Gewinn aus Aktienverkauf = Einkommen?

  • Hallo,


    ich habe momentan kein großes Einkommen und beziehe Wohngeld.
    Ich habe schon seit vielen Jahren ein paar Aktien, die ich jetzt gerne verkaufen würde. Dabei würde ein Gewinn anfallen.


    Frage: Zählt das dann zum für Wohngeld relevanten Einkommen?
    Dividenden von Aktien werden ja angerechnet aber wie sieht es mit Gewinnen aus dem Verkauf aus?


    Mein Sachbearbeiter bei der Wohngeldstelle den ich gefragt habe war sich nicht sicher. Nachdem er nachgefragt hatte, meinte er wahrscheinlich nicht, da es ein einmaliges Einkommen sei und somit nicht zum Einkommen zählen würde. Wirklich sicher schien er aber nicht zu sein. Es macht daher wohl eher wenig Sinn ihn noch einmal zu fragen.


    Kann mir hier jemand die Frage beantworten? Würde der Gewinn auf mein Einkommen angerechnet werden und sich das gezahlte Wohngeld entsprechend verringern? (Was den Verkauf ja sinnlos machen würde.)


    Schon mal vielen Dank :) und liebe Grüße


    Schmitti

  • Hallo,


    gemäß Wohngeldverwaltungsvorschrift:


    "14.108 Kapitalvermögen
    (1) Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 1 und 2 EStG) gehören insbesondere
    1. Gewinnanteile (Dividenden), Ausbeuten und sonstige Bezüge aus Aktien, Genussrechten, mit denen das Recht am Gewinn und Liquidationserlös einer Kapitalgesellschaft verbunden ist, aus Anteilen an Gesellschaften mit beschränkter Haftung, an Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften sowie an Bergbau treibenden Vereinigungen, die die Rechte einer juristischen Person haben. Zu den sonstigen Bezügen gehören auch verdeckte Gewinnausschüttungen; ..."


    Der Gewinn ist ein einmaliges (jährliches) Einkommen. Damit sich das Wohngeld entsprechend verringern würde, müsste der Gewinn schon etwas höher sein. Bei den Einnahmen aus Kapitalvermögen wird ein Freibetrag von maximal 100,00 € abgesetzt.


    Viele Grüße



    Else Kling

  • Hallo,


    erstmal vielen Dank für die schnelle Antwort.:)


    Den Text hatte ich bei meiner Recherche auch schon mal gelesen. Aufgrund der Formulierung war ich mir aber nicht sicher ob ein Gewinn aus Aktienverkauf (eigentlich also Spekulationsgewinn) damit gemeint ist. Dividende ist es nicht und auch keine Zinsen. Meint dann "Ausbeutung" auch Spekulationsgewinne? Leider habe ich bisher im Netz keine einzige eindeutige Aussage bei der "das Kind beim Namen" genannt wurde dazu gefunden. Für den Sachbearbeiter war auch der Unterschied zwischen regelmässigen Einkünften (Zinsen, Dividende aus Kapitalvermögen) und einmaligen Vorfällen wohl ein sehr wichtig Unterschied. Unter dem Punkt einmalige Einkünfte ist es leider auch nicht explizit aufgeführt.


    Hat jemand diesen Fall bei seinem Antrag villeicht schon konkret erlebt und könnte hier von seinen Erfahrungen berichten?:)


    Hmm, gesetzt den Fall Spekulationsgewinn gehört also dazu muss ich dann direkt eine Veränderungsmitteilung machen, da mein Einkommen sich daher um mehr als 15% erhöht? (Habe die Aktien jetzt 15 Jahre, daher ist tatsächlich nennenswerter Gewinn darauf).
    Oder zählt das dann erst für Anträge im Jahre 2012? Soweit ich weiss zählt bei Kapitaleinkünfetn ja immer die Zahlen aus dem Vorjahr, derzeit also 2010??


    So, nochmal danke für die Antwort und


    viele Grüße


    Schmitti

  • Hallo,


    Elsa hat mit Ihrem Zitat und Ihrer Meinung Recht.


    Die Erlöse aus der Veräußerung von Aktien sind als ein Erlös aus Kapital zu werten und werden entsprechend auf das Wohngeld angerechnet.


    Zitat

    Für den Sachbearbeiter war auch der Unterschied zwischen regelmässigen Einkünften (Zinsen, Dividende aus Kapitalvermögen) und einmaligen Vorfällen wohl ein sehr wichtig Unterschied


    Natürlich ist das wichtig, weil das über die Art der Anrechnung entscheidend ist.


    Zitat

    Unter dem Punkt einmalige Einkünfte ist es leider auch nicht explizit aufgeführt.


