Wohngeld oder Grundsicherung?

  • Hallo,

    meine Verwandte möchte sich eine neue Wohnung suchen, und die Preisunterschiede für 1-2-Zimmerwohnungen sind gewaltig - sie weiß aber nicht, wie hoch die neue Miete sein darf, wenn sie sich für Wohngeld oder Grundsicherung als Ergänzung zu ihrer Erwerbsunfähigkeitsrente (auf Dauer) entscheidet.

    Sie hat Merkzeichen G und 80 % Schwerbehinderung auf Dauer, ohne Partner/Kinder und sucht in einem Wohngebiet der Mietstufe 6. In der Vergangenheit hatte sie für eine andere Wohnung bereits Grundsicherung bekommen, aber da sie gerne ein wenig von ihrem Hobby verkaufen möchte (im Rahmen von vielleicht 100-200 Euro monatlich), möchte sie lieber die Freiheiten des Wohngeldes in Anspruch nehmen.

    Wie errechnet sich, ob Wohngeld oder Grundsicherung zusteht? Bei welcher Miethöhe ist die Grenze?

    Wie hoch darf die Miete sein, um noch Wohngeld zu bekommen und ab wann muss sie auf Grundsicherung gehen? Und wird man "zugeteilt" oder hat die Wahl und kann selbst entscheiden für entweder Grundsicherung oder Wohngeld? Bei ihrer Behinderung, ist langfristig gesehen eine mögliche Wahl für Wohngeld überhaupt sinnvoll, da Grundsicherung ja im Ruf steht, besser alle Bedarfe abzudecken?

    Wir sind etwas überfordert von den Rechten und Pflichten und möglichen Konsequenzen und wären daher sehr dankbar für eine fachkundige Antwort.

    Viele Grüße

  • Hallo,


    Wohngeld ist ein Mietzuschuss, keine Hilfe zum Lebensunterhalt.


    Um Anspruch auf Wohngeld zu haben, benötigt deine Verwandte ein Mindesteinkommen (432 € + Warmmiete).

    Liegt ihre Rente deutlich unter diesem Mindesteinkommen, wird sie auf Grundsicherung verwiesen. Bis zu welcher Höhe die Aufwendungen für die Wohnung angemessen sind, legt jede Gemeinde selbst fest.


    Ob Wohngeld oder Grundsicherung für deine Verwandte günstiger ist, hat nichts mit dem GdB zu tun.

    Entscheidend allein ist die Höhe ihrer Rente sowie die Höhe der Miete.


    VG

  • Vielen Dank!

    Ich hab jetzt nochmal nachgefragt, sie bekommt 711 Euro Rente. Nach deiner Rechnung wäre das Mindesteinkommen bei einer möglichen Warmmiete von 500 Euro = 932 Euro. Kann die Differenz zur Rente von 221 Euro als "deutlich unter dem Mindesteinkommen" gewertet werden oder liegt das in einem Ermessensspielraum der Berater?

    Und: kann meine Verwandte bei dieser Kalkulation noch selber entscheiden, ob Wohngeld oder Grundsicherung (zumal sie sich ja gerne die Option offenhalten würde, ein Taschengeld hinzuverdienen zu dürfen).

    Viele Grüße und danke.

  • Hallo Kala,


    ein monatlicher Fehlbetrag im dreistelligen Bereich ist definitiv deutlich unter dem Mindesteinkommen, und da hat der Sachbearbeiter auch keinen Spielraum mehr. Das Höchste der Gefühle sind 80% des Regelbedarfssatzes, also 345,60 € statt 432,00 € (Wobei deine Verwandte ja noch mit Merkzeichen G einen zusätzlichen Bedarf bei der Grundsicherung erhält.). Das ist noch akzeptabel, wenn glaubwürdig ist, dass sie sparsam lebt.


    Mal so generell gilt: Wohngeld ist eine vorrangige Leistung. D.h. wenn deine Verwandte Grundsicherung beantragt, werden diese sowieso überprüfen, ob ggf. der Wohngeldanspruch höher wäre als der SGB XII-Anspruch. Falls dem so ist, muss deine Verwandte Wohngeld beantragen. Hier hat sie kein Wahlrecht.


    Beim Wohngeld ist es ein bisschen anders. Die Wohngeldstelle prüft nur, ob sie das Mindesteinkommen erfüllt (Der Bedarf muss mit allen zur Verfügung stehenden Einkommen, also in diesem Fall Rente plus Wohngeld, gedeckt sein.). Ist das der Fall, erhält sie Wohngeld. Wenn sie das Mindesteinkommen aber nicht erfüllt, kann das Wohngeld deshalb abgelehnt werden. Dann bleibt ihr eigentlich nur die Grundsicherung.


    Sobald deine Verwandte einen Nebenjob hat, muss sie das natürlich melden und das Wohngeld wird dann auch ggf. angepasst. (bei einer Einkommensänderung von mehr als 15% im laufenden Bewilligungszeitraum)


    Ich hoffe, ich hab mich verständlich ausgedrückt.


    Viele Grüße

    Simone