Vater stellt sich quer. Wie vorgehen?

  • Hallo :)


    Erstmal zu mir. Ich lebe mit meinem Vater und seiner Frau zusammen. Mit meiner Mutter habe ich keinen Kontakt mehr.
    Die familiäre Situation ist sehr schlimm. Gerade im Bezug auf meinen Vater.
    Ich habe im Haus ein sehr kleines Zimmer und arbeite nebenbei auf 400€ Basis um einigermaßen liquid zu sein.
    Eigentlich hatte ich vor während der Studienzeit weiterhin so zu leben, bis ich dann endlich mein eigenes Geld verdiene. Leider ist es mir kaum noch möglich ständig alles in mich rein zu fressen und mit über 20 Jahren noch befürchten zu müssen das mein eigener Vater mich verprügelt, sobald ich mein Mund zu weit auf mache. Es herrscht eine klare Hierarchie: Das was der Vater sagt ist Fakt und der Sohn hat zu gehorchen. Kontrolle ist an der Tagesordnung. z.B. wenn mein Telefon klingelt und er das mitkriegt, wird gefragt wer war das, was wollte er, warum ruft er dich an, etc...
    Auch das Lernen ist in diesem Haushalt nicht mehr ohne Probleme zu bewältigen. Wenn der Vater was möchte habe ich zu gehorchen und es muss sofort gemacht werden!
    Weitere 2 Jahre halte ich das kaum noch aus.


    Jetzt zum finanziellen. Bafög habe ich beantragt, auch wenn es ein Kampf war die Papiere meines Vaters zu erhalten.
    Meine leibl. Mutter wurde übers Bafög Amt kontakiert. Jedoch kann man ihr nichts anrechnen.
    Laut dem BaföG Bescheid, steht mir ein Grundbedarf von 422€ zu.
    Aufgrund des hohen Aufkommens meines Vaters ist sein angerechnetes Einkommen 364,72€, welches er mir zu leisten hätte. Darunter natürlich mit eingerechnet, dass er das Kindergeld erhält und ich auch noch bei ihm wohne.
    Das Geld welches ich verdiene steht unter dem Freibetrag.
    Die Differenz aus dem Grundbetrag 422€ und das anzurechenbare Einkommen meine Vaters 364,72€ ~ 365€, steht mir als Bafög zu, nämlich 57€. Von den 365€ kriege ich nichts zu sehen, was mir auch nicht wichtig ist, da ich das Geld nicht benötige, da ich noch bei ihm wohne.
    Als Luxus habe ich ein Auto, dessen Versicherungskosten von ca. 60€ im Monat mein Vater vom Kindergeld bezahlt.


    Das Problem ist, dass er mich nicht ausziehen lässt und mir dann eine Wohnung finanziert. Er würde jeglichen Zahlungsverkehr blockieren. Er versucht seine Macht zu nutzen um mich bei ihm zu behalten um weiterhin Kontrolle über mich zu haben.


    Nun zu meinen Fragen.
    Sofern ich ausziehe, würde sich das anrechenbare Einkommen meines Vaters erhöhen, da ich ja nicht mehr bei ihm im Haus wohne und somit ein höheren Grundbedarf habe (640€)?
    Müsste ich ihn anklagen, wenn er die Leistungen verweigert?
    Würde das Kindergeld dann mir zustehen?
    Sitzt er wirklich am längeren Hebel, schließlich ist er mir unterhaltspflichtig?


    PS: Auf ein Auto würde ich natürlich verzichten. Das Auto wird von meinem Vater gerne als Druckmittel genutzt.


    PPS: Mit ihm Reden, hat zur Folge, dass jegliche von mir kommenden Aussagen in ein Desaster führen. Alles was ich sage ist falsch und wird mit Vorwürfen und versuchten Einschüchterungen, sowie Drohungen beantwortet.



    Zum Abschluss entschuldige ich mich für den langen Text und bedanke mich schonmal im Vorraus für eure Antworten.


