Elterngeld

Lohnersatzleistung nach Kindesgeburt

Neugeborenes Baby

Frisch gebackene Eltern erhalten Elterngeld – Foto © Vojtech Vlk – bigstockphoto.com

Das Elterngeld ist eine Lohnersatzleistung fĂŒr Eltern, die sich nach der Geburt des Kindes dafĂŒr entscheiden, im Berufsleben kĂŒrzer zu treten. Die Leistungen betragen zwischen 65 und 100 Prozent des bisherigen Erwerbseinkommens, mindestens aber 300 Euro und werden zusĂ€tzlich zum Kindergeld gezahlt.

Der Grundgedanke der Regierung mit der EinfĂŒhrung des Elterngeldes ist, dass sich Paare der FamiliengrĂŒndung widmen und zumindest teilweise einen finanziellen Ersatz fĂŒr das weggefallene Einkommen erhalten.

Voraussetzungen und Anspruch auf Elterngeld

Alle Eltern, die einen deutschen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik haben, haben fĂŒr leibliche Kinder oder Adoptivkinder einen Anspruch auf Elterngeld. Seit der Reformierung des Elterngeldes im Jahr 2011 wurde der Berechtigtenkreis allerdings eingegrenzt. So wurden Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen von 250.000 Euro bei Singles und 500.000 Euro bei Verheirateten vom Bezug ausgenommen.

ErwerbstÀtigkeit nach der Geburt

Der Bezug von Elterngeld setzt voraus, dass der beanspruchende Elternteil nach der Geburt nicht mehr voll erwerbstĂ€tig ist, was bedeutet, dass eine Arbeitszeit von 30 Wochenstunden (§ 1 Abs. 6 BEEG) im monatlichen Durchschnitt wĂ€hrend des Bezuges nicht ĂŒberschritten werden darf. Diese zeitliche BeschrĂ€nkung gilt nicht Azubis, die sich in einer BeschĂ€ftigung zur Berufsausbildung befinden.

Elterngeldantrag

Ein Antrag auf Elterngeld ist schriftlich bei der zustĂ€ndigen Elterngeldstelle (Jugendamt) der Stadt (bundesweites Verzeichnis) zu stellen. Nach der Geburt des Kindes sollte der Elterngelantrag schnell gestellt werden, da bei Verzug nur drei Monate rĂŒckwirkend ab Monat der Antragstellung gezahlt werden (§7 Abs. 1 BEEG)

notwendige Unterlagen

  • Einkommensnachweise
  • Geburtsurkunde des Kindes
  • ErklĂ€rung oder Bescheinigung, dass nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich im Bezugszeitraum gearbeitet wird
  • Mutterschaftsgeldbescheinigung der Krankenkasse
  • Beleg ĂŒber den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld

Höhe des Elterngeldes

Beim Elterngeld handelt es sich um eine einkommensabhĂ€ngige Leistung. Maßgeblich zur Ermittlung ist das durchschnittliche Nettoeinkommen der letzten zwölf Monate vor der Geburt des Kindes. Ab 2013 gilt die Neuerung, dass zwar weiterhin das Nettoeinkommen die Grundlage bildet, die Ämter aber vom Bruttoeinkommen selbst das Nettoeinkommen ermitteln.

Ab 2013 Bruttoeinkommen relevant

Der Gesetzgeber spricht hier von einer Erleichterung, jedoch fĂ€llt das Elterngeld durch die Berechnung aus dem Bruttoeinkommen – aufgrund von höheren Pauschalen als den tatsĂ€chlichen – niedriger aus, weil so das ermittelte vom tatsĂ€chlichen Nettoeinkommen abweicht.

Bei SelbstĂ€ndigen gilt der Gewinn vor der Geburt als BerechnungsgrĂ¶ĂŸe. Wie bei Arbeitnehmern werden bei SelbstĂ€ndigen PflichtbeitrĂ€ge zur Sozialversicherung (wenn tatsĂ€chlich abgefĂŒhrt) vom Gewinn noch abgezogen.