    Dort hätte es auch nichts zu suchen.


    Else hat Dir schon den entscheidenen Hinweis gegeben: maßgeblich ist das EStG und dort der § 20. In Abs. 2 Nr. 1 wird eindeutig (wenn auch im komplizierten Behördendeutsch) geregelt, daß Einkünfte aus Verkauf von Aktien als Einnahme aus Kapitalerlöse zu werten sind (was übrigens bis 2009 nicht der Fall war, was vielleicht zur Verunsicherung des SB führte), womit der Gewinn entsprechend anzurechnen ist.


    Gruß!

  • Hallo,


    danke Euch beiden für die Antworten. Jetzt habe ich endlich Klarheit.


    Es ergeben sich abschließend noch 2 Fragen:


    1. Lassen sich dann Gewinne und Verluste von Aktienverkäufen im selben Jahr miteinander verechnen? Wie müsste ich das nachweisen, reicht eine Ergebnisaufstellung von der Bank, oder müßte bei Aufrechnung dann eine Steuererklärung herhalten?


    2. Ab wann zählt dieses Extra-Einkommen? Ab Zeitpunkt des Verkaufes, sprich müßte ich eine Änderungsmitteilung machen da so mein Einkommen um über 15% steigen würde?
    Oder zählt das erst bei einem neuen Antrag im Jahre 2012, da bei Kapitaleinkünften ja meines Wissens nach die Zahlen aus dem Vorjahr gelten, also aktull noch die Kapitaleinkünfte von 2010?


    Kann das noch jemand beantworten? Ich denke dann wäre das Thema abgeschlossen und alle Fragen beantwortet (auch für zukünftige Leser).


    Nochmal danke und


    viele Grüße


    Schmitti

  • Hallo,


    1. Verluste würden als Werbungskosten zählen. Bei Kapitalerlösen ist eine WK-Pauschale von 802 € (bei gemeinsam veranlagte Ehepartnern 1602 €) vorgesehen, die Geltendmachung der tatsächlichen WK ist ausgeschlossen. Somit kannst Du die Verluste nicht geltend machen.


    2. Sofern sich Dein Gesamteinkommen um mehr als 15% erhöht,m bist Du zur sofortigen Meldung verpflichtet und der laufende Bescheid wird aktualisiert.


    Gruß!

  • Hallo,
    auch wenn ihr hier mit dem Thema schon lange durch zu sein scheint, möchte ich nochmal ein ähnliche Frage stellen.


    Mein Wohngeldbescheid läuft Ende Sep.2012 aus
    mit folgender Ausgangssituation (2011):


    Student über FHD; Vermögen ca 1.000,-; kein Job


    Einkommen:
    Unterhalt 550,- mtl.
    Zinsen ca 160,- jhrl.
    gesamt: mtl. ca 563,-


    Ausgaben:
    Miete (warm) ca 275,- (kalt ca 239,-)
    KV für Student ca 65,- mtl.
    gesamt: mtl. ca 340


    Frage hierzu:
    Warum bekam ich überhaupt Wohngeld obwohl ich doch laut Rechnung
    {Regelsatz zzgl. ggfls. Mehrbedarf (§ 21 SGB II) + Warmmiete (inkl. Heizkosten) davon 80%}


    (374 € + 65 € + 275 €) * 0,8 = ca 571 (vllt. noch bisschen mehr, falls ich was vergessen habe)
    mit meinem "Einkommen" unterschreite (563 € < 571 €)?




    neue Ausgangssituation (2012 Okt.):


    Student über FHD; Vermögen nun ca 15.000,- bekomme ich aus einer Sparanlage, die meine Eltern für mich angelegt hatten von denen im Okt. überwiesen; weiterhin kein Job


    Einkommen:
    Unterhalt 0,- mtl. (wegen nun Vermögen)
    Zinsen ca 50,- jhrl.
    gesamt: mtl. ca 50,-


    Ausgaben:
    Miete (warm) ca 310,- (kalt ca 271,-)
    KV für Student ca 77,- mtl.
    gesamt: mtl. ca 387,-


    Fragen hierzu:


    Bekomme ich hier nun überhaupt weiterhin Wohngeld, da ja scheinbar Mindesteinkommen deutlich unterschritten?
    --> im Wohngeldrechner steht nach Berechnung nun

    Zitat

    Ihr vermutlicher Wohngeldanspruch: 230 €
    — Ihren Lebensunterhalt müssten Sie möglicherweise über Aufbrauch von Vermögen bestreiten können, um Wohngeld zu erhalten und nicht auf die Grundsicherung verwiesen zu werden.


