Antrag >>> Wohngeld oder direkt zu ALG II (Hartz 4)?

  • Guten Tag,


    bin Student, 30 Jahre alt und arbeite nebenbei:


    Muss demnächst ausziehen.


    Nettoverdienst: 909 EUR
    Jahressonderzahlungen: 1200 EUR


    Monatliche Kosten


    Warmmiete (Inkl. Heizkosten + Warmwasser): 470 EUR

    Lebensmittel: 360 EUR

    Internet/Telefon Festnetz: 35 EUR

    Strom: 45 EUR

    Krankenversicherung: 94 EUR

    Kreditrückzahlungen 285 EUR

    Pflegeprodukte, Haushaltsmittel: 70 EUR

    Risikolebensversicherung: 9 EUR

    Bankgebühren: 4 EUR

    GEZ: 18 EUR

    Benzinkosten: 80 EUR

    Frisör: 30 EUR


    Gesamt -> -1500 EUR


    Jahresabgaben


    Privathaftpflicht: 50 EUR

    Internetsecurity (Antivirenprogramm): 25 EUR

    Studiengebühren: 560 EUR

    Reperaturen: 300 EUR

    Klamotten: 100 EUR

    KFZ-Steuer: 100 EUR

    KFZ Haftpflicht: 400 EUR

    Bücher: 100 EUR


    Gesamt -> -1636 EUR


    Vermögen


    PKW: Zeitwert 3500 EUR

    Sportfahrrad: Zeitwert 300 EUR

    Kontostand: 6000 EUR



    Wie sieht meine Situation aus? Besteht Wohngeldanspruch und in welcher Höhe? Besteht Hartz 4 Anspruch und in welcher Höhe?


    BAFÖG Negativbescheid liegt vor! Es fehlen Leistungspunkte,da anspruchsvoller Studiengang.


    Die Wohnung (33 m²) hat Mietstufe 6,also die Höchste. Würde auch eine Kautionsübernahme möglich sein?


    Danke im Voraus:)





  • Zitat

    Besteht Wohngeldanspruch


    Anhand deiner Angaben könnte für ein Jahr Anspruch auf Wohngeld bestehen.

    Wann wirst du voraussichtlich mit dem Studium fertig?


    6.000 € Ersparnisse - geschätzt 900 € Kaution = 5.100 €

    Einnahmen 909 € + 100 € anteilige Jahressonderzahlung + 425 € Ersparnissen (1/12) = 1.434 €

    Ausgaben 1.500 € + 140 € anteilige Jahresausgaben = 1.640 €


    ergibt ein Minus von 206 € pro Monat

    mit Wohngeld und einem dicken Rotstift bei den Ausgaben, könnte es für ein Jahr reichen

    (sofern du kaum Geld für eine Wohnungsausstattung ausgibst)



    Spätestens nach einem Jahr sind deine Ersparnisse aufgebraucht und die Rechnung sieht so aus:


    Einnahmen 909 € + 100 € anteilige Jahressonderzahlung = 1.009 €

    Ausgaben 1.500 € + 140 € anteilige Jahresausgaben = 1.640 €

    ergibt ein Minus von 631 € pro Monat


    Damit besteht kein Anspruch auf Wohngeld mehr.


    Zitat

    Lebensmittel: 360 EUR
    Pflegeprodukte, Haushaltsmittel: 70 EUR
    Strom: 45 EUR
    Frisör: 30 EUR
    Klamotten: 100 EUR/Jahr
    Bücher: 100 EUR/Jahr


    Hast du diese Beträge geschätzt?

    Die Posten 1-3 sind für eine Person sehr hoch. Wohingegen die Kosten für Bekleidung und Studium gering erscheinen. Kosten für Freizeit bzw. Hobby hast du gar nicht eingerechnet.


    Zitat

    Kontostand: 6000 EUR
    Kreditrückzahlungen 285 EUR


    Grundsätzlich würde ich dazu raten, das Guthaben zur Schuldentilgung einzusetzen, um das monatliche Budget zu entlasten und Zinsen zu sparen.

    Problem: Wenn du dies tust, läufst du sofort wieder in die Schulden, da deine Ausgaben die Einnahmen trotzdem deutlich übersteigen. Anspruch auf Wohngeld bestünde dann, mangels ausreichendem Einkommen, auch nicht mehr.


    Mein Rat: Geh zu einer Schuldnerberatung. Durch den Umzug in eine eigenen Wohnung bist du per Definition überschuldet. Je eher du dir Hilfe suchst, desto leichter kann die Schuldenspirale durchbrochen werden. Zumal deine finanzielle Situation in einem Jahr richtig prekär wird, wenn du nichts unternimmst.


    Zitat

    PKW: Zeitwert 3500 EUR
    Benzinkosten: 80 EUR
    KFZ-Steuer: 100 EUR
    KFZ Haftpflicht: 400 EUR
    Reperaturen: 300 EUR


    Fast 1.800 € im Jahr bzw. 150 € im Monat.


    Überlege dir ehrlich, wann, wofür und wie lange du den Pkw nutzt, ob er wirklich unverzichtbar ist oder ob es andere, günstigere Lösungen gibt. Mit den genannten Zahlen, kannst du ihn auf Dauer ohnehin nicht halten. Daher wäre es evtl. sinnvoll ihn frühzeitig abzustossen und das Geld für die Schuldentilgung einzusetzen.


    In vielen Städten gibt es Carsharing-Angebote. Rechne mal durch, ob dies nicht günstiger wäre, als ein eigener Pkw. Zudem hast du vermutlich ein Semesterticket.


