Wohngeldanspruch trotz Internatsunterbringung?

  • Ein freundliches Hallo, mit der Bitte um Hilfe!


    Mein Sohn ist 25, hat eine überbetriebliche Lehrstelle in einer Rehabilitationseinrichtung mit Internatsunterbringung (wg. Behinderung) bekommen, die vom Staat finanziert wird.


    Er wohnt seit Jahren allein in einer kleinen Wohnung im Heimatort, wo auch ich (selbst ALG II Bezieherin) und seine Geschwister mit Familien, wohnhaft sind.


    Im Internat gibt es alle zwei Wochen Heimfahrtswochenenden. Auch in den Ferien bzw. in den Urlaubszeiten muss das Internat verlassen werden. Er muss also eine Heimatwohnung haben, um nach Hause fahren zu können.


    Sein Lehrlingsgeld wird 240 Euro betragen, seine Wohnung zu Hause kostet genau so viel.
    So einen Fall hätten sie noch nie gehabt, waren die Auskünfte aller Ämter, bei denen er Beihilfen beantragen wollte.


    Bekommt er Wohngeld und wer ist zuständig?


    Gruß Birgit


  • Hallo,
    bekommt dein Sohn evtl. Ausbildungsgeld von der Agentur für Arbeit?
    Wer ist Reha-Träger? (also wer bezahlt das Internat mit Vollverpflegung?)


    Der Betrag von 240 Euro (du sprichst von Lehrlingsgeld) ist bei einer beruflichen Reha-Maßnahme nicht direkt nachvollziehbar.

    Zitat

    bei Unterbringung in einem Wohnheim, Internat, bei der oder dem Ausbildenden oder in einer besonderen Einrichtung für behinderte Menschen 104 Euro monatlich, wenn die Kosten für Unterbringung und Verpflegung von der Agentur für Arbeit oder einem anderen Leistungsträger übernommen werden,


    Evtl. kann dein Sohn einen Zuschuss zu den ungedeckten Kosten der Unterkunft beim JobCenter beantragen.


    dms

  • Hoffentlich trage ich hiermit nicht zur allgemeinen Versunsicherung bei.
    Doch möchte ich den Fachleuten hier im Forum ein paar Denkansätze liefern.
    :D

    Auszubildene, die im Rahmen der Förderung der beruflichen Eingliederung Behinderter (§§ 97 ff SGB III ) und vergleichbarer Vorschriften in anderen Sozialgesetzen in einer solchen Ausbildung gefördert werden (………) befinden sich in einer förderungsfähigen Ausbildung.

    [h=2]§ 97 SGB III = Teilhabe am Arbeitsleben[/h](1) Behinderten Menschen können Leistungen zur Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben erbracht werden, die wegen Art oder Schwere der Behinderung erforderlich sind, um ihre Erwerbsfähigkeit zu erhalten, zu bessern, herzustellen oder wiederherzustellen und ihre Teilhabe am Arbeitsleben zu sichern.
    [h=2]§ 98 SGB III = Leistungen zur Teilhabe[/h](1) Für behinderte Menschen können erbracht werden
    1. allgemeine Leistungen sowie
    2. besondere Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und diese ergänzende Leistungen.
    (2) Besondere Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben werden nur erbracht, soweit nicht bereits durch die allgemeinen Leistungen eine Teilhabe am Arbeitsleben erreicht werden kann. Leistungen zur beruflichen Eingliederung.

    Interessant ist, dass diese Förderung auf den „normalen“ BAföG-Anträgen gestellt wird.
    Deshalb sollte sich sowohl beim Jobcenter als auch bei der Stadtverwaltung (Amt für Soziales) erkundigt werden.


    Interessant sind u. .a. Tz. 2.1a.12 + Tz. 12.2.2 + 25.3.1 Abs. 2 Satz 2, BAföG-VwV

    Also Fachleute, wo seit Ihr!

