Freiberufler: Anrechnung von Honorar

  • Nun ist mir nach fünf Monaten Bearbeitungszeit Mietzuschuss bewilligt worden.
    Jedoch ist mir die Berechnung des Gesamteinkommens nicht geheuer.
    Laut Wohngeldgesetz gilt meines Wissens nach bei Selbständigen der steuerliche Einkommensbegriff. Da ich noch ziemlich am Anfang bin, ist dieses laut Einkommenssteuer-Bescheid negativ. Also zur Berechnung des Wohngeldes Null.
    Dass ich dennoch leben kann, habe ich nachgewiesen.
    Neben der Tätigkeit in meiner Praxis erhalte ich auch noch Honorar (ich bin dort nicht angestellt, sondern Freier Mitarbeiter) für Therapien außerhalb der Praxis. Die Gesamteinnahmen sind in der ESt-Erklärung und dem Est-Bescheid zusammengefasst.
    Im Wohngeld-Bescheid werden diese Honorare jedoch als gesonderte Einnahmen aufgeführt, was zu erheblicher Minderung des Mietzuschusses führt.
    Hat dazu jemand eine Idee? Ist dies rechtens?

  • Hallo,


    ich verstehe irgendwie Deine Frage oder Dein Problem nicht.


    Ich fasse mal zusammen: Du hast eine Tätigkeit in einer Praxis und gleichzeit eine selbststände Tätigkeit. In der Praxisarbeit verdienst Du im Endeffekt nichts, aber in der anderen Tätigkeit durchaus.


    Richtig?


    Gruß!

  • Hallo Hoppel!
    Vielen Dank, dass Du mein Thema gelesen hast. Und besonderen Dank für Deine Nachfrage!
    Es ist so: Ich bin selbständig, betreibe eine Praxis und bin zusätzlich noch als Freier Mitarbeiter als Therapeut unterwegs. Auch in der Praxis habe ich Einnahmen, erhalte für die Mitarbeit in einer städtischen Betreuungseinrichtung ein Honorar. Hier arbeite ich ebenfalls selbständig, bin nicht weisungsgebunden, bestimme selbst, wann und mit wem ich arbeite. Die Gewinn- und Verlustrechnung ist aktuell jedoch auf der Verlustseite (locker bleiben, ich lebe!). Daher zeigt der ESt.-Bescheid ein negatives Einkommen.
    In der ESt.- Erklärung sind die gesamten Einnahmen zusammengefasst.
    Beispiel: Ein Freier Handelsvertreter arbeitet für Firma A und verkauft Staubsauger (Außendienst), für Firma B verkauft er Brillenfassungen (von seinem Büro aus) usw.
    Seine Gesamteinnahmen versteuert er.
    Bei mir ist es ja ähnlich: Ich arbeite in der Praxis ("Büro") für die Krankenkassen, in den Kindergärten ("Außendienst") für die Betreuungseinrichtung. G+V-Rechnung wie beim Handelsvertreter.
    Nun hat die Wohngeldstelle die Einnahmen aus freier Mitarbeit gesondert als Einnahmen aufgeführt, obwohl sie in der Einkommenssteuer berücksichtigt sind, und somit bin ich natürlich in einem Einkommensbereich, der die Mietzuschuss-Berechnung ordentlich beeinflusst.
    Die können doch nicht Einkommen doppelt berechnen?? Und soweit mir bekannt, zählt bei Selbständigen der steuerliche Gewinn.
    Nun ja, viele Grüße!

  • Hallo,


    ok. Wahrscheinlich bin ich heute etwas begriffsstutzig (weil müde), aber ich wage dennoch einen neuen Versuch;


    Du hast Job A, der Dir negative Einkünfte beschert. Da es im Wohngeld keine solchen negativen Einnahmen gibt, wird Job A dort mit Null € angesetzt, während bei dem Finanzamt das negative Einkommen durchaus eine Rolle spielt.


    Job B beschert Dir wenigstens ein bißchen Geld in Form von Honoraren.


    Das Finanzamt verrechnet nun die Einnahmen us Job B mit den negativen Einnahmen aus Job A und kommt in der Endsumme auf eine bestimmte Summe, die Du aber nicht im Wohngeldbescheid wiederfindest.


    Soweit richtig?


    Gruß!

