lebensjahres elterlich betreut oder ein behindertes Kind gepflegt werden und beträgt die Wochenarbeitszeit unter 30 Stunden, so kann die Rückzahlung des Darlehens gestundet oder später sogar erlassen werden, wenn das Einkommen folgende Beträge nicht übersteigt (§ 18a BAföG) Die Beträge in Klammern gelten ab 01.08.2016:

  • 1.070 € (1.145 €) Förderungsberechtigter
  • 535 € (570 €) Ehegatte
  • 485 € (520 €) ) pro Kind

Diese drei Voraussetzungen müssen alle gemeinsam vorliegen. Eine Voraussetzung reicht hier nicht aus.

Weitere Informationen und Bildquelle

Letzte Aktualisierung: 08.04.2016