Bafög und Unterhalt gleichzeitig?

  • Hallo,

    Ich studiere seit dem 01.10.2019 und habe im September 2019 meinen Bafög Antrag gestellt.

    Nun wurde mir heute mitgeteilt, dass ich 460€ Bafög bekomme, wobei 9€ von meinem Unterhalt darauf angerechnet werden.

    Ich lebe bei meiner Mutter, diese ist allerdings nicht Unterhaltszahlungsfähig (wurde sowohl durch das Jugendamt als auch durchs Bafögamt geprüft), daher zahle ich ihr 300€ "Miete" (inklusive Strom, Internet, Lebensmitten etc.) im Monat. Das Kindergeld geht in voller Höhe an sie.

    Von meinem Vater erhalte ich monatlich 360€ Unterhalt.

    Nun meine Frage: Die Frau vom Bafögamt meinte zu mir ich würde 460€ Bafög UND 360€ bzw 351€ Unterhalt bekommen, also dass nur 9€ vom Bafög auf den Unterhalt angerechnet werden.

    Ist das rechtens so? Ich wohne wie gesagt noch zuhause, bin noch in der Familienversicherung und habe auch sonst keine weiteren Kosten. Wie kann es sein, dass mein Anspruch bei 811€ im Monat liegt? Ist das möglicherweise ein Fehler vom BAföGamt?

    Muss ich meinen Vater über die Höhe meines Bafögs informieren? Ich wäre sehr glücklich über eine so hohe Summe, da ich mir so auch endlich notwendige Sachen fürs Studium (z.B Laptop) leisten könnte.

    Jedoch habe ich Angst, dass mein Vater vielleicht doch den Unterhalt zurückfordern kann.


    Auf diese Fragen konnte mir die Dame vom BAföGamt leider keine Antwort geben und meinte ich müsse mich anderweitig informieren.

    Ich hoffe zumindest hier ein paar Antworten zu erhalten.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Larissa


  • Hallo,


    Zitat

    Die Frau vom Bafögamt meinte zu mir ich würde 460€ Bafög UND 360€ bzw 351€ Unterhalt bekommen,

    Ist das rechtens so?


    Nein.


    Zitat

    Muss ich meinen Vater über die Höhe meines Bafögs informieren?


    Ja. Er weiß ohnehin, dass du BAföG beantragst hast, da er eine Einkommenserklärung ausfüllen musste. Er wird daher irgendwann nachfragen.

    Informierst du deinen Vater nicht zeitnah über die BAföG-Zahlungen kannst du schlimmstensfalls deinen Unterhaltsanspruch für die Zukunft verwirken.


    Zitat

    Jedoch habe ich Angst, dass mein Vater vielleicht doch den Unterhalt zurückfordern kann.


    Er kann das BAföG auf den Unterhalt anrechnen.


    Zitat

    wobei 9€ von meinem Unterhalt darauf angerechnet werden.


    Es wurden nicht 9 € von deinem Unterhalt, sondern 9 € vom Einkommen deines Vaters angerechnet.


    BAföG und Kindergeld können voll auf den Unterhaltsbedarf angerechnet werden.

    Deinen genauen Unterhaltsbedarf kenne ich nicht, da das bereinigte Einkommen der Eltern nicht bekannt ist.

    Da dir fast der BAföG-Höchstsatz bewilligt wurde, gehe ich davon aus, dass dein Bedarf mit BAföG + Kindergeld gedeckt ist.

    Es sei denn, dass Einkommen eines Elternteils hat sich seit 2017 deutlich erhöht.


    Mit freundlichen Grüßen

    Theo

  • Danke für die Antwort!

    Ich werde morgen auf jeden Fall nochmal nachfragen.

    Meine Mutter verdient nichts, daher muss sie mir keinen Unterhalt zahlen.

    Das Einkommen meines Vaters kenne ich nicht, er muss laut Jugendamt aber 360€ zahlen.

    Wie kommt es nun, dass das Bafög Amt meinte, mein Vater müsse aufgrund von Bafög 9€ weniger Unterhalt, also 351€ zahlen? Wenn ich letztendlich gar keinen Unterhalt mehr bekommen soll?

    Nun ist auch folgendes: Mein Vater möchte beantragen, dass er das Kindergeld bekommt. Geht das denn, wenn er gar keinen Unterhalt mehr zahlen muss?

  • Zitat

    Wie kommt es nun, dass das Bafög Amt meinte, ...


    Die Aussage der Sachbearbeiterin im BAföG-Amt ist schlicht und einfach falsch.

    Warum, könnte ich nur spekulieren.


    Zitat

    Ich werde morgen auf jeden Fall nochmal nachfragen.


    Dann aber besser bei jemandem, der sich im Unterhaltsrecht auskennt (z.B. Jugendamt).


    Zitat

    Mein Vater möchte beantragen, dass er das Kindergeld bekommt.


    Solange du im Haushalt deiner Mutter lebst, würde der Antrag von der Familienkasse abgelehnt werden.

    Bei mehreren Berechtigten wird das Kindergeld demjenigen gezahlt, der das Kind in seinen Haushalt aufgenommen hat (§ 64 Abs, 2 EStG).

  • Und wenn meine Mutter umzieht? Sehr wahrscheinlich zieht sie in ein anderes Bundesland.

    Ohne Unterhalt und ohne Kindergeld könnte ich mir niemals eine eigene Wohnung leisten.

    Ich finde die Rechtslage sehr ungerecht für Studierende, während ich mich für mehrere tausende Euro verschulde, wird mein Vater also von der Pflicht für seine Kinder aufzukommen befreit.

  • Zitat

    Und wenn meine Mutter umzieht?


    Dann gilt § 64 Abs. 3 EStG: Ist das Kind nicht in den Haushalt eines Berechtigten aufgenommen, so erhält das Kindergeld derjenige, der dem Kind eine Unterhaltsrente zahlt. Zahlen mehrere Berechtigte dem Kind Unterhaltsrenten, so erhält das Kindergeld derjenige, der dem Kind die höchste Unterhaltsrente zahlt. Werden gleich hohe Unterhaltsrenten gezahlt oder zahlt keiner der Berechtigten dem Kind Unterhalt, so bestimmen die Berechtigten (Anm.: Eltern) untereinander, wer das Kindergeld erhalten soll.


    Zitat

    Ohne Unterhalt und ohne Kindergeld könnte ich mir niemals eine eigene Wohnung leisten.


    Lebst du nicht mehr im Haushalt eines Elternteils, erhöht sich dein BAföG auf 735 € (744 € - 9 €).

    Zahlt keiner deiner Eltern Unterhalt und leiten sie auch das Kindergeld nicht an dich weiter, kannst du einen Abzweigungsantrag stellen.


    Zitat

    wird mein Vater also von der Pflicht für seine Kinder aufzukommen befreit.


    Das BAföG-Amt hat das Einkommen deines Vaters geprüft. Er wird nicht von der Unterhaltspflicht befreit, sondern er ist - ebenso wie deine Mutter ! - nicht leistungsfähig. Daher erhältst du auch fast den BAföG-Höchstsatz.