Vorrang Minderjähriger bei Unterhalt für Volljährigen

  • Hallo, mein Problem ist folgendes:
    mein 19 jähriger Sohn hat jetzt den 2. Anlauf einer Berufsausbildung genommen (erste wurde abgebrochen).
    Er möchte nun, da er kein Einkommen hat, Unterhalt bekommen.
    Das ist alles klar und richtig.
    Nun ist meine Frage, ob bei der Berechnung meiner Leistungsfähigkeit ein Betrag für meinen 12-jährigen Sohn, der bei mir lebt, von meinem Einkommen abgezogen werden kann.
    Das Jugendamt sagt "Ja", seine Rechtsanwältin "nein".
    Da sein Vater sehr gut verdient, bekommt er seine 640,00 €. Es ist also kein Mangelfall.
    Die Rechtsanwältin (bei der Scheidung vetrat sie den Vater) geht nur gegen mich vor, nicht gegen den Vater. Ich bekomme keine Begründungen, werde ständig unter zeitlichen Druck gesetzt, der Vater legt keine Unterlagen vor (ev. Rentenversicherungen, Fahrtkostenabrechnung, Steuererklärung...), von mir wird das alles eingefordert.
    Sie fordert von mir, 150,00 € an meinen Sohn zu zahlen, obwohl das Jugendamt mit seiner Berechnung auf 12,00 € kommt.
    Sie vertritt offensichtlich die Interessen des Vaters, denn - wie bereits gesagt - mein Sohn bekommt auf jeden Fall die 640,00 €.
    Deshalb Frage 2: Kann man gegen so eine Sache vorgehen?
    Ich habe mal gehört, dass eine andere Rechtsanwältin solch einen Fall wegen Sittenwidrigkeit abgelehnt hat.
    Ich wäre sehr dankbar über schnelle, gute Informationen!
    LG

  • Hallo Theo,
    vielen Dank für den Tip.
    Ich hatte ein Probleme, die Funktion der Seite zu verstehen.
    Ich glaub, jetzt hab ich's!
    Manchmal fehlt eben so ein kleines Fünkchen!
    Kindergeld:
    Ich dachte immer, dass bei Volljährigkeit das KG direkt an den Jugendlichen gezahlt wird und nicht an den Elternteil.
    Kann man das einfordern?
    Die Zeit in der WG während der Ausbildung sollte doch die Chance sein, selbständig über seine Finanzen zu entscheiden, zu lernen, mit Geld umzugehen. Wenn er aber am Ende immer nur ein Taschengeld vom Vater zugeteilt bekommt und ein Teil seiner Ausgaben vom Vater bestritten werden, lernt er es doch nie!
    Leider kann ich das meinem Sohn nicht verständlich machen. Auch nicht die Tatsache, dass Unterhalt im Verhältnis der Einkommen zu zahlen ist.
    Das ist alles eher keine Frage, sondern eher "Frust von der Seele schreiben". Aber egal, wenn es doch einen guten Rat gibt, ich bin immer dankbar!
    Viele Grüße!

  • Ich dachte immer, dass bei Volljährigkeit das KG direkt an den Jugendlichen gezahlt wird und nicht an den Elternteil.
    Kann man das einfordern?


    Solche Aussagen kommen sonst immer von den Kindern. Kindergeld ist eine vorgezogene Steuererstattung für die Eltern.


    Solange die Eltern für den Unterhalt des Kindes aufkommen, wird das Kindergeld nicht an das Kind abgezweigt. Die Eltern können freiwillig die Kontonummer des Kindes angeben. Einen Rechtsanspruch darauf hat das Kind aber nicht.

  • Das widerspricht doch aber dann der Tatsache, dass es gegen die 640,00 € gegengerechnet wird. Bisher habe ich überall gelesen, dass nicht im Haushalt lebende Volljährige in der Berufsausbildung das KG bekommen? Er lebt doch alleine in der WG.

  • Das widerspricht doch aber dann der Tatsache, dass es gegen die 640,00 € gegengerechnet wird. Bisher habe ich überall gelesen, dass nicht im Haushalt lebende Volljährige in der Berufsausbildung das KG bekommen? Er lebt doch alleine in der WG.


