Kein Elternunabhängiges Bafög -was tun-

  • Hallo Leute,


    ich war schon ein paar mal auf dem BAföG Amt und habe mich viel im Internet informiert. Leider komme ich nicht weiter und ich bin wirklich verzweifelt.


    Ich bin 26 Jahre alt und wohne alleine. Seit ich 19 bin. Ich habe nach dem Realschulabschluss ein FSJ gemacht und habe anschließend die Ausbildung zur Erzieherin begonnen. Leider musste ich nach 4 Monaten abbrechen weil ich kein BAföG bekommen habe. Bei meinen Eltern konnte ich nicht wohnen. Meine eigene Wohnung konnte ich nicht finanzieren. Also habe ich bis 2018 Vollzeit im Verkauf gearbeitet was mich jedoch nicht erfüllt hat. Und ich deswegen nie eine Ausbildung in diesem Bereich begonnen habe.


    Jetzt habe ich im September diesen Jahres erneut die Ausbildung zur Erzieherin begonnen. Ich glaubte mit 26 Anspruch auf elternunabhängiges Bafög zu haben. Doch es wurde abgelehnt, da:


    * es weniger als 2 Stunden Schulweg beträgt (Hin- und Rückweg)

    * andere Schulen die näher an den Wohnorten meiner Eltern liegen den gleichen Ausbildungsgang anbieten (ich aber von allen eine schriftliche Absage habe)

    *mein Papa zu viel verdient


    Jetzt hat die Schule angefangen. Mein Konto ist seit 2 Monaten nicht gedeckt für die Miete, Stadtwerke usw. Ich konnte mir mal hier, mal da etwas leihen aber wie soll es denn weiter gehen? Ich war die letzten 2 Wochen komplett ohne Geld. Konnte mir nicht mal eine Brezel kaufen oder was zu trinken. Der Kontakt zu meinem Vater ist sehr schlecht. Auch wenn er wollte könnte er mir nicht meine Miete bezahlen + Geld zum leben. Das wäre einfach zu viel jeden Monat 3 Jahre lang.


    Meine Frage. Wenn ich mit BAföG nicht weiter komme, gibt es irgendein Amt das für mich zuständig ist? Es gibt nichts dass ich mir mehr wünsche als diese Ausbildung absolvieren zu können.


    Ich würde mich sehr auf eine Antwort freuen.

  • Könntest du den Ablehnungsbescheid bitte anonymisiert verlinken?

    Die beiden ersten Ablehnungsgründe (§ 2 Abs. 1a BAföG) sind auf die Erzieherausbildung nicht anzuwenden.


    Von wann bis wann genau warst du berufstätig? Gab es Unterbrechungen? Konntest du von dem verdienten Geld deinen Lebensunterhalt bestreiten?


    11.3.5 BAföG VwV zu § 11: Eine den Lebensunterhalt sichernde Erwerbstätigkeit ist dann gegeben, wenn der durchschnittliche Bruttomonatslohn der anrechenbaren Zeiträume eines Kalenderjahres den Bedarf nach § 13 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 Nr. 2 zuzüglich 20 Prozent erreicht.

    Der Betrag lag von Oktober 2010 bis Juli 2016 bei rund 716 Euro und seit August 2016 bei rund 780 Euro.

  • Hallo Theo,


    erstmal vielen lieben Dank für die super schnelle Antwort! :-)


    Den Ablehnungsbescheid habe ich leider momentan nicht bei mir.


    Meine Ausbildung ist in Mannheim. Sie ist unterteilt in:


    1. Jahr: einjähriges Berufskolleg für Sozialpädagogik

    2. + 3. Jahr: 2 jähriges Berufskolleg für Sozialpädagogik


    Auf dem BAföG Amt Kreisverwaltung Bad Dürkheim sagte man mir, dass das erste Jahr nicht BAföG förderungsfähig sei. Sie kennen DieseAusbildung nur als ganzes und ein Jahr Berufskolleg für Sozialpädagogik können sie nicht fördern. Die folgenden 2 Jahre schon. Wird dann trotzdem wieder nach dem Gehalt meines Vaters gefragt?


    Ich habe nicht durchgehend gearbeitet. War anfangs bei der Bundesagentur für Arbeit. Dann 2 Gastronomie Jobs. Dann habe ich ein unbezahltes Praktikum gemacht und die letzten 3 Jahre habe ich Vollzeit im Verkauf gearbeitet und konnte super davon leben. Es waren aber definitiv keine 5 Jahre am Stück. Und von den Gastronomie Jobs konnte ich auch teilweise nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten.

  • 1. Jahr: einjähriges Berufskolleg für Sozialpädagogik

    2. + 3. Jahr: 2 jähriges Berufskolleg für Sozialpädagogik


    Dann hat das BAföG-Amt für das 1. Jahr recht (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 1a BAföG). Ich war von einem anderen Ausbildungsverlauf ausgegangen.


    Ich glaubte mit 26 Anspruch auf elternunabhängiges Bafög zu haben.

    Wird dann trotzdem wieder nach dem Gehalt meines Vaters gefragt?


    Ja. Elternunabhängiges BAföG ist nicht abhängig vom Alter, sondern ergibt sich aus § 11 Abs. 3 BAföG. In deinem Fall Nummer 3:

    Einkommen der Eltern bleibt ferner außer Betracht, wenn der Auszubildende ... bei Beginn des Ausbildungsabschnitts nach Vollendung des 18. Lebensjahres fünf Jahre erwerbstätig war ... Satz 1 Nr. 3 und 4 gilt nur, wenn der Auszubildende in den Jahren seiner Erwerbstätigkeit in der Lage war, sich aus deren Ertrag selbst zu unterhalten.


    Du musst die 5 Jahre nicht am Stück erwerbstätig gewesen sein. Berücksichtigt werden auch Zeiten der Arbeitslosigkeit, sofern du Arbeitslosengeld I (nicht ALG II!) erhalten hast. Die Höhe dieser Leistung muss 100% des BAföG-Bedarfssatzes für Studierende betragen haben.


    Sollte dein Vater keinen Unterhalt zahlen, kannst du Vorausleistung beantragen.

    Das gilt aber erst ab dem 2. Jahr.


    Im 1. Jahr besteht dem Grunde nach kein Anspruch auf BAföG. Somit kommt auch elternunabhängiges BAföG oder Vorausleistung nicht in Frage.

    Wie kannst du das 1. Jahr finanzieren?


    1. Möglichkeit: Neben der Ausbildung arbeiten. Sofern du das Mindesteinkommen erreichst, kannst du zudem Wohngeld beantragen.


    2. Möglichkeit:

    Du könntest versuchen in eine zwei- bis dreijährige Ausbildung zur Kinderpflegerin zu wechseln. Diese Ausbildung fällt unter § 2 Abs. 1 Nr. 2 BAföG und damit ist Absatz 1a nicht mehr anzuwenden. Du hättest dem Grunde nach Anspruch auf BAföG. Das Einkommen deines Vater wird angerechnet. Zahlt er keinen Unterhalt, kannst du Vorausleistung beantragen.


    Achtung: Es folgt eine Prüfung durch das BAföG-Amt, ob du gegen deine Eltern (noch) einen Unterhaltsanspruch hast. Wenn ja, holt es sich das Geld (notfalls im Klagewege) von deinen Eltern zurück.

    Überlegt dir also gut, ob du den Antrag stellst.

    Die Ausbildung zur Erzieherin kannst du dann anschließen.


    PS: Hat sich das Einkommen deines Vaters seit 2016 verringert (z.B. Wechsel von Arbeit in Rente)?