Unterhaltszahlung bei Ausbildung für Voll- u. Minderjährige Kinder

  • Hallo, ich denke, dass dieses Thema sicherlich schon einmal beschrieben, bzw. berechnet wurde, aber ich finde es nicht. Ich bin geschieden und mein minderjähriger Sohn und meine volljährige Tochter leben bei Ihrer Mutter. Wir sind beide berufstätig und haben die Unterhaltszahlung der Kids geregelt. Er erhält im Moment 450 €, Sie 320 €. Das Geld wird einvernehmlich auf das Konto der Mutter überwiesen. Für dieses Jahr, stehen allerdings Veränderungen an, von denen ich nicht weiß wie ich sie berechnen soll. Mein Sohn hat die Schule abgebrochen und wird mit 17 zur Bundeswehr gehen und sich verpflichten. Meine Tochter hat Ihr Abi bestanden und eine Lehre anfangen. Das bedeutet, beide bekommen jetzt eine Ausbildungsvergütung, die vermutlich Höher sein wird, als meine Zahlungen. Bedeutet, dass, dass ich dann kein Unterhalt mehr zu zahlen habe, oder wie wird das verrechnet?

  • Zitat

    Mein Sohn hat die Schule abgebrochen und wird mit 17 zur Bundeswehr gehen


    Laut Internetseite der Bundeswehr wird er zu Beginn 837 € Wehrsold plus freie Verpflegung, Unterkunft, Uniform und ärztliche Versorgung erhalten.

    Kindergeld wird bis zum 18. Geburtstag gezahlt. Absolviert er bei der Bundeswehr eine Ausbildung auch darüber hinaus.


    Dein Sohn hat keinen Anspruch auf Unterhalt mehr.


    Zitat

    Meine volljährige Tochter hat Ihr Abi bestanden und eine Lehre anfangen.

    wie wird das verrechnet?


    bereinigtes Einkommen (dies ist nicht das Netto!) beider Elternteile

    Unterhaltsbedarf aus der Düsseldorfer Tabelle ablesen

    volles Kindergeld sowie die bereinigte Ausbildungsvergütung abziehen

  • Hallo Theo,


    vielen Dank für die schnelle Antwort.


    Mein Sohn will sich für 2 oder 4 Jahre verpflichten und danach unter vollen Bezügen sein Fachabi nachholen. In wieweit er innerhalb der vorgesehenen Zeit noch eine Ausbildung nebenbei macht, kann ich nicht sagen.


    Auch wenn Du das mit den 18 Jahren bei Ihm so betont haben, ich müsste mit der „Einberufung" (da ist er noch 17) nichts mehr einzahlen?

    Da er auch Unterkunft und Verpflegung erhält -quasi nur noch auf dem Papier beim seiner Mutter lebt, brauchen die Eltern auch keine Unterstützung zu zahlen, sollte er zum Bsp. zu einer Freundin ziehen, richtig?


    Weil Du es erwähnst, beide Kinder sind privat versichert. Im Falle meines Sohnes, könnte man die Versicherung kündigen?


    Im Moment teilen wir uns die Kosten für meine Tochter. Das heißt meine Exfrau zahlt die Hälfte von 650 € (844 - 194 € KG). Meine Tochter wird etwa 700 € verdienen. Wenn ich richtig gelesen habe, dann sind 90 € der Teil der ihr auf alle Fälle zusteht. Das heißt 700 – 90 ergibt 610 € und die Differenz zu 650 € müssten die Eltern zahlen. Beide Elternteile also 20 €


    Das ändert sich dann aber sollte Sie aus dem Haus Ihrer Mutter ausziehen, richtig? Hier wird dann ihr neuer Bedarf ermittelt und die Rechnung wird entsprechend der Nettoeinkommen beider Elternteile neu berechnet.

    In wieweit meine Tochter weiterhin privat kranken versichert sein möchte, muss sie selbst entscheiden und ich denke, das kann nicht als zusätzlichen Bedarf angerechnet werden.