  • Hallo Hoppel,


    Du beginnst ja auch schon, die Dinge zu trennen. Vielleicht bin ich zu müde? Möglicherweise...


    Die Einnahmen sind im ESt.-Bescheid zusammengefasst und ergeben - ebenfalls zusammengefasst - negative Einkünfte.


    Prinzipiell ist es doch egal, wo ich wie und wann "frei" arbeite. Sonst wäre es ja nicht "frei" (vgl. mein Beispiel vom Handelsvertreter).


    Was das Finanzamt nicht macht, macht die Wohngeldstelle: Die Einkünfte der freien Mitarbeit nochmals aufzuführen.


    Meine Frage ist also: Ist dies rechtens, oder müssen sie in diesem Fall die Fakten der Steuerbehörde anerkennen?

  • Hallo,


    da Du meiner Begriffsdefinition (#4) nicht widersprichst, habe ich das also richtig verstanden.


    Im Gegensatz zur Steuer wird bei dem Wohngeld das positive Einkommen aus Job B nicht auf die negativen Einkünfte aus Job A angerechnet. Da es auch kein negatives Einkommen an sich gibt sehe ich keinen Fehler durch die Wohngeldstelle.


    Gruß!

  • Hallo,
    danke, dass Du meine Ausführung nicht ganz verstanden hast, denn dadurch musste ich etwas intensiver nachdenken. Jetzt habe ich zumindest die Argumentation der Wohngeldstelle verstanden. Glaube ich.
    1. Bei Antragsabgabe im März lag die G+V-Rechnung und der ESt-Bescheid 2008 vor. Gewinn ist Null
    2. Ich musste daher nachweisen, dass ich momentan meine Miete etc. bezahlen kann, und mir auch noch ein gesetzliches Mindesteinkommen zur Lebensführung (SH-Regelsatz) zur Verfügung steht. Dies konnte ich aktuell mit Hilfe der freiberuflichen Einkünfte plausibel machen (80%-Kann-Bestimmung).
    3. Die Wohngeldstelle hat diese Einkünfte für das laufende Jahr hochgerechnet und durch zwölf geteilt. Danach das Wohngeld berechnet.


    Soweit ok.
    Jetzt ist es aber so, dass die G+V-Rechnung für dieses Jahr erst zum 31.12.09 erfolgt, in einer ESt.-Erklärung festgehalten wird und wahrscheinlich der resultierende Gewinn erneut unwesentlich von Null abweichen wird.
    Also eine erneute Frage:
    Da bei Selbständigen ja der Gewinn als Einkommen gilt, muss dann nicht abgewartet werden, bis eine neue G+V-Rechnung vorliegt? Also, dass zunächst der letzte ESt.-Bescheid gilt?
    Oder gibt es eine Nachzahlung, wenn die neue Jahresabrechnung vorliegt?


    Viele Grüße

  • Hallo zusammen,


    um das Forum auf dem neuesten Stand zu halten:


    Ich habe zunächst mit meiner Sachbearbeiterin nett telefoniert und mein Anliegen, dass ich die Entscheidung nicht ganz korrekt finde, vorgetragen. Nach Akteneinsicht und Anhörung meiner Sicht der Dinge (die ausschließlich aus dem WoGG und den dazugehörigen VwV erwachsen ist), schien es ihr, dass durchaus andere Maßstäbe bei der Berechnung, insbesondere bei der Festsetzung des Einkommens möglich wären, und riet mir vorsichtshalber zum schriftlichen Widerspruch.


    Diesen habe ich dann eingereicht, mit der genauen Erläuterung, dass ich ausschließlich selbständig arbeite. Ich habe keine "anderen Einkunftsarten", sondern nur "andere Einkunftsorte". Wie schon beschrieben, ist mein zu versteuerndes Einkommen Null.


    Nun harre ich der Dinge. Werde das Forum auf dem Laufenden halten.


    P.S.: Ich bin kein Querulant, der die Behörden mit unsinnigen Anträgen auf nicht realistische Leistungen nervt. Ich halte auch nichts davon, die Allgemeinheit für meinen Unterhalt aufkommen zu lassen, da muss ich schon selbst schauen, dass ich es hinkriege.
    Doch das beste Gesetz taugt nichts, wenn es nicht halbwegs umgesetzt wird. Zumal gerade beim Wohngeld aus aller Munde erklingt, es sei kein Almosen.