InlÀndische Einnahmen

BerĂŒcksichtigt wird nur Einkommen, welches in Deutschland versteuert wurde oder den inlĂ€ndischen EinkĂŒnften gleichgestellt ist. So werden auch Einkommen, die in der EU versteuert wurden, berĂŒcksichtigt.

Elterngeld Berechnung

Gehaltsabrechnung mit Euro-MĂŒnzen

Das Einkommen vor der Geburt ist fĂŒr das Elterngeld maßgeblich

Ist die Bemessungsgrundlage aus Nettoeinkommen oder Gewinn ermittelt, ist die Elterngeld Berechnung relativ einfach, da es feste Berechnungswerte gibt. Hier betrÀgt das Elterngeld zwischen 65 und 100 Prozent des Einkommens und ist bei 1.800 Euro gedeckelt. Mehr als 1.800 Euro Elterngeld gibt es nicht, egal wie hoch das Einkommen im Vorfeld gewesen ist.

Mindestbetrag „Sockelbetrag“

UnabhĂ€ngig davon, welches oder ob ĂŒberhaupt Einkommen vor der Geburt bezogen wurde, betrĂ€gt das Elterngeld nach § 2 Abs. 4 BEEG mindestens 300 Euro.

Nettoeinkommen zwischen 300 Euro bis 1.000 Euro

Diese Einkommensgruppe gilt als Geringverdiener. Hier betrÀgt die Höhe des Elterngeldes mindestens 67 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens vor der Geburt. ZusÀtzlich +0,1 Prozent je 2 Euro, die 1.000 Euro unterschreiten. Bei einem Nettoeinkommen von 900 Euro betrÀgt das Elterngeld z.B. 70 Prozent = 630 Euro. Durch die stufenweise Anhebung kann mit dieser Regelung bis zu 100 Prozent des Einkommens mit dem Elterngeld ersetzt werden.

Nettoeinkommen zwischen 1.000 und 1.200 Euro

67 Prozent des bisher in den 12 Monaten vor der Geburt erhaltenen Nettoeinkommens.

Nettoeinkommen ĂŒber 1.200 Euro

Hier verlĂ€uft die Rechnung wie bei Geringverdienern, nur in die andere Richtung. Die Basis bilden 1.200 Euro mit 67 Prozent. FĂŒr jede 2 Euro ĂŒber 1.200 Euro werden 0,1 Prozent stufenweise abgesenkt, bis zum Mindestwert von 65 Prozent des Nettoeinkommens. Das Elterngeld betrĂ€gt höchstens 1.800 Euro, womit der Grenzbetrag bei einem Nettoeinkommen von 2.770 Euro liegt. Einkommen darĂŒber hinaus hat keinen Einfluss mehr auf die Höhe.

kein Einkommen

Eltern, die kein Einkommen vor der Geburt hatten, (z.B. EmpfÀnger von Sozialleistungen), erhalten den o.g. monatlichen Pauschbetrag von 300 EUR. Anrechnung: Bei Bezug des Kinderzuschlags oder Hartz IV werden diese 300 Euro seit 2011 voll angerechnet!

Geschwisterbonus

Zwillinge Babys liegen im Kinderbettchen

FĂŒr Geschwisterkinder und bei Mehrlingsgeburten erhalten Eltern zusĂ€tzliches Elterngeld
Bild: Stefan Beger/ pixelio.de

ZusĂ€tzlich zum aus dem Einkommen oder dem Sockelbetrag ermitteltem Elterngeld wird ein Geschwisterbonus gezahlt, wenn weitere Geschwisterkinder betreut werden. Das gilt fĂŒr

  • zwei unter dreijĂ€hrige Kinder
  • drei unter sechsjĂ€hrige Kinder

Je Geschwisterkind werden hier weitere 10 Prozent des Elterngeldes gezahlt, mindestens 75 Euro monatlich. Der Geschwisterbonus ist bis zur Vollendung des dritten bzw. sechsten Lebensjahres des jeweiligen Kindes beschrÀnkt.

Mehrlingsgeburten

Bei Mehrlingsgeburten erhalten Eltern fĂŒr das erste Kind regulĂ€res Elterngeld aus der Einkommensermittlung und fĂŒr jedes weitere Kind zusĂ€tzlich 300 Euro. Bei Zwillingen also 300 Euro zusĂ€tzlich, bei Drillingen 600 Euro zusĂ€tzlich.