  • Hallo,

    leider habe ich auf meine Nachfrage noch keine Antwort erhalten.

    Ich kann mir vorstellen, dass es ganz viele Anfragen gibt, die hier ankommen.

    Vielleicht gibt es außer den Moderatoren auch jemand anderes, der mir die Fragen beantworten kann, oder mich mit einem Link dahin weisen kann, dass ich mir das selbst beantworten kann.

    Danke

  • Zitat

    Das ändert sich dann aber sollte Sie aus dem Haus Ihrer Mutter ausziehen, richtig? Hier wird dann ihr neuer Bedarf ermittelt und die Rechnung wird entsprechend der Nettoeinkommen beider Elternteile neu berechnet.


    beide Kinder sind privat versichert. ich denke, das kann nicht als zusätzlichen Bedarf angerechnet werden.


    Diese wenigen Sätze zeigen mir, dass du die Anmerkungen zur Düsseldorfer Tabelle (DT) nicht gelesen hast ;). Dies wäre aber der Einstieg in die Unterhaltsberechnung.


    "entsprechend Nettoeinkommen der Eltern" -> Im Tabellenkopf der DT steht "Nettoeinkommen des/der Barunterhaltspflichtigen (Anm. 3, 4)". Aus den Anmerkungen 3 und 4 wird deutlich, dass damit nicht das Nettoeinkommen laut Gehaltsnachweis gemeint ist. Wobei diese nicht umfassend genug sind. Für eine richtige Einkommensbereinigung (z.B. Wohnwert einer eigenen Immobilie), müsstet ihr die Unterhaltsleitlinien/-grundsätze des zuständigen OLG heranziehen. Diese sind ähnlich, können sich aber in einzelnen Punkte unterscheiden.

    Da der Wohnort nicht bekannt ist, bitte selbst googeln.


    Ich weiß, die Verwendung des Begriffs "Nettoeinkommen" in der DT ist irreführend. Daher hatte ich oben schon "bereinigtes Einkommen (dies ist nicht das Netto!)" geschrieben.



    "wird dann ihr neuer Bedarf ermittelt" -> Der angemessene Gesamtunterhaltsbedarf eines Kindes im eigenen Haushalt beträgt in der Regel monatlich 735 EUR (Anm. 7). In den Bedarfsbeträgen der DT sind Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung nicht enthalten (Anm. 9).


    Das bereinigte Nettoeinkommen (siehe dazu auch unten) der Tochter sowie das Kindergeld werden angerechnet.


    Grundsätzlich müsste eure Tochter vorrangig zum Unterhalt BAB beantragen. Aber hier scheint mind. ein Elternteil sehr gut zu verdienen (private KV). Ich denke, da kann sie mangels Anspruch auf einen BAB-Antrag verzichten.


    PS: Der Gesamtunterhaltsbedarf nach Anm. 7 der DT hat sich bisher immer am BAföG-Höchstsatz orientiert. Der BAföG-Höchstsatz wurde zum 01.08.2019 von 735 € auf 853 € erhöht. Es ist daher davon auszugehen, dass auch der Gesamtunterhaltsbedarf zum 01.01.2020 entsprechend angepasst wird.


    Zitat

    Wenn ich richtig gelesen habe, dann sind 90 € der Teil der ihr auf alle Fälle zusteht.


    Die 90 € sind alt. Die Pauschale für den ausbildungsbedingten Mehrbedarf beträgt seit 2018 100 €.


    Anmerkung 8 zur DT: Die Ausbildungsvergütung eines in der Berufsausbildung stehenden Kindes, das im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils wohnt, ist vor ihrer Anrechnung in der Regel um einen ausbildungsbedingten Mehrbedarf von monatlich 100 EUR zu kürzen.


    Dies bedeutet im Umkehrschluss, lebt das Kind in einem eigenen Haushalt, sind nur die tatsächlichen Kosten zu berücksichtigen.


    Allerdings könnte sich in der Unterhaltsleitlinien des zuständige OLG eine abweichende Regelung finden. Es gibt OLG, welche immer mind. 100 € berücksichtigen, sofern die tatsächlichen Kosten geringer sind. Höher Kosten werden von allen OLG anerkannt.

