Unklarheiten zwecks Bafög/Unterhalt vom Vater! Brauche Hilfe!

  • Hallo an Alle,


    ich bin seit 2 Wochen ziemlich ratlos und ich hoffe, dass mein Problem hier im richtigen Forum gelandet ist!!
    Kurz zu mir und meinem Hintergrund, ich studiere im 1. Semester Lehramt, habe davor keinerlei Ausbildung gemacht (also Elternabhängiges-Bafög beantragt). Meine Eltern sind seit 12 Jahren geschieden, mein Vater zahlt momentan 322 Euro Unterhalt für mich, weitere unterhaltspflichtige Kinder hat er nicht (falls das relevant ist). Und ich wohne bei meiner Mutter.


    Meinen Bafög-Bescheid habe ich im Amt abgeholt, die Sachbearbeiterin teilte mir auch gleich mit, dass ich keinen Baföganspruch habe, da mein Vater zuviel verdient. Ok, damit hatte ich schon fast gerechnet.
    Im Bescheid stand nun weiter, dass die 414 Euro, auf die ich Anspruch habe, wiefolgt aufgeteilt werden: meine Mutter (bei der ich lebe) muss sich mit ca. 70 Euro beteiligen und mein Vater mit 346 Euro.
    Ich habe die Sachbearbeiterin gefragt, ob ich nun die 346 Euro von meinem Vater einfordern kann, da ich ja von ihm noch Unterhalt bekomme, oder ob das irgendwie miteinander verrechnet wird. Die Dame meinte nur, das hat damit nichts zu tun und er muss es zahlen, sollte er sich weigern bestehe ja die Möglichkeit dieser Vorrauszahlung vom Amt.


    Da es in der Vergangenheit schon ewige Rechtsstreit bezüglich Geld und Unterhalt mit meinem Vater gab, wollte ich total sicher sein, ob ich überhaupt was verlangen kann von ihm,bevor ich mit ihm rede, daher wollte ich mich von unserer Anwältin beraten lassen. Sie meinte nur, dass die 346 Euro vom Unterhalt abgezogen werden (oder umgekehrt) sprich, die Differenz von 24 Euro wäre das, was er zu zahlen hat, aber sie sei sich überhaupt nicht sicher und wolle nochmal nachforschen.
    Ich war ziemlich schockiert nach dem Gespräch. Ich würde liebend gerne Bafög beziehen und es irgendwann zurückzahlen, bevor ich das Geld von meinem Vater bekomme. Aber da er so viel verdient, habe ich keinen Anspruch drauf... Nur mit 24 Euro lässt sich kein Studium finanzieren.
    Meine Mutter bekommt den Unterhalt, was ich mehr als f*** finde, da sie für viel mehr aufkommt, als für Miete, Essen etc.
    Aber noch die Studiengebühren zu tragen oder für die Bücher usw. aufzukommen, das kann sie nicht und ich möchte auch nicht, dass sie es tut.
    Mein Vater hat sich leider noch nie dafür interessiert, was ich tue, geschweige denn, mal für Extras aufzukommen wie neue Fahrräder, Nachhilfe, Schulfahrten, das ist noch nie vorgekommen.
    Daher wäre es einfach mal gerecht gewesen, wenn er sich (neben dem Unterhalt) beteilgen hätte müssen.
    Ich gehe übrigens auch noch auf 400 Euro Basis arbeiten, um mir mein eigenes Leben und mein Auto zu finanzieren.


    Ich war letzte Woche dann noch bei der Rechtsberatung im Studentenwerk, um wirklich sicher zu sein, jedoch sagte mir der Anwalt, dass es wirklich so ist, dass mein Vater nur diese Differenz zusätzlich zahlen muss.
    Auf mehr hätte ich keinen Anspruch.


    Ich fühle mich zurzeit unglaublich enttäuscht, dass ich schon wieder so "blöd" dastehe und ihn jetzt wieder "anbetteln" muss, dass er mir doch bitte etwas zum Studium dazutut. Wenn er wenigstens die Hälfte der Studiengebühren und der monatlichen Belastung (Kopierkosten, Bücher,...) tragen würde, wäre das für mich völlig in Ordnung.


    Nun meine Fragen an euch:
    Muss ich den Anwälten glauben und ich kann überhaupt nichts tun, um an etwas mehr Geld zu kommen?
    Gibt es keine Möglichkeit, wenigstens die Studiengebühren oder sonstige kleine Sachen von ihm zahlen zu lassen?
    Müssen also meine Mutter und ich selber schauen, wie ich mein Studium finanziere??


    Danke fürs Lesen und (hoffentlich) beantworten meiner Fragen !!


    Liebe Grüße,


    Mariposa1306

  • Die Berechnung des BAföG-Amtes hat mit deinem tatsächlichen Unterhaltsanspruch gegen deine Eltern nichts zu tun. Dieser muss gesondert ermittelt werden.


    Ich hab dich so verstanden, dass du 322 € PLUS 346 € von ihm willst. Das wird auf keinen Fall passieren.


    Lies dich mal hier ein, wie der Unterhalt für Volljährig errechnet wird: Kindesunterhalt (Volljährige)


    Nur mit 24 Euro lässt sich kein Studium finanzieren.


