Werbungskosten des Studiums in der Steuererklärung

Werbungskosten des Studiums in der Steuererklärung

Das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 17.07.2014 (Az.: VI R 2/12 und VI R 8/12) war für viele eine Überraschung: Auszubildende und Studenten können die Kosten für ihr Erststudium in einigen Fällen als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Bedeutet dies doch, dass die oftmals nicht unerheblichen Kosten durchaus wieder in die Taschen der Studenten zurückfließen. Was genau ist absetzbar?

Was sind Werbungskosten?

Der Gesetzgeber beschreibt Werbungskosten als „Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen“ (§ 9 Einkommensteuergesetz).

Werbungskosten beinhalten also die Kosten rund um Job und Arbeitsstelle, wie etwa Fahrtkosten, Kosten für Arbeitskleidung oder Gewerkschaftsbeiträge. Allerdings sind in manchen Fällen auch Kosten in Verbindung mit dem Erststudium als Werbungskosten zu betiteln und somit steuerlich absetzbar.

Was ist steuerlich absetzbar?

Werbungskosten im Studium sind grundsätzlich ohne Beschränkung steuerlich absetzbar. Die folgenden Kosten können angerechnet werden:

  • Studiengebühren (Semester- und Rückmeldungsgebühren)
  • Aufwendungen für Arbeitsmittel
  • Fachliteratur
  • Lehrgangs-, Studien- und Schulgebühren
  • Mehraufwände für Unterbringung und Verpflegung z.B. bei einem Praktikum
  • Zinsen für einen Bildungs- oder Studienkredit
  • Fahrtkosten für die Fahrt zwischen Wohn- und Ausbildungsort

Wichtig: Auch, wenn Quittungen in der Steuererklärung nicht notwendig sind, kann das Finanzamt Zahlungsnachweise von Ausgaben, die von der Steuer abgesetzt werden sollen, anfordern. Die Belege sollten daher gut aufbewahrt werden.

Pauschalen

Pauschalbeträge werden vom Finanzamt ohne Zahlungsbelege anerkannt. Alle Ausgaben darüber hinaus müssen zusätzlich steuerlich geltend gemacht werden. Studenten können mit geringen Ausgaben können also von den folgenden steuerlichen Pauschalbeträgen profitieren: 

  • Arbeitsmittelpauschale: 110 Euro jährlich
  • Fachliteratur: 80 Euro jährlich
  • Umzugspauschale: 730 Euro
  • Verpflegungspauschale: 24 pro Tag Praktikum oder Exkursion
  • Telefon-und Internetkostenpauschale: 20 Euro monatlich
  • Fahrtkostenpauschale: 30 ct pro Kilometer
  • Bewerbungskostenpauschale:  8,50 Euro, Online-Bewerbung 2,50 Euro
  • Kontoführungspauschale: 16 Euro jährlich

Wer kann Studienkosten als Werbungskosten von der Steuer absetzen?

Im Regelfall können lediglich Studenten in der Zweitausbildung ihre Studienkosten als Werbungskosten steuerlich absetzen. Hierzu gehören maßgeblich Masterstudenten, allerdings gilt die Regelung in einigen Fällen auch für Bachelorstudenten. Die folgenden Personengruppen dürfen ihr Erststudium als Werbungskosten steuerlich absetzen:

Bachelorstudenten nach Berufsausbildung

Studenten, die vor ihrem Bachelorstudium eine Berufsausbildung absolviert haben, können die Werbungskosten im Rahmen des Studiums in voller Höhe steuerlich absetzen. Voraussetzung dafür ist, dass das Studium als Weiterbildung anerkannt wird. Hierfür müssen gemäß § 9 Abs. 1 EStG folgende Kriterien erfüllt werden:

  • Dauer der Ausbildung mindestens 12 Monate
  • Abschluss der Ausbildung durch Prüfung
  • Studium baut auf Ausbildung auf

Duale Studenten

Bei einem berufsbegleitenden Studium, können die Werbungskosten des Studiums in voller Höhe von der Steuer abgesetzt werden.

Studenten im Rahmen eines Dienstverhältnisses

Studierende Berufssoldaten der Bundeswehr können ebenfalls Werbungskosten des Studiums steuerlich absetzen.

Wichtig: Alle anderen Bachelorstudenten können ihre Studienkosten nach aktueller Rechtslage nicht steuerlich absetzen. Die Kosten werden vom Finanzamt derzeit als Sonderausgaben bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 Euro gewertet 8 (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG).

Erststudium und Werbungskosten: Bundesverfassungsgericht verhandelt

Im Masterstudium bzw. in der Zweitausbildung werden Ausgaben im Zusammenhang mit dem Studium in jedem Fall als Werbungskosten anerkannt. Im Bachelorstudium ist dies nur in den oben genannten Szenarien der Fall.

Aktuell verhandelt das Bundesverfassungsgericht in 6 laufenden Verfahren (Az.: 2 BvL 22/14, 2 BvL 23/14, 2 BvL 24/14, 2 BvL 25/14, 2 BvL 26/14, 2 BvL 27/14), ob die Kosten für ein Erststudium auch in jedem Fall als Werbungskosten steuerlich abzusetzen sind wie im Zweitstudium.

Verlustvortrag

Die Chancen für ein Urteil zugunsten der Erststudenten stehen gut. Betroffenen Studenten wird daher geraten, sich auf ein positives Urteil vorzubereiten, indem sie Belege für Werbungskosten sicher verwahren. Ferner sollten sie möglichst sofort eine Einkommensteuererklärung einreichen auf deren Grundlage vom Finanzamt ein Verlustvortrag vorgenommen wird. Auf Basis der Verlustfeststellung kann dann eine Rückzahlung der Kosten erfolgen. Der Bundesfinanzhof räumt Erststudenten hierbei eine Frist von 7 Jahren ein (Aktenzeichen IX R 22/14), um diese Vorteile rückwirkend geltend zu machen.

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