    § 64 EStG: Ist das Kind nicht in den Haushalt eines Berechtigten aufgenommen, so erhält das Kindergeld derjenige, der dem Kind eine Unterhaltsrente zahlt. Zahlen mehrere Berechtigte dem Kind Unterhaltsrenten, so erhält das Kindergeld derjenige, der dem Kind die höchste Unterhaltsrente zahlt.


    Die Dienstanweisung zum Thema Abzweigung (Auszug):
    Kindergeld kann an das Kind ausgezahlt (abgezweigt) werden, wenn der Berechtigte nicht mit Leistungen zur Sicherung des Unterhaltes eines Kindes belastet ist.


    So wie ich das bisher verstanden habe, zahlt der Vater 640 € Unterhalt (476 € aus eigenen Mitteln und 164 € Kindergeld) im Monat. Vorrangig Kindergeldberechtigt ist demnach der Vater. Das Kindergeld kann nicht abgezweigt werden.
    Zahlst du mehr als 476 € Unterhalt (ohne Kindergeld) bist du vorrangig Kindergeldberechtigt.

  • So läuft das eben nicht bei meinem Sohn.
    Er hat keinen Überblick, über seine Kosten.
    Das heißt, sein Vater bezahlt die Miete für die WG meines Sohnes, Telefon und Internet und dann bekommt er etwas Geld von ihm. Ich habe die berechneten 12,00 € auf 30 € aufgerundet. Mehr geht leider momentan nicht.


    Ich gehe nicht davon aus, dass mein Sohn 640,00 € zur Verfügung hat (abzgl. der miete, Tel. und Internet)


    Die sauberste Sache wäre wirklich, dass er sein Geld bekommt und die Kosten davon selbst bezahlt. Dann lernt er auch, sein Geld einzuteilen.


    Momentan kommt er mir nur mit der Floskel: "Du weißt ja gar nicht, was Papa alles für mich bezahlt!" Ja - und??? Was denn alles?


    Übrigens war meinem Sohn auch neu, dass er noch Kindergeld bekommt! Das hat Papa dann wohl verschwiegen.
    Viele Grüße

  • Er hat keinen Überblick, über seine Kosten. Momentan kommt er mir nur mit der Floskel: "Du weißt ja gar nicht, was Papa alles für mich bezahlt!" Ja - und??? Was denn alles?
    Die sauberste Sache wäre wirklich, dass er sein Geld bekommt und die Kosten davon selbst bezahlt. Dann lernt er auch, sein Geld einzuteilen.


    Der Sohn sollte sich einen Überblick über seine Finanzen beschaffen.
    Wenn der Vater nicht mehr direkt an die Gläubiger (Vermieter etc.) überweist, sondern alles an den Sohn könnte wirklich helfen. Am besten mal den Vater ansprechen.


    Das heißt, sein Vater bezahlt die Miete für die WG meines Sohnes, Telefon und Internet.


    Auch das ist Unterhalt, nur auf dem sogenannten verkürzten Zahlungsweg (direkt an den Vermieter etc.).


    Ich gehe nicht davon aus, dass mein Sohn 640,00 € zur Verfügung hat (abzgl. der miete, Tel. und Internet)


    In dem angemessene Gesamtunterhaltsbedarf von 640 € sind Kosten für Unterkunft (Warmmiete), Telefon und Internet enthalten.
    Warum sollten ihm 640 € exklusive Miete etc. zustehen?
    Zum Vergleich: Ein Hartz IV Empfänger hat 359 € plus Warmmiete.


    Übrigens war meinem Sohn auch neu, dass er noch Kindergeld bekommt! Das hat Papa dann wohl verschwiegen.


    Kindergeld für über 18-Jährige bekommt man nur, wenn man der Familienkasse regelmäßig Nachweise vorlegt (z.B. Berufsausbildungsvertrag, vierteljährige Bescheinigung der Agentur für Arbeit über die Ausbildungsplatzsuche oder anderes). Das kann der Vater nur vom Sohn bekommen.
    Ausserdem prüft die Familienkasse das Einkommen des Kindes, wo das Kind dann mit unterschreiben muss. "Das wusste ich nicht" kann ich bei Ü18 nicht glauben.