Mindesteinkommen Wohngeld bei dreiköpfiger Familie

  • Hallo,

    ich bin total unsicher, ob wir Anspruch auf Wohngeld hätten. Da ich Grundsicherung vermeiden will, könnten wir einen Mindestbetrag ggf. mit Hilfe durch meine Eltern erreichen, deswegen die Frage.


    Hier die Situation: Wir Eltern sind beide Studenten (28 und 26 Jahre alt), aber dem Grunde nach nicht Bafög-berechtigt (mein Mann hat die Höchstförderungsdauer überschritten und ich bin im zweiten Studium, das erste nach dem 3. Semester abgebrochen). Unser Kind ist 3,75 Jahre alt und im August bekommen wir unser zweites. Mein Mann ist mit dem Studium fertig, wird dann zum 30.9. exmatrikuliert, wenn er es nicht früher beantragt (falls das ggf. Sinn machen könnte für Wohngeld oder so?).
    Er hat ab Mai einen Job mit ca. 1115 Euro brutto, 21,5h/Woche, netto vermutlich 850-900 Euro (ergeben meine Internetberechnungen), der Arbeitsvertrag ist noch nicht da.
    Kinderzuschlag ist beantragt, hoffentlich bekommen wir den Maximalbetrag von 185 Euro. Kindergeld sind 204 Euro.

    Miete ist 636 Euro kalt, Nebenkosten ca. 120 Euro. KV momentan 104 Euro, da über mich studentisch versichert, wird sich ab Mai aber ändern und über meinen Mann laufen.


    Wieviel müssten meine Eltern an Unterhalt beisteuern, damit wir die Mindesteinkommensgrenze für Wohngeld erreichen? Meine Berechnungen ergeben 1737,40 Euro als Mindesteinkommen, dafür müssten meine Eltern ja ca. 450 Euro beisteuern. Habe ich etwas übersehen? Beziehen sich die 80% Toleranz nur auf die Regelsätze (also 389+389+250 bei uns drei), oder inkl. Miete und Nebenkosten?

    Ich würde ungern einen Antrag stellen, der sowieso abgelehnt wird.


    Vielen Dank im Voraus und schöne Osterfeiertage! :)

  • Hallo,


    Unterhaltzahlungen zu Lasten von Sozialleistungen zu optimieren, wäre missbräuchliche Inanspruchnahme des Wohngeldes (§ 21 Nr. 3 WoGG) und kann zur Ablehnung des Wohngeldantrages führen.

    Da ihr die Kontoauszüge für die vergangenen Monate vorlegen müsst, sieht die Wohngeldstelle, wenn sich die Unterhaltszahlungen plötzlich grundlos verringern.


    Wovon lebt ihr derzeit?

    Wie hoch sind die Heiz- und nebenkosten (getrennt)?


    Wirst du dein Studium nach der Geburt des 2. Kindes unterbrechen?

    Wieviel Unterhalt erhältst du derzeit von deinen Eltern?


    Auf dieser Basis prüfe ich gern, ob ihr zusätzlich Anspruch auf Wohngeld hättet.


    Euch auch schön Osterfeiertage

    Theo

  • Hallo, danke für die Antwort!

    Momentan bekommt mein Mann 500 Euro brutto für ein Praktikum (30h/Woche), welches Ende April beendet sein wird. Meine Eltern zahlen seit Januar 900 Euro monatlich, da wir davon ausgegangen sind, dass mein Mann ab Mai einen ausreichend bezahlten Job finden wird. Das gestaltet sich jedoch sehr schwierig. Letztes Jahr haben meine Eltern je nach finanzieller Lage bei uns zwischen 300 und 700 Euro monatlich beigesteuert. Sie können das zahlen, aber ich würde lieber so wenig wie möglich von ihnen bekommen, da mein kleiner Bruder bald sein Studium aufnimmt und auch aus psychischen Gründen. Sind sie denn unterhaltspflichtig?

    Ich möchte mein Studium erst einmal nicht unterbrechen, sondern nur weniger Kurse belegen. Das wird stark auf die Situation ankommen, auch mit Corona.

    Gas zahlen wir 40, Strom 40, Wasser 40, pi mal daumen. Alles andere ist in den 636 Euro enthalten.