    Zählt das neue Vermögen nur in dem Monat des Erhaltes (Oktober) in die Wohngeldberechnung und gilt dann als Vermögen im folgenden Monaten oder gilt das doch als Jahresvermögen?
    Und was passiert, wenn ich WG erst nach dem Erhalt des "Zusatzeinkommens/Vermögens" im November erst erneut beantrage (ohne Oktober), zählt es dann definitiv als Vermögen und nicht als Einkommen?


    Vielen Dank für Eure Mühen.

  • Hallo,


    Zitat

    Warum bekam ich überhaupt Wohngeld


    Weil die Berechnung nicht vollständig ist und auch bestimmte Absetzungen vorgenommen werden.


    Zitat

    Bekomme ich hier nun überhaupt weiterhin Wohngeld


    Das alles klingt nicht sehr plausibel mit dem "plötzlichen" Vermögen und dem damit einhergehenden Unterhaltswegfall. Erinnert eher an ein Märchen und könnte beim Sachbearbeiter das Stichwort "Mißbrauch des Wohngeldes" in Erinnerung bringen.


    Auch der Satz (bzw. dessen Umsetzung)


    Zitat

    Und was passiert, wenn ich WG erst nach dem Erhalt des "Zusatzeinkommens/Vermögens" im November erst erneut beantrage (ohne Oktober), zählt es dann definitiv als Vermögen und nicht als Einkommen?


    macht stutzig, weswegen ich auf weitere Antworten verzichte.


    Gruß!

  • Hallo Hoppel,
    danke dass du dich meiner annimmst.


    Grundsätzlich, möchte ich sagen, habe ich nicht mit "Es war einmal ..." angefangen und ist damit auch kein Märchen! (Hinweis auf deine Vermutung) :rolleyes:


    zur alten Ausgangssituation (2011):
    1)
    Im Prinzip ging es in der ersten Frage

    Zitat

    Warum bekam ich überhaupt Wohngeld

    wie man mir das WohnG. berechnet hatte, aber wie du schon sagtest fehlen mir da einigen Werte. --> Abgehakt


    zur neuen Ausgangssituation (2012):
    Student über FHD; Vermögen nun ca 15.000,- bekomme ich aus einer befristeten Sparanlage, die meine Eltern für mich angelegt hatten von denen im Okt. überwiesen; weiterhin kein Job


    Einkommen:
    Unterhalt 0,- mtl.
    --> reduziert, da meine Eltern nun sagen, hier hast du dein Geld was wir für dich angelegt haben (aus befristeten Sparvertrag, der nun auslief) und brauche das erstmal auf!
    Zinsen ca 50,- jhrl.
    --> weniger als 2011, da Vermögen aus 2011 (ca 1000 € fast aufgebraucht); neue Zinsschätzung für das neue Vermögen nicht mit eingerechnet
    gesamt: mtl. ca 4,-
    --> ich würde also fast rein von meinem Vermögen leben ...


    Ausgaben:
    Miete (warm) ca 310,- (kalt ca 271,-) --> durch Mieterhöhung um unter 15 %
    KV für Student ca 77,- mtl. --> durch Betragsanhebung (vorher mal 65 €)
    gesamt: mtl. ca 387,-


    2)
    Die Frage auf den nun aktuellen Stand 2012 bezigen

    Zitat

    Bekomme ich hier nun überhaupt weiterhin Wohngeld, da ja scheinbar Mindesteinkommen deutlich unterschritten?

    ging eigentlich darum, ob es überhaupt möglich ist mit den beschriebenen Werten (also Vermögensanstieg, bei gleichzeitigem "Einkommenseinbruch" siehe obere Erklärungen) weiterhin Wohngeld zu beziehen oder kann ich mir die Mühe eines neuen Antrag sparen.


    3)
    Die letzte Frage nochmal der Vollständigkeit halber bei Antrag nun für Oktober:

    Zitat

    Zählt das neue Vermögen nur in dem Monat des Erhaltes (Oktober) in die Wohngeldberechnung und gilt dann als Vermögen im folgenden Monaten oder gilt das hier als Jahresvermögen?


    Schönen Gruß

  • Hallo,


    1. ja, ist möglich - sofern man die Angaben als plausibel wertet.


    2. ist im Zusammenhang mit Wohngeld ohne Interesse, sofern plausibel.


    3.

    Zitat

    Grundsätzlich, möchte ich sagen, habe ich nicht mit "Es war einmal ..." angefangen


    Mag sein, hättest Du aber gut machen können. Denn es bleibt dabei, daß das ganze absolut unplausibel ist.


    Gruß!