Dritte Nachforderung von Unterlagen + Stellungnahme

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  • Hallo zusammen,


    ich bin Thani, 33 und konnte in meinem alten Job leider über längere Zeit keine Stelle finden. Anträge auf Weiterqualifikation oder ähnliches beim Jobcenter wurden mit leider nicht genehmigt. Mir wurde zwar dazu geraten hier weiter Anträge zu stellen und zur Not auf dem Rechtsweg durchzusetzen, aber das fand ich irgendwann einfach zu krass.


    Ich habe mich also vor einem Jahr dazu entschieden trotz meines Alters nochmal eine Berufsausbildung anzufangen und damit quasi "umzuschulen". Das lief bis jetzt auch sehr gut, aber durch Mieterhöhung und andere hinzugekommene Kosten/Abgaben reicht das Ausbildungsgehalt aktuell leider einfach nicht aus und ich hatte mich entschieden Wohngeld zu beantragen.


    Nun kam vor zwei Tagen das dritte mal eine Nachforderung von Unterlagen. Damit habe ich konkret drei Probleme:


    1. Zum dritten Mal werden Kontoauszüge für die vergangenen Monate gefordert extra mit dem Vermerk sie sollen "lückenlos" sein und nicht zuordenbare Vorgänge sollen erläutert werden.

    Was kann man hier tun? Ich habe wie gesagt schon zweimal Kontoauszüge eingereicht. Diese sind selbstverständlich immer lückenlos, da sie von der Bank ja in chronologischer Reihenfolge ausgedruckt werden und ich auch nichts geschwärzt habe etc. Hattet ihr mal so einen Fall wo die gleichen Unterlagen dreimal verlangt werden? Gleiches gilt übrigens auch für meinen Miertvertrag, der nun zum dritten Mal verlangt wird....


    2. Am Ende steht: "Ihr Einkommen liegt unter dem sozialhilferechtlichen Mindestbedarf, daher ist eine besondere Sachverhaltsaufklärung notwendig. Wir bitten Sie deshalb um eine schriftliche Stellungnahme, wie Sie Ihren Lebensunterhalt seit XXX bestreiten.


    Ich bin mir nicht sicher auf was hier angespielt wird. Tatsächlich lebe ich sehr sparsam und habe abzüglich Miete wohl weniger raus als den Hartz 4 Regelsatz. Ich wüsste aber spontan nicht, was ich hier genau in der Stellungnahme angeben soll. Alle meine Zu und Abgänge vom Konto sind ja auf den Auszügen ersichtlich. Daraus sollte eigentlich hervorgehen, dass ich von meiner Ausbildungsvergütung lebe und von nichts anderem.


    3. Es werden Unterhaltsangaben von meinen Eltern verlangt. Explizit auch für den Fall, dass kein Unterhalt gezahlt wird. Bei meiner Mutter wäre das kein Problem, aber meine Eltern leben getrennt und zu meinem Vater habe ich keinen Kontakt. Von ihm werde ich wohl innerhalb der vom Amt gesetzten Frist keinen Nachweis beibringen können und es ist fraglich ob er mir überhaupt einen ausstellen würde.


    Kann das Amt von mir Nachweise von Dritten verlangen, die quasi außerhalb meines Machtbereiches liegen? Ganz davon abgesehen, dass ich mit 33 schon seit über 10 Jahren einen eigenen Haushalt führe und schon lange keinen Unterhaltsanspruch mehr habe...

  • Hallo,


    die Behauptung, man könne durch eine sparsame Lebensführung den Lebensunterhalt decken, ist absolut nicht ausreichend und auch nicht plausibel. Vielmehr wird ein Nachweis von Dir verlangt, wie Du den Lebensunterhalt finanzierst. Dies geschieht i.d.R. durch ein einmaligen Haushaltsbuch, in dem die Einnahmen und die Ausgaben enthalten sind. Irgendwelche Kontoauszüge sind dabei unerheblich - durch sie werden ja eben nicht alle tatsächlichen Ausgaben dokumentiert.


    Da Du keinerlei Zahlen nennst, kann ich nicht einschätzen, inwieweit der Antrag überhaupt einen Sinn macht.