    Ein sonniges Wochenende und gute Ideen wünscht Euch
    franjo :cool:

  • Hallo franjo und dms,


    franjo


    Danke für den Hinweis, allerdings hat er mit dem eigentlichen Problem nichts zu tun. Bei der Teilhabe geht es um die Ermöglichung eines Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes (z.B. Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung an den Arbeitgeber, Einrichtung eines speziellen behindertengerechten Arbeitsplatzes usw.), nicht aber um die Finanzierung des Lebensunterhaltes selbst (wenn man mal von dem Mehrbedarf bei Teilnahme an einer solchen Maßnahme absieht). Hier kommen eher die normalen Förderinstrumentarien bis hin zu BAB und/oder ALG II in Betracht. Insofern hat dms schon in die richtige Kerbe "gehauen".


    Ich hatte die Mutter inzwischen im Chat: so wie es aussieht, ist das Problem hier gar nicht die Hilfe selbst (die dem Sohn zweifelsohne zusteht), sondern eher, daß sich kein Amt zuständig fühlt und die Verantwortung an das nächste Amt abschiebt. Das Problem ist altbekannt, obwohl die gesetzlichen Vorgaben hier ganz eindeutig sind: jedes der eventuell in Betracht kommenden Ämter (wozu auch RV und KV gehören), ist verpflichtet, entsprechende Anträge ungeachtet der eigenen Zuständigkeit entgegen zu nehmen und eigenständig zu klären, wer nun letztendlich verantwortlich ist.


    Wie auch immer: ich habe die Mutter an das örtlich zuständige Integrationsamt verwiesen und ihr die entsprechenden Daten gegeben.


    dms


    Es kommt nicht nur die Mietbeihilfe, sondern auch der Mehrbedarf bei Teilhabe am Arbeitsplatz in Betracht. Laut Mutter wurde der Antrag auf Mietbeihilfe vom Jobcenter mit Hinweis auf Nichtzuständigkeit erst gar nicht entgegen genommen, was so ziemlich eindeutig gegen § 20 SGB X verstößt. Entsprechender Hinweis an die Mutter ist erfolgt.


    Gruß!

  • @ Hoppel,
    Danke für den Hinweis.
    Integrationsämter gibt es leider nicht in jeder Stadt/Dorf. Und deshalb auch mein Hinweis auf die Stadtverwaltung, welche - auch bei bei einer Nichtzuständigkeit - den Antrag weiter leiten muß. Und der Eingangsstempel - auch bei einer nichtzuständigen Behörde - zählt! Und wenn oftmals Verwaltungen sich mit den Zuständigkeiten nicht so richtig auskennen; woher sollen denn Eltern das zuständige Amt kennen?


    Doch leider wird das Spiel: "Wohnung bei den Eltern + nicht bei den Eltern" im Betreuungsbereich perfekt - nicht immer zugunsten der Antragsteller - gespielt, ohne Rücksicht auf Eltern usw.
    Zurück zum Thema...
    Hoffentlich kann durch die Infos von Dir Hoppel + dms geholfen werden.


    Es sind Gelder nach dem III SGB. Doch leider entscheiden Verwaltungen nicht immer Zugunsten der Antragsteller, welche oftmals nicht die Hilfe Unterstützung von Fachpersonen haben. M. W. gibt es auch verschiedene "Töpfe", aus denen Geld bezogen werden kann.

  • Hallo franjo,


    ich gebe Dir in allen Punkten Recht.


    Ein kleinen Widerspruch jedoch: zwar gibt es tatsächlich nicht in jeder Kommune Integrationsämter (was es den Ämtern vor Ort leichter macht, die Verantwortung hin- und her zu schieben), aber spätestens auf der --> Länderebene. Nach meiner praktischen Erfahrung lohnt sich die Einschaltung dieser Ämter bei derartigen Probleme in jedem Fall.


    Im übrigen - stell Dein Licht nicht unter den Scheffel (oder so...) - dein Hinweis auf die Teilhabe hat mich erst darauf gebracht, daß es ja dort einen Mehrbedarf gibt, der im konkreten Fall durchaus beantragt werden sollte/muß.... Also:


    Danke für den Hinweis ;-)


    Gruß!