Neue Altersgrenzen: BAföG soll modernisiert werden

zwei Studenten in Masken begrüßen sich in sozialer Distanz mit Ellenborgen

Die staatliche Ausbildungsförderung, besser bekannt als BAföG, bewegt sich in sehr strikten Grenzen, die neben dem Alter auch die Bezugsdauer beschränken. Dieses System ist von der Lebenswirklichkeit inzwischen längst überholt worden. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) möchte daher nachjustieren.

Regulär ist mit 35 Schluss

Aktuell gibt es BAföG im Rahmen einer Ausbildung wie dem das Bachelor-Studium nur, wenn das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet wurde. Bei einem Master-Studiengang wurde die Grenze bei 35 Jahren gezogen. Ausnahmen, zum Beispiel familiäre Gründe oder die Erziehung von Kindern, bestätigen die Regel, müssen aber eigens beantragt und bewilligt werden.

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Förderung klassischer Bildungsbiografien

Die bisherigen Vorgaben orientieren sich an klassischen Bildungsbiografien. Übersehen wird dabei, dass immer mehr Studierende später anfangen und sich erst auf dem zweiten Bildungsweg an einer Hochschule einschreiben. Deshalb fordert Anja Karliczek:

„Wir brauchen in der neuen Wahlperiode eine Weiterentwicklung des BAföG.“

Neue Vorschriften

Die überarbeiteten Vorschriften sollen dann unter anderem neue Altersgrenzen vorsehen.

„Wir wollen auch mehr für Menschen tun, die später im Leben noch ein Studium anstreben“,

so die Ministerin. Das gelte dann auch für Studierende, die bereits älter als 35 Jahre seien.

Bindung an Regelstudienzeit

Darüber hinaus soll die Förderung nicht, so wie bislang, mit der Regelstudienzeit auslaufen, und auch eine Zweitausbildung beim BAföG berücksichtigt werden. Insbesondere die Regelstudienzeit wird jetzt schon zum akuten Thema. Sie wurde, bedingt durch die Corona-Pandemie, in einigen Bundesländern um bis zu drei Semester verlängert. Damit verlängert sich auch der BAföG-Bezug.

Zu späte Reaktion

Der Vorstoß der Bundesbildungsministerin wird von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zwar begrüßt, komme „aber leider zu spät und nur in Trippelschritten“. Eine Reform sei längst überfällig, zumal bereits jetzt nur ein Teil der Studierenden von der Förderung profitiere. Die Überbrückungshilfe von bis zu 500 Euro, die über 100.000 Studierende im Rahmen von Corona erhielten, bezeichnet die Gewerkschaft als „halbherzig“.

Kritik der Grünen

Kritische Worte kommen auch aus Richtung der Grünen. Deren Wissenschaftsexperte Kai Gehring moniert den Vorschlag als „unglaubwürdiges Wahlkampfmanöver“. Er fordert eine Grundsicherung für Studierende und Auszubildende – damit einen grundlegenden Neustart des BAföG.

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