Eltern verweigern Unterhalt - Bafög als Vorausleistung?

  • Hallo,


    Ich habe nach einem 3-jährigen Fach-Abitur mit schulischer Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg das Vollabitur in Vollzeit nachgeholt.

    Aktuell studiere ich Jura im 2. Semster, ich bin 21 Jahre alt. Bafög bekomme ich laut Bescheid leider nicht, da meine Eltern zu viel verdienen. Diese verweigern aber die Unterhaltungszahlung mit der Begründung, sie hätten mir bereits eine Ausbildung (Fachabitur inkl schulische AUsbildung) finanziert.

    Nun habe ich gehört, dass ich Vorleistung beim Bafög Amt beantragen und dadurch Bafög erhalten kann. Das Amt würde die Unterhaltungsforderung dann bei meinen Eltern "eintreiben".

    Ich dachte bisher, es ist nur möglich selbst gerichtlich die Unterhaltungsforderungen einzufordern.

    Hat da jemand Erfahrung mit?

  • Nochmals danke, ich habe mich da jetzt eingelesen und festgestellt, dass das Kindergeld als Unterhaltszahlung gilt. Das heißt nach diesem Antrag wird das von der Vorausleistung abgezogen. DAs Kindergeld bekomme ich direkt vom Amt auf mein Konto ausgezahlt.

    Ich habe damit also maximal (mit Wohnung beim Studentwerk) eine Förderung von 551 € inkl. Kindergeld. Das reicht leider nicht. Zumindest nicht auf Dauer und wenn ich das Studium in Regelzeit leisten will. Der Semsterbeitrag ist an dieser Uni auch sehr hoch, dafür muss ich 60 € im Monat zurück legen. In den Semsterferien müssen Hausarbeiten + Pflichtpraktika geleistet werden. Ich mache das Studium auch nicht "nebenbei". Ich muss wirklich viel lernen, um das Pensum zu schaffen und viel arbeiten nebenbei ist da einfach nicht mehr. Außer ich werde dann irgendwann mit > 35 Jahren fertig.


    Wie ich das verstanden habe, mindert ein eigenes Einkommen auch sofort die Vorleistungszahlung (das wird anders berechnet, als beim herkömmlichen Bafög).


    Jetzt habe ich weitere Fragen:

    1. Wenn tatsächlich heraus kommt, dass ich nicht mehr unterhaltsberechtigt bin, kann ich dann automatisch zum nächsten Bewillgigungszeitraum elternunabhängiges Bafög beziehen? Ich habe hier im Forum (leider weiß ich nicht mehr wo) gelesen, dass es da Probleme gibt, solange man kindergeldberechtigt ist. Das heißt es müsste dann wieder eine Vorauszahlung beantragt werden (mit dem Abzug des Kindergelds)?

    2. Wenn ich Unterhalt bekommen sollte und meine Eltern dann verpflichtet werden zu zahlen, bekomme ich weiterhin lediglich nur die 351 € (+ Kindergeld) oder den Unterhalt, der mir nach dem EInkommen der Eltern (laut Düsseldorfertabelle über 800€) zustehen würde?


    Ich muss gestehen, unter diesen Voraussetzungen weiß ich nicht, ob ich finanziell ein Studium mit einer Regelzeit von 10 Semestern wirklich durchziehen möchte/kann. Selbst im Studentenwerk kostet ein Zimmer mindestens 300€. Zur Not kann ich natürlich auch einen Studienkredit aufnehmen, davon gehe ich sogar aus, wenn ich über die Regelstudiumzeit komme. Aber das möchte ich nicht von Anfang an machen. Eigentlich hatte ich auch gehofft, dass ich die ersten 4 Jahre noch mit dem Kindergeld (+ Bafög-Satz) rechnen kann. Dann wäre das finanziell kein Problem und für die letzten 1-2 Jahre wäre dann ein Studienkredit für die Summe ggf. in Betracht gekommen.

  • Ich habe damit also maximal (mit Wohnung beim Studentwerk) eine Förderung von 551 € inkl. Kindergeld.


    Der BAföG-Höchstsatz für Studenten beträgt 649 € (ohne KV-/PV-Zuschlag).


    Wie kommst du auf 551 €? Es gibt keinen BAföG-Höchstsatz in dieser Höhe. :/


    Wie ich das verstanden habe, mindert ein eigenes Einkommen auch sofort die Vorleistungszahlung


    Da hast du etwas falsch verstanden: Einkommen und Vermögen der auszubildenden Person unterhalb der Freibeträge bleiben bei der Prüfung, ob die Ausbildung gefährdet ist, außer Betracht (VwV 36.1.4).


    Wenn ich Unterhalt bekommen sollte und meine Eltern dann verpflichtet werden zu zahlen, bekomme ich weiterhin lediglich nur die 351 € (+ Kindergeld) oder den Unterhalt, der mir nach dem EInkommen der Eltern (laut Düsseldorfertabelle über 800€) zustehen würde?


    Der angemessene Gesamtunterhaltsbedarf eines Studierenden, der nicht bei seinen Eltern oder einem Elternteil wohnt, beträgt in der Regel monatlich 735 € (Anmerkung 7 zur Düsseldorfer Tabelle). Das Kindergeld sowie ggf. weitere Einkünfte des Kindes (sofern sie nicht überobligatorisch sind) werden angerechnet.

    Diese 735 € würdest du auch nicht über das BAföG-Amt bekommen. Bei Vorausleistung wird maximal der BAföG-Höchstsatz abzgl. des tatsächlich gezahlten Unterhalts (z.B. Kindergeld), gezahlt. Möchtest du die 735 € von deinen Eltern, müsstest du selbst auf Unterhalt klagen (oder mit ihnen reden).


    Wo hast du die 351 € + Kindergeld her? :/


    Wenn tatsächlich heraus kommt, dass ich nicht mehr unterhaltsberechtigt bin


    Sehr unwahrscheinlich. Warum solltest du keinen Unterhaltsanspruch mehr haben.