    LG :)

  • Hallo Student HH


    erst einmal tut mir es sehr leid, was Dein Vater da so von sich gibt und wie er Dich behandelt. War er denn schon immer so? Warum bist Du nicht bei Deiner Mutter nach der Scheidung der Eltern geblieben. Man könnte denken, dass er sie auch unter Druck gesetzt hat um Dich bei sich zu behalten....aber sicher nicht aus Liebe.
    Vielleicht hast Du auch keinen Kontakt mit deiner Mutter weil er es so bestimmend ist.... Hast Du schon mal versucht einen Kontakt zu ihr zu finden??
    Was ist mit der neuen Frau...akzeptiert sie dieses Verhalten???


    So nun zum finanziellen.


    Wenn Du ausziehst stünde Dir ein Betrag von 670€ zu.


    Dieser setzt sich aus dem Kindergeld + Bafög + Rest Unterhalt der Eltern zusammen.
    Der Betrag im Bafögbescheid ist nicht gleich der Zahlbetrag des Vaters.
    Dieser richtet sich in deinem Fall nach der Düsseldorfer Tabelle. (4.Altersstufe) Das bereinigte Einkommen deiner Eltern wird zusammengerechnet und anhand dieses Betrages(Gesamteinkommen) wird in dieser Tabelle dein Unterhaltsbetrag abgelesen. Von dieser Summe wird dann das Kindergeld noch abgezogen (dies ist an Dich auszuzahlen) Z.Bs. Zahlbetrag lt. Tabelle 664€ abzgl Kindergeld 184€ ggf. abzgl. Bafögbetrag 57€ bleibt ein Zahlbetrag von 423€. Diesen Restbetrag müssen Deine Eltern entsprechend ihres Einkommens(prozentual) zahlen. Dein Einkommen aus dem Nebenjob ist zwar überobligatorisch könnte aber unter Umständen teilw. angerechnet werden. Diese Berechnung müsste dann in Deinem Fall wirklich von einem Fachanwalt für Familienrecht durchgeführt werden.


    Die o.g. Berechnung wäre, wenn Du noch zu Hause wohnst.
    Bei eigener Wohnung wären das pauschal die 670€
    (Bafög+Kindergeld+Rest Unterhalt von den Eltern = in Summe die 670€


    Wenn Du ausziehst, müsste auch der Bafögantrag entsprechend den veränderten Umständen aktualisiert werden. Denn dann würde dein Baföganspruch höher sein.

  • nur ergänzend zu der vorherigen Antwort:


    Von den 365€ kriege ich nichts zu sehen, was mir auch nicht wichtig ist, da ich das Geld nicht benötige, da ich noch bei ihm wohne.


    Du siehst die 365 € (plus Kindergeld) indirekt durch die kostenlose Unterkunft und Verpflegung sowie andere Dinge (z.B. Kfz-Versicherung).


    Müsste ich ihn anklagen, wenn er die Leistungen verweigert?


    1. Vater (Eltern!) auf Unterhalt verklagen: Es kann passieren, dass er sich auf § 1612 BGB beruft: Haben Eltern einem unverheirateten Kind Unterhalt zu gewähren, können sie bestimmen, in welcher Art und für welche Zeit im Voraus der Unterhalt gewährt werden soll, sofern auf die Belange des Kindes die gebotene Rücksicht genommen wird.
    Außerdem wäre auch deine Mutter Barunterhaltspflichtig sofern ihr Einkommen über dem Selbstbehalt (1.150 €) liegt.
    2. Möglichkeit: BAföG Vorschuss - Vorausleistung durch das BAföG Amt


    Würde das Kindergeld dann mir zustehen?


    Wenn weder dein Vater, noch deine Mutter Unterhalt zahlen, kannst du das Kindergeld auf dich abzweigen:
    http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/Vordrucke/A09-Kindergeld/Publikation/V-Kg11e-Antrag-anteilige-Auszahlung.pdf


    Sitzt er wirklich am längeren Hebel, schließlich ist er mir unterhaltspflichtig?


    Nein, er sitzt nicht am längeren Hebel, da dir folgendes Einkommen sicher ist:


    400 € eigene Erwerbstätigkeit
    184 € Kindergeld
    232 € BAföG (597 € minus 365 €)


    zusammen 816 €


    Damit kann man schon auskommen und dann prüfen, worauf evtl. noch Anspruch besteht. Das größte Problem wird sein, dass du erst nach dem Auszug das Kindergeld abzweigen bzw. die BAföG Erhöhung beantragen kannst. Hast du eine kleines Geldpolster?
    Du hast auch keinen Anspruch auf eine Wohnungserstausstattung von der Arge.