    Wieso 24 €?
    Für dich stehen folgende Gelder zur Verfügung:
    322 € Unterhalt vom Vater
    184 € Kindergeld (erhält deine Mutter)
    ? € Unterhalt in Form von Sachleistungen von deiner Mutter
    400 € aus eigener Erwerbstätigkeit


    Das sind über 900 € !!! Warum reicht das nicht? Viele Studenten wäre froh über soviel Geld.


    Meine Mutter bekommt den Unterhalt, was ich mehr als f*** finde, da sie für viel mehr aufkommt, als für Miete, Essen etc.


    Der Unterhalt ist seit Volljährigkeit an dich auszuzahlen, es sei denn du hast deinem Vater gegenüber was anderes erklärt.


    Beide Elternteile sind Barunterhaltspflichtig, wobei deine Mutter ihren Teil auch als Sachleistung (kostenlose Unterkunft, Verpflegung, etc.) erbringen kann.


    Je nachdem wie hoch der zu zahlende Unterhalt deiner Mutter wäre und was sie alles für dich bezahlt, müsstest du ihr vom Unterhalt des Vaters vielleicht Kostgeld geben. Aber das sind Einzelfallentscheidung, die man am besten in der Familie klärt.


    Aber noch die Studiengebühren zu tragen oder für die Bücher usw. aufzukommen, das kann sie nicht und ich möchte auch nicht, dass sie es tut.
    Daher wäre es einfach mal gerecht gewesen, wenn er sich (neben dem Unterhalt) beteilgen hätte müssen.


    Zusätzlich zum Unterhaltsbedarf (dessen Höhe hier nicht ganz klar ist), hast du Anspruch auf die Übernahme der Studiengebühren durch deine Eltern. Geteilt wird nach Leistungsfähigkeit der Eltern.


    Mein Vater hat sich leider noch nie dafür interessiert, was ich tue, geschweige denn, mal für Extras aufzukommen wie neue Fahrräder, Nachhilfe, Schulfahrten, das ist noch nie vorgekommen.


    Fahrräder sind kein Sonderbedarf, sondern mit dem regelmäßigen Unterhalt abgegolten. Bei dem Rest kommt es auf die Gesamtumstände an, aber nachträglich ist da eh nichts mehr zu machen.


    Ich gehe übrigens auch noch auf 400 Euro Basis arbeiten, um mir mein eigenes Leben und mein Auto zu finanzieren.


    Eine Erwerbstätigkeit ist während des Studiums überobligatorisch. Trotzdem wird dieses Einkommen in der Regel zu 50% von deinem Unterhaltsbedarf abgezogen.


    Wenn er wenigstens die Hälfte der Studiengebühren und der monatlichen Belastung (Kopierkosten, Bücher,...) tragen würde, wäre das für mich völlig in Ordnung.


    Studiengebühren siehe oben. Der Rest ist mit deinem Unterhalt abgegolten.


    Muss ich den Anwälten glauben und ich kann überhaupt nichts tun, um an etwas mehr Geld zu kommen?


    Es kann sein, dass er zu wenig zahlt. Es kann, vorallem durch deine Nebentätigkeit, aber auch sein, dass er derzeit mehr zahlt, als er eigentlich müsste.


    Bevor du nun Forderungen stellst, nimm das Einkommen deiner Eltern (hast du ja im BAföG-Bescheid), erkundige dich wie man Volljährigenunterhalt korrekt ermittelt und rechne mal durch, welcher Elternteil dir wieviel schuldet.


    Ich würde liebend gerne Bafög beziehen und es irgendwann zurückzahlen, bevor ich das Geld von meinem Vater bekomme.


    Das ist zwar nicht möglich, aber nur mal theoretisch:
    Wenn du 414 € BAföG + 184 € Kindergeld bekommst, müssen deine Eltern keinen/kaum noch Barunterhalt leisten. Wo würdest du dich da finanziell besser stellen?

  • Vielen Dank für die schnelle Antwort und dass du wirklich auf alle Fragen eingegangen bist.


    Das der Unterhalt an mich gehen müsste ist vollkommen richtig und ich muss zugeben, dass ich daran noch nie gedacht habe.
    Ich denke, ein Gespräch mit meiner Mutter wäre zuerst angebracht und dann werde ich den Rest mit meinem Vater regeln.


    An wen oder welches Amt müsste ich mich denn wenden wegen der Übernahme der Studiengebühren?


    Danke!

  • An wen oder welches Amt müsste ich mich denn wenden wegen der Übernahme der Studiengebühren?


    Erstmal solltest du ausrechnen, was deine Eltern zahlen müssten und dann mit ihnen reden. Erst wenn deine Eltern dann ihrer Unterhaltspflicht nicht in vollem Umfang nachkommen, solltest du dich ans Jugendamt wenden. Sofern du unter 21 bist, kann es beratend tätig werden.


    Bevor du an deine Eltern (insbesondere deinen Vater) weitere Forderungen stellst, sollte du sicher sein, dass er zu wenig zahlt. Nicht das du schlafende Hunde weckst und er feststellt, dass er zuviel zahlt.


    Ich kenne das bereinigte Einkommen deiner Eltern nicht, aber es muss schon hoch (geschätzt zusammen über 3.500 €) sein, damit er mehr als 322 € (inkl. auf den Monat umgerechnete Studiengebühren) zahlen muss. Immerhin ist laut BAföG-Bescheid deine Mutter ebenfalls leistungsfähig.