    Ebenfalls in der Unterhaltsleitlinien findet ihr, was alles zum ausbildungsbedingten Mehrbedarf gehört.


    Zitat

    Im Moment teilen wir uns die Kosten für meine Tochter.


    Dies wäre richtig, wenn euer bereinigtes Nettoeinkommen annähernd gleich ist.

    Der Anteil jedes Elternteils am Gesamtunterhalt des Kindes richtet sich nach dem bereinigten Einkommen des jeweiligen Elternteils.

    Sind sich die Eltern einig, ist natürlich auch eine andere Verteilung möglich.


    Zitat

    Im Falle meines Sohnes, könnte man die Versicherung kündigen?


    Besprich mit deinem Sohn, wie lange hat er sich verpflichtet hat und welchen Ausbildungsweg (Studium?) er plant.

    Evtl. solltest du dich zum Thema Anwartschaftsversicherung beraten lassen.


    Zitat

    In wieweit meine Tochter weiterhin privat kranken versichert sein möchte, muss sie selbst entscheiden
    Weil Du es erwähnst, beide Kinder sind privat versichert.


    Deine Tochter hat kein Wahlrecht, während einer betrieblichen Ausbildung ist sie gesetzlich krankenversichert.

    Aber auch hier könnte es sinnvoll sein, eine Anwartschaftsversicherung aufrecht zu erhalten.

    Besprich mit deiner Tochter, was sie evtl. nach der Ausbildung plant.

  • Hallo Theo,


    Vielen Dank für die umfangreiche Antwort.

    Deine Vermutung ist nicht ganz richtig. Ich habe den Text vielleicht nicht komplett verstanden, aber ich habe versucht die Absätze der DT zu berücksichtigen. Wie Du schon schreibst das Nettoeinkommen ist hier anders als im üblichen Sinne zu verstehen. Ich habe das in meiner kleinen Tabelle, die ich mir dazu erstellt habe, berücksichtig. Was Du nicht wissen kannst, das Einkommensverhältnis wäre sonst nicht etwa 50/50 sondern in etwa 40 (sie) und 60 (ich).


    Wenn ich als beide bereinigten Einkommen addiere, steht meine Tochter gemäß Unterhaltsstufe 10 der DT den Höchstsatz von 844 .- zu. Abzüglich KG sind wir dann bei 640 €. Bei dieser Berechnung ist der Bedarf der PKV, wie Du oben erwähnt hast, nicht berücksichtigt. War diese Berechnung falsch, weil Du den Bezug auf das BAföG-Höchstsatz verweist?


    Was für mich nicht klar aus den Anmerkungen der DT hervorgeht ist, wie jetzt das Einkommen meiner Tochter durch die Lehre berechnet wird? :/

    Wenn ich also mal von einem Anspruch von 640 € und ein Einkommen der Tochter von 700.- € für die Lehre ausgehe, dann verringert der Betrag um die 100.- € für den ausbildungsbedingten Mehrbedarf und wir müssten noch 40.- € anteilmäßig meiner Tochter bezahlen.


    Danke für den Tipp der Anwartschaft für die PKV. Ich werde es einmal in die „Runde“ schmeißen und schauen wie die Resonanz ist. :thumbup:

  • Hallo,


    deine Unterhaltsberechnung ist (fast) richtig, solange eure Tochter im Haushalt eines Elternteils wohnt. Der KV-Beitrag käme noch hinzu.


    Da du oben geschrieben hattest -

    "Das ändert sich dann aber sollte Sie aus dem Haus Ihrer Mutter ausziehen, richtig?"

    - bin ich auf diesen Fall eingegangen.


    Wie der ausbildungsbedingte Aufwand und die Fahrtkosten vom Einkommen der Tochter abzuziehen sind, kannst du in den Unterhaltsleitlinien des zuständigen OLG nachlesen. Es gibt da regionale Unterschiede.


    VG

    Theo