Doppeltes Elterngeld bei Zwillingen

Das Gesetz (BEEG) sieht zwar nicht, vor, dass bei Zwillingen das Elterngeld doppelt gezahlt wird, jedoch das Bundessozialgericht (BSG), wie es in den aktuellen Entscheidungen vom 27.06.2013 heißt (Az. B 10 EG 3/12 R und Az. B 10 EG 8/12 R). Demnach können Eltern bei der Geburt von Zwillingen jeweils das volle Elterngeld pro Kind und zusĂ€tzlich den Geschwisterbonus in Höhe von 300 Euro beanspruchen (Quelle: http://juris.bundessozialgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bsg&Art=ps&Datum=2013&nr=13007&pos=0&anz=19)

Elterngeld Bezugsdauer

Das Elterngeld wird grundsĂ€tzlich fĂŒr einen Zeitraum von zwölf Monaten gewĂ€hrt. Dieser Zeitraum kann auf 14 Monate erhöht werden, wenn sich beide Elternteile dazu entschließen, beruflich kĂŒrzer zu treten (sog. Partnermonate). So lange 14 Monate in der Summe nicht ĂŒberschritten werden, spielt die Aufteilung der Bezugsmonate von Mutter und Vater keine Rolle.

Aufgrund des fehlenden Partners erhalten Alleinerziehende Elterngeld fĂŒr 14 Monate.

Auf Antrag besteht zudem die Möglichkeit, den Bezugszeitraum auf 28 Monate auszuweiten, jedoch werden die Zahlungen auch halbiert. Im Ergebnis Àndert sich also nichts.

Mutterschaftsgeld

MĂŒtter erhalten in der Regel 6 Wochen vor der Geburt und 8 Wochen nach der Geburt das Mutterschaftsgeld. In dieser Zeit verringert sich das Elterngeld um die Höhe des Mutterschaftsgeldes. (zum Mutterschaftsgeld beim Familienministerium: http://www.familien-wegweiser.de/wegweiser/stichwortverzeichnis,did=40164.html)

Elterngeld in der SteuererklÀrung

Das Elterngeld selbst wird nicht besteuert, wird aber zur Ermittlung des Steuersatzes herangezogen (sog. Progressionsvorbehalt). Einzutragen ist es, wie auch das Mutterschaftsgeld in der Anlage N der SteuererklÀrung (bei Arbeitnehmern). Auch der Sockelbetrag von 300 Euro wird zur Bemessung des Steuersatzes herangezogen, so die Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH, Az. VI B 31/09).

Progressionsvorbehalt ErlÀuterung

Das Elterngeld wird zum zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet und es wird der Steuersatz ermittelt. Anschließend wird das Elterngeld vom Einkommen wieder abgezogen und das ĂŒbrige Einkommen wird mit dem erhöhten Steuersatz versteuert.

Elterngeld bei Studenten

Da Studenten im Regelfall vor Aufnahme des Studiums kein Erwerbseinkommen erzielen, erhalten sie beim Elterngeld nur den Mindestbetrag von 300 Euro. Wurde Einkommen erzielt, z.B. aus einem Studentenjob, so gelten die regulÀren BetrÀge anhand der Berechnung nach § 2 BEEG wie oben beschrieben.

Um das Elterngeld zu erhalten, mĂŒssen Studenten ihr Studium nicht unterbrechen. Auch gilt in diesem Fall die BeschrĂ€nkung von 30 Wochenarbeitsstunden nicht. Beziehen Studierende BAföG, so bleibt das Elterngeld in Höhe von 300 Euro auf die Ausbildungsförderung anrechnungsfrei. Weitere Infos fĂŒr Studenten: Studieren mit Kind

Noch Fragen zum Thema?

Schildere deinen Fall einfach im Elterngeld Forum. Vielleicht hatte auch schon jemand eine Ă€hnliche Frage, die bereits geklĂ€rt wurde.

Quellen und weiterfĂŒhrende Informationen: