Lebensunterhalt durch Kredit gesichert

  • Hallo,


    wegen Kündigung des Arbeitsverhältnisses müssen wir ALG II beantragen. Wir lebten die vergangen Monate vom DispoKredit und kleinem Einkommen, da Wohngeld noch nicht beschieden wurde. Nun rechne ich demnächst mit einer Nachzahlung. Diese Nachzahlung wird vom Jobcenter als Einkommen berechnet, entweder für den Monat selbst indem es zugeflossen ist oder aufgeteilt für die nächsten 6 Monate. Nun leben wir vom Dispo-Kredit und konnten ein Monat keine Miete zahlen. Wie kann ich dafür sorgen, dass bspw. meine Mietschulden getilgt werden ohne das Geld als Einkommen auf mein Konto zu erhalten? Werden wir dafür bestraft, erstmal ohne staatliche Unterstützung gelebt zu haben?

    Danke für die Antworten im Voraus.

  • Zitat

    da Wohngeld noch nicht beschieden wurde.


    Dein Mann arbeitet seit dem 17.04.2019. Warum konnte über euren Wohngeldanspruch immer noch nicht abschließend entschieden werden?


    Zitat

    wegen Kündigung des Arbeitsverhältnisses müssen wir ALG II beantragen.


    Zu wann wurde dein Mann gekündigt?


    Zitat

    Nun leben wir vom Dispo-Kredit und konnten ein Monat keine Miete zahlen.


    Das lässt vermuten, dass ihr evtl. gar keinen Anspruch auf Wohngeld habt, da euer Einkommen zu gering ist.


    Hat die Wohngeldstelle mal etwas in diese Richtung geschrieben?

    Wie hoch ist euer Einkommen (brutto, netto)? Wird der Kinderzuschlag noch gezahlt?

    Wie hoch war dein Elterngeld bis April 19?

    Wie hoch sind eure Kaltmiete, Neben- und Heizkosten?

    Welche Mietstufe hat eure Stadt?

    Ihr wurdet Anfang Mai gebeten, einen neuen Antrag zu stellen. Konntest du klären, warum und habt ihr dies getan?


    Mein Rat: Stellt am Montag einen Antrag auf ALG II. Dieser wirkt auf den Ersten des Monats zurück (§ 37 Abs. 2 Satz 1 SGB II). Dann ist wenigstens ab Juni die Mietzahlung und der Lebensunterhalt sichergestellt. Sollte Wohngeld noch bewilligt werden, kann das Jobcenter bei der Wohngeldstelle einen Erstattungsantrag stellen.

    Wird euer Wohngeldantrag rückwirkend abgelehnt, würde der ALG II-Antrag sogar auf den Tag der Beantragung des Wohngeldes zurückwirken.

  • Zitat


    Dein Mann arbeitet seit dem 17.04.2019. Warum konnte über euren Wohngeldanspruch immer noch nicht abschließend entschieden werden?


    Unsere Sachbearbeiterin vom Wohngeldamt wollte noch die Lohnabrechnung sowie die Verdienstbescheinigung nach WoGG, diese haben wir leider erst am 21.05.19 sowie am 04.06.19 von der Personalabteilung erhalten.

    Zu wann wurde dein Mann gekündigt?

    Zum 31.05.19.

    So eine Vermutung wurde nicht geäußert.

    Mein Mann hat für Monat April Brutto 594,90€ Netto 476,05€ erhalten. Für Monat Mai Brutto 1.274,79€ und Netto 1.017,09€ erhalten.

    Kinderzuschlag wurde bis März bewilligt (2 Kinder). Für ab April läuft ein Weiterbewilligungsantrag.

    Elterngeld wurde letztmalig im April 19 in Höhe von 1034,36€ gezahlt.

    Kaltmiete beträgt 720,00€, Betriebskosten 90,00€, Heizkosten 110,00€ und Stellplatz 30,00€, insgesamt zahlen wir 950,00€.

    Aus der unverbindlichen Wohngeldberechnung lese ich die Meitenstufe 5 heraus.

    Meine Sachbearbeiterin meinte, da sich unsere wirtschaftlichen Verhältnisse ab Mitte April, wegen Wegfall Elterngeld bzw. Einkommen aus nicht selbstständiger Tätigkeit ändern wird sollen wir ein Antrag für April stellen. Beides könne parallel geprüft werden und somit könne Zeit gespart werden (um es in meinen Worten wieder zu geben).


    Mit ca. 677,00€ Wohngeld im Monat, wäre es wahrscheinlich nicht dazu gekommen, dass ich eine Monatsmiete versäumen musste. Durch unglückliche Buchhaltung meines Vermieters ist zwar die Miete Juni, aber dafür Miete April nicht gebucht worden.

    Zitat

    Mein Rat: Stellt am Montag einen Antrag auf ALG II. Dieser wirkt auf den Ersten des Monats zurück (§ 37 Abs. 2 Satz 1 SGB II). Dann ist wenigstens ab Juni die Mietzahlung und der Lebensunterhalt sichergestellt. Sollte Wohngeld noch bewilligt werden, kann das Jobcenter bei der Wohngeldstelle einen Erstattungsantrag stellen.

    Wird euer Wohngeldantrag rückwirkend abgelehnt, würde der ALG II-Antrag sogar auf den Tag der Beantragung des Wohngeldes zurückwirken.