    Kann das Amt denn von meinen Eltern verlangen, dass sie den Betrag an Unterhalt weiterzahlen, den sie zuletzt gezahlt haben? Wie kann man denn aus dem Kreis rauskommen?


    Viele Grüße :)

  • Hallo,


    unter Berücksichtigung der hier gemachten Angaben bestehen folgende Ansprüche:

    April: Kinderzuschlag + Wohngeld

    Mai bis Juli: Kinderzuschlag + je nach Mietstufe eures Wohnortes evtl. geringes Wohngeld

    ab August: nur Wohngeld


    Ab Mai reduziert sich voraussichtlich die Höhe des Kinderzuschlags etwas.


    Ich habe mit folgendem Einkommen gerechnet:

    dein Mann: April 500 € brutto / ab Mai 1115 € brutto - ca. 904 € netto

    Kind(er): 204 € bzw. 408 € Kindergeld

    du: 900 € Unterhalt

    ab August 300 € Elterngeld

    Da du vor der Geburt nicht erwerbstätig warst, wird das Elterngeld beim Kinderzuschlag voll angerechnet.

    Beim Wohngeld bleibt der Sockelbetrag von 300 € anrechungsfrei.


    Zitat

    Kinderzuschlag ist beantragt, hoffentlich bekommen wir den Maximalbetrag von 185 Euro.


    Anspruch auf Kinderzuschlag besteht im April nur, wenn ihr zusätzlich Wohngeld beantragt.

    Der Kinderzuschlag allein würde Hilfebedürftigkeit nach § 9 SGB II nicht vermeiden. -> Kein Anspruch.


    Zitat

    mein kleiner Bruder bald sein Studium aufnimmt


    Er kann BAföG beantragen. Im Antrag angeben, dass du ebenfalls noch studierst und von deinen Eltern unterhalten wirst.

    Zudem beziehen deine Eltern für ihn vermutlich noch Kindergeld.


    Da für dich kein Anspruch auf Kindergeld mehr besteht, können deine Eltern ihre Unterhaltsaufwendungen für dich (nicht für den Enkel!) nach § 33a EStG steuerlich geltend machen. So werden sie etwas entlastet.


    Zitat

    Kann das Amt denn von meinen Eltern verlangen, dass sie den Betrag an Unterhalt weiterzahlen, den sie zuletzt gezahlt haben?


    Die Wohngeldstelle kann von deinen Eltern nichts verlangen. Sie können aber euren Wohngeldantrag ablehnen, wenn der Verdacht entsteht, dass Wohngeld missbräuchlich in Anspruch genommen wird.


    Auszug aus den Wohngeld-Verwaltungsvorschriften:

    Ein missbräuchliches Verhalten liegt in der Regel vor, wenn vom Standpunkt eines objektiven Betrachters aus eine Rechtsposition ausschließlich zu dem Zweck geschaffen wird, die Voraussetzungen für einen anderenfalls nicht oder nicht in dieser Höhe bestehenden Anspruch zu schaffen. ...


    Nach der Düsseldorfer Tabelle beträgt dein Unterhaltsbedarf seit 01.01.2020 860 € + KV-Beitrag. Deine Eltern zahlen seit Januar 900 €. Da du ab Mai über deinen Mann familienversichert bist, könnten die Unterhaltszahlungen auf 860 € reduziert werden.

    Beziehst du ab August Elterngeld, kann dieses auf den Unterhalt angerechnet werden.

    Dein Mann verdient nicht genug, um geringere Unterhaltszahlungen der Eltern zu rechtfertigen.


    Eine Reduzierung des Unterhalts habe ich in den Berechnungen oben nicht berücksichtigt.


    Zitat

    Sind sie denn unterhaltspflichtig?


    Vorrangig ist dein Mann dir gegenüber unterhaltspflichtig. Er verdient aber nicht genug für euch alle.

    Da dein Mann dich nicht unterhalten kann, hast du gegen deine Eltern einen Anspruch auf Ausbildungsunterhalt. Ob dieser Anspruch evtl. verwirkt wurde, kann ich anhand deiner Angaben nicht beurteilen. Durch einen einmaligen Fachrichtungswechsel ist der Unterhaltsanspruch nicht verwirkt, mehr ist mir über deinen bisherigen Wertegang nicht bekannt. Eine Unterbrechung der Ausbildung ist derzeit nicht geplant.

    Die Frage ist auch nebensächlich, denn deine Eltern zahlen ja durchgehend Unterhalt.


    Viele Grüße

  • Vielen Dank, das hilft mir sehr!


    Ein bisschen nachfragen möchte ich noch bezüglich des Kinderzuschlags. Meine bisherige Info war, dass das Mindesteinkommen für Elternpaare 900 beträgt. Das hätten wir doch erreicht, oder? Warum geht das dann teilweise nur in Kombination mit Wohngeld? Weil es eigenes Einkommen sein muss?


    Und bin ich generell vermutlich auch gar nicht ALG II-berechtigt, weil meine Eltern unterhaltspflichtig (und fähig) sind?


    Tut mir Leid, das Ganze ist für mich einfach ein riesiger Dschungel an verwirrenden Regelungen ;)

  • Meine bisherige Info war, dass das Mindesteinkommen für Elternpaare 900 beträgt. Das hätten wir doch erreicht, oder?


    Die Einkommensgrenze von 900 € brutto (bzw. 600 € für Alleinerziehende) kennen viele Eltern, während der 2. Teil der Anspruchsvoraussetzungen gern überlesen wird.


    § 6a Abs. 1 BKGG: Personen erhalten für in ihrem Haushalt lebende ... Kinder, ... einen Kinderzuschlag, wenn

    1. ...

    2. sie mit Ausnahme des Wohngeldes, des Kindergeldes und des Kinderzuschlags über Einkommen im Sinne des § 11 Absatz 1 Satz 1 des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch in Höhe von mindestens 900 Euro oder, wenn sie alleinerziehend sind, in Höhe von mindestens 600 Euro verfügen, wobei Beträge nach § 11b des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch nicht abzusetzen sind, UND

    3. bei Bezug des Kinderzuschlags keine Hilfebedürftigkeit nach § 9 des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch besteht, ...


    Bei einem Paar mit Kind und Einkommen i.H.v. 900 € brutto, reicht der Kinderzuschlag von 185 € allein nicht aus, um Hilfebedürftigkeit nach § 9 SGB II zu vermeiden. 900 € brutto sind ca. 722 € netto. Mit Kindergeld und Kinderzuschlag hätte die Familie 1.111 €. Allein der Regelbedarf für drei Personen beträgt mind. 1.028 €. Da bleibt nichts für die Miete übrig.

    Ergebnis: Hilfebedürftigkeit wird nicht vermieden, kein Anspruch auf den Kinderzuschlag.

    Selbst mit Wohngeld wären 900 € brutto bei vielen Familie nicht ausreichend.


    Zitat

    Und bin ich generell vermutlich auch gar nicht ALG II-berechtigt,


    Ihr habt als Studenten keinen Anspruch auf Leistungen nach dem SGB II.

    (Ausnahme: Mehrbedarf Schwangerschaft und einmalige Leistungen für Schwangerschaftsbekleidung und Babyerstausstattung, soweit diese Mehrbedarfe nicht durch zu berücksichtigendes Einkommen oder Vermögen gedeckt sind.)


    Euer Kind hat allerdings Anspruch auf Sozialgeld.

    Er/sie hat auch Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe (z.B. für die gemeinschaftliche Mittagsverpflegung in der Kita).

    Die Hilfebedürftigkeit eures Kindes kann mit dem Kinderzuschlag allein nicht vermieden werden.


    grob vereinfachte Rechnung:

    250 € Regelbedarf + 238 € anteilige Miete - 204 € Kindergeld - 185 € Kinderzuschlag = 99 € ungedeckter Bedarf

    Das Einkommen von dir und deinem Mann reicht im April nicht aus, um diesen Fehlbetrag auszugleichen. Das wäre nur mit zusätzlichem Wohngeld möglich*.

    Ergebnis: Ohne Wohngeld keinen Kinderzuschlag.


    *PS (nur für April): Je nach Mietstufe eures Wohnortes kann es sein, dass auch mit Wohngeld, Hilfebedürftigkeit nicht vermieden werden kann. Dann würden Wohngeld und Kinderzuschlag abgelehnt und ihr auf Sozialgeld (+ Mehrbedarf) verwiesen werden.

    Ich hatte in der Berechnung oben den KV-Beitrag nicht von deinem Unterhalt abgezogen.