Antrag auf Vorausleistungen

  • Hallo, ich bin die Mutter eines Studenten und habe eine Frage zu folgendem Sachverhalt, vielleicht kann jemand helfen.
    Mein Sohn ist 26 Jahre alt (wird im Juli 2009 27 Jahre) und hat im Oktober 2009 ein Studium begonnen. Von 2002 bis April 2005 hat er als Reha-Maßnahme eine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker mit Internatsunterbringung absolviert. Diese Ausbildung wurde ihm gekündigt und er zog wieder in unser Haus zurück. Im Juni 2006 konnte er diese Ausbildung mit bestandener Prüfung abschließen. Von Juni 2006 bis August 2007 bezog er Arbeitslosengeld. Von September 2007 bis Juni 2008 Besuch einer Fachoberschule mit Abschluss der Fachhochschulreife. In dieser Zeit erhielt er durch uns 334 € Bafög, d. h. wir zahlten ihm 100 € Taschengeld und er wohnte kostenfrei bei uns. Nach Abschluss der Fachoberschule im Juni 2008 erhielt er keinerlei Einkommen mehr, er war über 25 Jahre, Kindergeld fiel weg. Am 1. Oktober 2008 bezog er eine 1-Raumwohnung in einer größeren Stadt, da er zu diesem Zeitpunkt schon plante zu studieren. Wir finanzierten einen großen Teil der Einrichtung und er erhielt Hartz IV. Beginn des Studiums im Oktober 2009.


    Zum Vater meines Sohnes (wir waren nicht verheiratet) habe ich schon seit über 20 Jahren keinen Kontakt mehr, er scheint auch kein Einkommen zu haben, d. h. er muss kein Bafög zahlen. Ich bin verheiratet und durch das Bafög-Amt erhielt ich den Bescheid, jeden Monat 300 € Bafög an meinen Sohn zu bezahlen. (Okay, dass wir ein Haus finanzieren müssen, interessiert niemanden, damit müssen wir uns abfinden.) Nun ist mein Mann arbeitslos geworden und wird schätzungsweise nur knapp über 600 € Arbeitslosengeld erhalten – der Freibetrag für „den Ehegatten der Mutter“ liegt bei 540 €, Pech gehabt. Erwähnen möchte ich noch, dass ich keine weiteren Kinder habe.


    Beratung beim Studentenwerk fand ich unfreundlich und nicht entgegenkommend. Mir wurde nur ein Antrag auf Vorausleistungen nach § 36 Bafög in die Hand gedrückt samt Merkzettel. Wir sollten es doch damit versuchen. Sicher ist eben auch nicht, wie lange mein Sohn dieses Studium noch schafft (gesundheitlich).


    Meine Frage ist nun, sind wir noch verpflichtet Bafög zu zahlen oder sind die Unterhaltsansprüche durch uns schon mit der Finanzierung der Fachoberschule erfüllt. Lohnt es sich diesen Antrag auf Vorausleistungen zu stellen?


    Danke

  • Ob ein Unterhaltsanspruch nach dem BGB noch besteht, kann ich Dir nicht beantworten.


    Einen Anspruch auf elternunabhängige Förderung sehe ich auch nicht.


    Wenn die Eltern den Unterhalt verweigern, kann Dein Sohn in der Tat beim Amt einen Vorausleistungsantrag stellen; dann werden die verweigerten Beträge aus- bzw. nachgezahlt. Der Antrag sollte in seinem Interesse so schnell wie möglich gestellt werden, damit nichts verloren geht. Lasst Euch aber auch beraten (Übergang des Unterhaltsanspruchs).


    Wird vorausgeleistet, wird das Amt überlegen und prüfen.


    Gibt's keinen Unterhaltsanspruch, sind die vorausgeleisteten Beträge fürs Amt verloren. Es passiert nichts weiter, und alle anderen sind froh.


    Gibt's einen Unterhaltsanspruch, wird das Amt den Unterhalt von den Eltern (zurück-)fordern und ggf. gerichtlich vorgehen. Das ist dann aus meiner Sicht auch okay so, weil sie es dann eben sind, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen.


    Für Deinen Sohn bliebe also sinnvollerweise nur die Möglichkeit, einen Vorausleistungsantrag zu stellen, wenn das Einkommen der Eltern zu hoch ist (im Sinne des BAföG), sie aber nicht zahlen.


    Soviel zum BAföG.


    Für Dich steht und fällt natürlich weiterhin alles mit der Frage, ob Du noch Unterhalt zahlen musst, das ist mir klar. Mal schauen, wem hier noch was dazu einfällt. Im Zweifel würde ich auch professionelle Beratung in Betracht ziehen.