    Behalt aber immer den Grenzbetrag beim Kindergeld (8.004 €) im Auge. BAföG-Höchstbetrag (nur Zuschussanteil) plus maximaler Hinzuverdienst kann manchmal das Kindergeld kosten.


    Das anrechenbare Einkommen des Vaters beim BAföG dürfte sich durch deinen Auszug nicht verringern. Frag aber zur Sicherheit nochmal hier im Forum nach.

  • Hallo und vielen Dank für die Antwort.


    Nun ja meine Mutter hat mich schon als Kind misshandelt, sodass ich mit 11 Jahren zu mein Vater zog. Leider gabs auch noch andere Probleme mit ihr.
    Das Verhältnis mit meinem Vater war nie sonderlich gut, aber mit Sicherheit nicht so schlimm wie jetzt.
    Seine neue Frau akzeptiert dieses Verhältnis nicht, ist allerdings relativ machtlos. Leider ist die Problematik sehr tief verwurzelt.
    Peinlich ist es wenn meine Freundin hier ist und Streit ausbricht. Natürlich merkt Sie auch die Spannungen zwischen uns wenn wir uns z.B. beim Essen befinden. Ist leider kein harmonisches Zusammenleben.


    Ich werde aufjedenfall mal ein Anwalt aufsuchen und weiteres mit dem Besprechen, wie ich vorgehen kann. Nur Leider würde ich vermuten, dass mein Vater mir nie wieder in die Augen sehen wird, sofern ich ihn verklagen würde.


    Vielen Lieben Dank nochmal Tantemarie und Liebe Grüße :)


    Edit: Habe gerade gelesen, dass Theo auch geantwortet hat. Dafür auch ein dickes Dankeschön :)
    Aber sofern ich mich nicht irre würde ein Verdienst bis zu 4500€ in den Freibetrag fallen und somit nicht anrechenbar ist?


    Zitat

    Zitat von Theo
    Du siehst die 365 € (plus Kindergeld) indirekt durch die kostenlose Unterkunft und Verpflegung sowie andere Dinge (z.B. Kfz-Versicherung).


    Das mag ja sein, allerdings frage ich mich, wenn das von mir verdiente Geld unter dem Freibetrag fällt, dann wäre es genauso als würde ich gar nicht arbeiten?
    Also hätte ich nicht einen Euro in der Tasche, da kein Taschengeld oder barunterhalt der Eltern erfolgt. Somit ist für mich nicht ganz klar, dass das anrechenbare Einkommen meines Vaters in Höhe von 365€ für Unterkunft und Verpflegung drauf geht. Schließlich braucht auch ein Student etwas Bargeld, sei es nur um mal in der Mensa zu essen.
    Oder irre ich mich hier?

  • Hallo


    oje da ist ja so einiges schief gelaufen. Aber "Hut" ab ...du gehst Dein Weg.


    Ich kann die Sache nur recht schlecht einschätzen, aber meines Erachtens solltest Du schnellst möglich ausziehen.


    Wie Theo schon schreibt, würdest Du finanziell so einigermaßen über die Runden kommen.


    Unter diesen Umständen (Misshandlung in der Kindheit und Psychospielchen Deines Vaters, ist keine zielstrebige Ausbildung zu erwarten. Grund genug zum Auszug.....


    Kümmer Dich zuerst um eine kleine Wohnung (evtl. mit Freundin;-) vorher um das Kindergeld!!! und wenn Du den Mietvertrag in den Händen hältst - auch um die Aktualisierung Deines Bafögantrages.


    Dein Vater/Mutter kommen um eine Auskunft NICHT drum herum: Keine Bange.;-)


    Belese Dich mal bzgl. des Kindergeldes oder frage bei der Familienkasse nach, m.E. gibt es da ab 2012 eine neue Regelung. (Keine Höchstgrenze mehr ....etc.)


    Viel Glück


    PS: Wenn Dein Vater es Dir nicht gönnt, ein eigenständiges Leben zu führen - dann hat er Pech.


    Wenn er Dich doch lieben sollte...wird er dies früher oder später zeigen, wenn nicht- dann bist Du schlauer.