    Deinem Rat bin ich gefolgt. Ich habe einen Antrag auf ALG II gestellt. Unter welcher Voraussetzung kann das Jobcenter bei der Wohngeldstelle einen Erstattungsantrag stellen? Ich habe der Wohngeldstelle noch nichts von der Kündigung mitgeteilt, auch noch nichts über meinen Antrag beim Jobcenter. Ist es sinnvoll dies so schnell wie möglich zu tun? Kann das Jobcenter nicht mit dem Wohngeldamt kommunizieren und meinen Bedarf bzw. Leistungsanspruch überprüfen und dann bescheiden?


    Danke Theo für deine Antwort und auch für deinen letzten Satz. Wird das Jobcenter nicht mein Wohngeldbescheid und mein Kinderzuschlagbescheid abwarten wollen? Was droht mir, wenn eine Nachzahlung seitens des Wohngeldamtes in Höhe von bspw. ca. 3.350€ getätigt wird?

  • Ab Juni besteht - mangels Einkommen - weder Anspruch auf Wohngeld, noch auf den Kinderzuschlag. Es besteht vermutlich Anspruch auf ALG II. Was ihr zum Glück diese Woche noch beantragt habt.

    Problem: Wurde das Gehalt für Mai erst im Juni ausgezahlt, wird es angerechnet (Zuflussprinzip).


    Erhaltet ihr für Januar bis Mai eine Wohngeld-Nachzahlung, wird sie als einmalige Einnahme auf das ALG II angerechnet und ggf. auf 6 Monate verteilt (Zuflussprinzip).


    Mehr zum Thema findest du hier:

    Bernd Eckhardt: Die »modifizierte Zuflusstheorie« 2018 – zur Anrechnung von Einkommen im SGB II

    insbesondere ab Seite 18: Das Gerechtigkeitsproblem beim verspäteten Einkommenszufluss – striktes Zuflussprinzip verdrängt Härtefallregelung


    Aufgrund der bisherigen Rechtssprechung wird grundsätzlich empfohlen, frühzeitig einen Antrag auf ALG II zu stellen, wenn zu befürchten ist, dass andere Sozialleistungen zu spät gezahlt werden.


    Zitat

    Ich habe der Wohngeldstelle noch nichts von der Kündigung mitgeteilt, auch noch nichts über meinen Antrag beim Jobcenter. Ist es sinnvoll dies so schnell wie möglich zu tun?


    Es ist nicht nur sinnvoll, du bist sogar dazu verpflichtet, jede Änderung mitzuteilen. Nicht nur der Wohngeldstelle, sondern auch der Familienkasse (Kinderzuschlag). Dann kann über deine Anträge auch abschließend entschieden werden.

  • Update:

    Für Juni wurden uns Leistungen vom Jobcenter gewährt. Gehalt Mai ist im Mai zugeflossen.


    Bernd Eckhardt konnte ich mir noch nicht durchlesen.


    Kinderzuschlag wurde für April und Mai abgelehnt, weil mein Elterngeld noch im April überwiesen wurde. Hier gilt anscheinend auch das Zuflussprinzip. Hier hatte die Familienkasse noch bei vorherigen Bescheid mein Weihnachtsgehalt auf 6 Monate als Einkommen aufgeteilt. Bei der neuen Berechnung wurde dies nicht mehr berücksichtigt. Müsste ich einen Widerspruch einreichen? Wäre ein Rattenschwanz -Angelegenheit.


    Dem Wohngeldamt habe ich alles mitgeteilt. Meine Sachbearbeiterin vom Jobcenter hat sich ebenfalls beim Wohngeld gemeldet. Plötzlich wirkte das Amt für Wohngeld viel fleißiger auf mich. Seltsamerweise wollte das Amt für Wohngeld noch eine schriftliche Erklärungen von uns, dass wir auch gar nicht arbeiten gehen, auch nicht in Teilzeit.


    Wenn uns Wohngeld für April und Mai nicht zusteht, soll ich einen Antrag beim Jobcenter stellen für eine rückwirkende Leistungsüberprüfung. Ist das üblich? Besteht hierfür kein Rechtsanspruch?


    Kann ich Zinsen wegen Kontoüberziehung beim Amt für Wohngeld erstatten lassen? Hört sich vielleicht blöd an, kam mir aber mal zu Ohren.


    LG

  • Zitat

    Müsste ich einen Widerspruch einreichen?


    Würde ich nicht machen.

    Es für euch finanziell besser, wenn auch das Wohngeld für möglichst viele Monate abgelehnt wird und ihr dadurch rückwirkend ALG II beantragen könnt (§ 28 SGB X). Eine Wohngeld-Nachzahlung würde auf euer laufendes ALG II angerechnet werden (siehe oben), eine ALG II-Nachzahlung nicht.


    Zitat

    Kann ich Zinsen wegen Kontoüberziehung beim Amt für Wohngeld erstatten lassen?


    Nein. Wohngeld ist ein Mietzuschuss und keine Hilfe zum Lebensunterhalt.

    Wer es finanziell nicht mehr schafft, seine Miete zu zahlen, ist beim Wohngeld falsch und hätte schon vor Monaten ALG II beantragen müssen. Das habt ihr ja sogar getan, aber den Antrag dann wieder zurückgezogen.

  • Dachte tatsächlich auch, dass das Wohngeld vorrangig beantragt werden muss. Von einem Wahlrecht wusste ich nicht wirklich.


    Ich habe inzwischen erfragt, ob Wohngeldzahlungen direkt an mein Vernieter überwiesen werden kann. Ist anscheinend möglich. Muss hierfür auf ein Vordruck warten, ausfüllen und zurücksenden. Ich habe mal recherchiert, aber kein öffentlich verfügbaren Vordruck gefunden. Hat jemand ganz zufällig ein Link hierfür?