Mindert Ausbildungsvergütung eine Unterhaltsverpflichtung?

  • Hallo zusammen,


    wir hatten neulich eine spannende Diskussion, welche wir nicht klären konnten. Vielleicht hat einer von Euch eine gute Idee.


    Folgende Situation: Ein Vater zahlt seiner Tochter aus erster Ehe seit deren Geburt regelmässig den vollen geschuldeten Unterhalt. Vater ist wieder verheiratet und hat aus dieser Ehe noch 3 weitere Kinder (15,13,6). Nunmehr ist die Tochter aus erster Ehe volljährig (18 J.), mitten im Abitur und hat bereits jetzt einen Ausbildungsvertrag bei einem Unternehmen in der Tasche. Mit Antritt der Ausbildung wird sie eine monatliche Ausbildungsvergütung in Höhe von 800,- € erhalten sowie auf dem Campus des Ausbildungsbetriebes wohnen. Soweit bekannt, werden als Unterhaltsbedarf der Tochter 640,- € angesetzt. Nun die Frage welche nicht zu klären war: ist das Ausbildungsentgelt steuer- und sozialabgabenpflichtig? Hier vorherrschende Meinung war: Sozialabgaben ja, Steuerpflicht nein. Das würde bedeuten, von den 800,- € werden 90,- ausbildungsbedingter Mehrbedarf + Sozialabgaben abgezogen, so dass der Tochter nach Abzug in etwa ein monatliches Entgelt in Höhe des Unterhaltsanspruches verbleibt und der Vater somit nicht mehr unterhaltspflichtig ist. Gegensätzliche Meinung sagt, dass auch noch Steuerpflicht auf die Ausbildungsvergütung anfällt, daher das Einkommen unter den Unterhaltsanspruch sinkt und somit weiterhin Unterhalt zu zahlen wäre. Was stimmt?


    Ich freue mich, wenn jemand den Knoten entwirren könnte.
    Grüße an alle.

  • Mit Antritt der Ausbildung wird sie eine monatliche Ausbildungsvergütung in Höhe von 800,- € erhalten sowie auf dem Campus des Ausbildungsbetriebes wohnen. ist das Ausbildungsentgelt steuer- und sozialabgabenpflichtig?


    Es ist steuer- und sozialversicherungspflichtig. Mit Steuerklasse I und ohne weiteres Einkommen werden aber keine Steuern anfallen.


    800 € brutto sind ca. 635 € netto


    werden als Unterhaltsbedarf der Tochter 640,- € angesetzt.


    Ab 2011 670 €.


    90,- ausbildungsbedingter Mehrbedarf


    Diese Pauschale gilt nur für Kinder die im Haushalt eines Elternteils leben (Anmerkung 8 der DT). Liegen die Kosten über 90 € oder lebt das Kind nicht bei einem Elternteil ist der tatsächliche Mehrbedarf abziehbar.


    etwa ein monatliches Entgelt in Höhe des Unterhaltsanspruches verbleibt und der Vater somit nicht mehr unterhaltspflichtig ist.


    Ab Volljährigkeit sind beide Elternteile Barunterhaltspflichtig, die Mutter müsste sich also beteiligen.


    Aber zu den 635 € netto kommt ja noch das Kindergeld hinzu, so dass ein Unterhaltsanspruch unwahrscheinlich erscheint.


    hat aus dieser Ehe noch 3 weitere Kinder (15,13,6)


    Etwas off topic: Ist der Vater der Kindergeldberechtigte und seine 1. Tochter ein Zählkind? Oder anders: Bekommt die Familie 558 € oder 589 € Kindergeld?

  • Guten Abend!


    Bei mir sieht die Situation ähnlich aus.
    Hier mal kurz zusammengefasst:
    -Eltern getrennt
    -Wohnung (Ausbildung) 500Km von Eltern entfernt
    -Ausbildungsvergütung netto ~800€


    Die Frage ist natürlich, wie sich der Mehrbedarf des volljährigen errechnet/zusammensetzt.

  • Bei 800 € netto sehe ich keinen Unterhaltsanspruch mehr. Evtl. kannst du noch Kindergeld bekommen, sofern du ausreichend Werbungskosten hast, um unter den Grenzbetrag zu kommen.


    Was willst du denn als Mehrbedarf geltend machen?

  • Die Frage ist für mich, was als Mehrbedarf gilt.


    Ich meine wenn man 400Euro netto verdient und zu Hause wohnt hat man am Ende den gleichen Betrag zur Verfügung als würde man 800Euro netto verdienen und für eine Wohnung 400Euro bezahlen.


    Im Gegensatz zu einer zu Hause wohnenden Person habe ich einen "Mehrbedarf" von alleine 400Euro für die Wohnung. Wobei es gesetzlich bestimmt nicht als Mehrbedarf gilt...deshalb stellt sich mir die Frage der in diesem Rahmen gesetzlichen Definition des "Mehrbedarfs".

  • Deine Miete ist kein ausbildungsbedingter Mehrbedarf.


    Bei einem Kind, das nur 400 € Einkommen hat, kommen die Eltern über den Unterhalt für die Unterkunftskosten auf. Du musst es halt selbst bezahlen.
    Würdest du mit deinem 800 € noch zu Hause wohnen, könnten deine Eltern Kostgeld verlangen.


    Grob gesagt: Ausbildungsbedingter Mehrbedarf = Werbungskosten
    Eine gesetzliche Definition gibt es, meines Wissens, nicht.