Anrechnung Kindergeld zum Unterhalt

  • Hallo,


    ich bin 19 Jahre und fange jetzt an, zu studieren, was einige Fragen zu meinem Unterhalt aufwirft. Meine Familiensituation ist so, dass mein Vater für mich das Sorgerecht hat und meine Mutter für meine Schwester. Eine ausgeglichene Situation, wie man meint, aber ganz so scheint es doch nicht.


    Was ich inzwischen weiß, ist dass ich als Student Anrecht auf 640 Euro pauschal habe. Ich weiß auch, dass der Unterhaltstitel den meine Mutter für mich hat, sich durch meine Volljährigkeit nicht ändert, was prinzipiell bedeutet, Sie muss den gleichen Anteil zahlen, wie die Jahre zuvor.


    Das bedeutet ja, mein Vater muss den restlichen Anteil zahlen, damit ich auf 640 Euro komme.


    Meine Frage bezieht sich nun auf das Kindergeld, was mein Vater für mich bezieht. Muss er den Betrag mit meiner Mutter teilen, so dass sie weniger von ihrem Unterhaltstitel bezahlen muss oder muss er es nicht und kann es für den Betrag verwenden, den er begleichen muss, um auf die 640 Euro zu kommen?


    Es wäre sehr nett, wenn ihr mir entsprechende Links schicken könntet, damit ich sie meiner Mutter zeigen kann. Sie ist nämlich der Meinung, sie kann weniger bezahlen, da ich ja Kindergeld bekomme, was aber prinzipiell irrsinnig ist, weil sie für meine Schwester ja auch Kindergeld bekommt.


    mfG, Towomba

  • Zunächst ist es so, dass dein Vater das Sorgerecht für dich seit deiner Volljährigkeit nicht mehr hat. Sobald jemand 18 Jahre alt ist übt kein Elternteil mehr das Sorgerecht aus. Das ist gesetzlich so geregelt. Zu deinem Unterhaltsanspruch kann ich dir sagen, dass von deinem Unterhaltsbedarf, den du mit 640,-€ zutreffend angibst das volle Kindergeld abzuziehen ist. Sobald du volljährig bist hast du einen Anspruch darauf, dass dir das Kindergeld ausgezahlt wird. Das kannst du selbst beantragen. Nach Abzug des Kindergeldes mit 164,-€ verbleibt dir ein offener Bedarf i.H.v. 476,-€. Diesen Bedarf müssen deine Eltern anteilig decken. Welchen Anteil (wieviel %) welcher Elternteil zu übernehmen hat richtet sich nach der Höhe der Einkünfte. Derjenige, der mehr verdient, mus auch einen höheren Anteil zahlen. Ich gehe davon aus, dass du mit Aufnahme des Studiums nicht mehr zu Hause wphnen wirst. Nur dann stehen dir 640,-€ abzüglich Kindergeld zu. Solltest du wieterhin zu Hause wohnen, richtet sich dein Unterhaltsbedarf nach Altersstufe 4 der Düsseldorfer Tabelle. Die Anrechnung des vollen Kindergeldes bleibt jedoch. Ich kann mir vorstellen, dass deine Mutter nicht ganz Unrecht hat. Zumindest sollte der Unterhalt geprüft werden. Wieviel Kindergeld deine Mutter für deine Schwester erhält, ist völlig irrelevant.
    Gruß Chiemsee

  • Vielen Dank für die präzise Antwort. Nun habe ich mit meiner Mutter die Sache besprochen und sie möchte die Unterhaltszahlung neu berechnen lassen. Sie meint, dafür muss ich zum Jugendamt und beantragen, dass meine Eltern ihr Einkommen offen legen und der Satz neu berechnet wird. Wäre das richtig so?

  • Ich glaube, dass das Jugendamt aufgrund deiner Volljährigkeit nicht mehr für dich zuständig ist. Außerdem ist es so, dass deine Eltern verpflichtet sind dir die Auskunft über deren Einkommensverhältnisse direkt zu erteilen. Das ist gesetzlich geregelt. Also geh hin und bitte beide Elternteile dir Einkommensbelege über die letzten 12 Monate auszuhändigen einschließlich des letzten Steuerbescheides. Mit diesen Auskünften gehst du zum Anwalt und lässt dir den Unterhalt ausrechnen. Zuvor holst du dir vom Gericht einen Beratungshilfeschein, damit dich die Sache nichts kostet. Du kannst es aber auch beim Jugendamt zunächst versuchen - aber am besten gleich die erforderlichen Unterlagen mitnehmen. Ohne Zahlen können auch die dir nicht weiterhelfen.
    Gruß Chiemsee

  • Vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich werde mir jetzt erstmal die erforderlichen Unterlagen meiner Eltern besorgen und dann den Anspruch ausrechnen lassen.



    Meine nächste Frage bezieht sich aufs Bafög. Bin ich dazu verpflichtet, bevor ich den Anspruch ausrechnen lasse, eine Antrag zu stellen, von dem ich glaube, dass er eh abgelehnt wird? Mit diesem Antrag müssten meine Eltern ja noch mehr ihrer privaten Einkommens- und Besitzverhältnisse offenlegen, was ich meinen Eltern nicht unbedingt zumuten möchte.


    mfG, Towomba

  • ja natürlich bist Du zur Antragstellung BAföG verpflichtet. Für eine präzise Unterhaltsberechnung ist nämlich auch Dein Einkommen relevant. Wenn Du einen negativen BAföG Bescheid vorlegen kannst dann gibt es in dem Punkt zumindest keine weiteren Diskussionen.


    Gruss Andy

  • nein stimmt nicht den das BAföG würde ja in voller Höhe vom zu leistenden Unterhalt abgezogen werden. Somit kann die Höhe des Unterhaltsanspruchs nur ermittelt werden wenn auch die Einkünfte des Unterhaltsbererechtigten geklärt sind.

  • Ja ! Es gibt eine gesetzlich geregelte sogenannte "Auskunftspflicht" des Unterhaltsschuldners.In deinem Fall trifft die Regelung des § 1605 BGB zu. Auf diesen § kannst du deinen Vater hinweisen, dann kann er es schwarz auf weiß nachlesen. Du kannst alle 2 Jahre erneut Auskunft verlangen.
    Gruß Chiemsee