    In meinem Fall ist es sogar so, dass ich deutlich weniger (eigentlich gar nicht mehr) mit dem Pkw fahre, seit ich Carsharing nutze. Dank Monatskarte bin ich trotzdem mobil.


    Zitat

    Besteht Hartz 4 Anspruch und in welcher Höhe?
    Würde auch eine Kautionsübernahme möglich sein?


    Zweimal nein, da Student.

    Du hast auch keinen Anspruch auf eine Wohnungserstausstattung.

  • Danke für deine Rückmeldung.


    Alle Ausgaben die angegeben sind, stimmen überein! Auch wenn es dich verwundert.

    Ich kenne meinen Lebensstil.


    Wie hoch würde denn das Wohngeld vorliegend ausfallen? Ich bräuchte Planungssicheerheit,weil im schlimmsten Fall,falls das Wohngeld knapp ausfällt,dann muss ich noch mehr arbeiten bzw. einen zweiten Job suchen.

    Ich verstehe nicht wie man als Alleinstehender auf einen Höchstsatz pro Monat von 522 EUR (Mietstufe 6) kommen soll. Total unrealistisch was die auf der Internetseite angeben.


    Würde ich denn bei 1000 Netto pro Monat (Krankenversicherung schon bezahlt) Wohngeld erhalten.

    Hobby/Freizeit existiert für mich nicht in den nächsten 2 Jahren.


    Ich muss 1 Jahr mit ordentlichem Wohngeld auskommen.



    Das Auto ist unerlässlich.

  • Hallo,

    Total unrealistisch was die auf der Internetseite angeben.

    und diese Einschätzung kommt genau woher? Es gibt durchaus Fälle, in denen der Höchstzuschuß erreicht wird - und das gar nicht mal so selten. Vielleicht sollte man also solche Einschätzungen nur dann abgeben, wenn man auch weiß, wovon man redet. Was bei Dir nicht der Fall ist, wie Deine nachfolgende Frage beweist:

    Würde ich denn bei 1000 Netto pro Monat

    Dann wüßtest Du nämlich, daß das Nettoeinkommen ohne Belang bei dem Wohngeld ist.


    Gruß!

  • Hallo,

    und diese Einschätzung kommt genau woher? Es gibt durchaus Fälle, in denen der Höchstzuschuß erreicht wird - und das gar nicht mal so selten. Vielleicht sollte man also solche Einschätzungen nur dann abgeben, wenn man auch weiß, wovon man redet. Was bei Dir nicht der Fall ist, wie Deine nachfolgende Frage beweist:

    Dann wüßtest Du nämlich, daß das Nettoeinkommen ohne Belang bei dem Wohngeld ist.


    Gruß!

    Einkommen ohne Belang? Mindesteinkommen sehr wohl. Ich muss wohl noch mehr verdienen um meine Ausgaben zu decken.

  • Zitat

    Ich verstehe nicht wie man als Alleinstehender auf einen Höchstsatz pro Monat von 522 EUR (Mietstufe 6) kommen soll. Total unrealistisch was die auf der Internetseite angeben.


    Du hast sicher gelesen, dass dies nicht der Höchstbetrag für Wohngeld, sondern der Höchstbetrag für Miete (§ 12 WoGG) ist?

    Diesen erreicht man, indem man für seine Wohnung entsprechend Miete zahlt. Was daran unrealistisch sein soll, erschließt sich mir nicht.


    Zitat

    Wie hoch würde denn das Wohngeld vorliegend ausfallen? Ich bräuchte Planungssicheerheit,


    Anhand deiner Angaben kann ich deinen Wohngeldanspruch nur grob schätzen. Hoppel hat schon darauf hingewiesen, dass für die Berechnung des Wohngeldes das Nettoeinkommen ohne Belang ist. Dies gilt auch für die Warmmiete.

    Für Planungssicherheit bist du in einem (Laien-)Forum ohnehin falsch. Wir dürfen aus rechtlichen Gründen keine Einzelfallberatung durchführen. Das "Versprechen" von Beträgen gehört dazu.


    Gib deine Daten bitte selbst in einen Wohngeldrechner ein. Vorab empfehle ich, die Broschüre "Wohngeld - Ratschläge und Hinweise" zu lesen. Ohne grundsätzliche Kenntnisse der Wohngeldberechnung, wird dir jeder Rechner ein falsches Ergebnis ausgeben.

    Alternativ kannst du in der Wohngeldtabelle nachschlagen. Aber auch hier kommst du ohne Grundkenntnisse nicht weit.


    Zitat

    Ich muss 1 Jahr mit ordentlichem Wohngeld auskommen.


    Was verstehst du unter "ordentlichem Wohngeld"? Geh davon aus, dass der Wohngeldanspruch, der sich aus dem genannten Einkommen ergibt, unter 1/4 der zu berücksichtigenden Miete (dies ist nicht die Warmmiete, siehe § 9 WoGG) liegen wird.


    Zitat

    weil im schlimmsten Fall,falls das Wohngeld knapp ausfällt,dann muss ich noch mehr arbeiten bzw. einen zweiten Job suchen.


    Mit Wohngeld kannst du deine Finanzlücke nicht decken. Sind Einsparungen bei den Ausgaben nicht möglich, kommst du um eine Ausweitung der Erwerbstätigkeit nicht herum.

    Beachte die 20-Stunden-Regel für Studenten.


    PS: Es gibt den Kfw-Studienkredit. Da du bereits verschuldet bist, sollte dieser der letzte Ausweg sein. Evtl. für die Prüfungsphase.