    Zum dritten Mal werden Kontoauszüge für die vergangenen Monate gefordert extra mit dem Vermerk sie sollen "lückenlos" sein und nicht zuordenbare Vorgänge sollen erläutert werden.

    Das weist darauf hin, daß eben nicht alle Kontoauszüge vorliegen und auf den vorliegenden Auszügen Einnahmen enthalten sind, die nicht durch Deine Angaben im Antrag begründet sind. Das können z.B. Überweisungen von paypal oder Verkäufe über ebay oder etwas ganz anderes sein.

    Du solltest Dir also die Kontoauszüge nochmals ansehen.


    Gruß!

  • Zitat

    aber durch Mieterhöhung und andere hinzugekommene Kosten/Abgaben reicht das Ausbildungsgehalt aktuell leider einfach nicht aus


    Wie hoch ist deine Ausbildungsvergütung? Wie hoch ist deine Miete?

    Wann erfolgte die Mieterhöhung?

    Hast du Ersparnisse, aus denen du Geld zum Lebensunterhalt beisteuern kannst?


    Wenn du selbst schon schreibst, dass dein Gehalt einfach nicht ausreicht, könnte es mit Wohngeld sehr eng werden.


    Wohngeld ist keine Hilfe zum Lebensunterhalt, sondern nur ein Zuschuss zur Miete. Personen, deren Einkommen nicht für den Lebensunterhalt ausreicht, wird in der Regel auf ALG II verwiesen. Leider bist da davon während deiner Ausbildung ausgeschlossen.


    Zitat

    Ich bin mir nicht sicher auf was hier angespielt wird. Tatsächlich lebe ich sehr sparsam und habe abzüglich Miete wohl weniger raus als den Hartz 4 Regelsatz.


    Um Anspruch auf Wohngeld zu haben, benötigst du ein Mindesteinkommen, welches in etwa auf ALG II-Niveau liegt. Sind deine Angaben plausibel auch etwas darunter.

    Da dein Einkommen unter dem ALG II-Satz liegt, möchte die Wohngeldstelle prüfen, ob du wirklich davon leben kannst. Du solltest also auf diese Stellungnahme besondere Sorgfalt verwenden.

    Führst du zufällig ein Haushaltsbuch und/oder hebst du alle Kassenzettel auf?


    Sind deine Angaben für die Wohngeldstelle hier nicht plausibel, wird dies zur Ablehnung deines Wohngeldantrages führen.


    Zitat

    dass ich mit 33 schon seit über 10 Jahren einen eigenen Haushalt führe und schon lange keinen Unterhaltsanspruch mehr habe...


    Ein Unterhaltsanspruch besteht natürlich nicht mehr, aber aufgrund deines geringen Einkommens möchte die Wohngeldstelle vermutlich ausschließen, dass deine Eltern dich nicht doch in irgendeiner Form unterstützen - und sei es durch ein Mittagessen jeden Sonntag (= Sachbezug).


    Zitat

    1. Zum dritten Mal werden Kontoauszüge für die vergangenen Monate gefordert extra mit dem Vermerk sie sollen "lückenlos" sein und nicht zuordenbare Vorgänge sollen erläutert werden.

    Was kann man hier tun?


    Nimm die geforderten Kontoauszüge und geh persönlich bei der Wohngeldstelle vorbei.

    Frag nach, welche Zahlungsvorgänge erläutert werden sollen.

  • Ausbildungsvergütung ist aktuell 950 € Brutto.


    Miete war bis vor kurzem 380 EUR.

    "Mieterhöhung" in dem Sinne hatte ich nicht - ich wollte den Sachverhalt nur nicht unnötig aufblähen.

    Es war im Detail so, ich lebte in einer WG war aber nicht der Hauptmieter. Der Hauptmieter ist ausgezogen, den Mietvertrag konnte ich aber nicht übernehmen, da der Vermieter die Wohnung gern renovieren und möblieren wollte um sie später deutlich teurer vermieten zu können. Soweit ich recherchiert habe umgeht man damit die Mietpreisbremse.


    Jedenfalls musste ich nach dem Umzug vor zwei Monaten nun rund € 500 für Miete bezahlen, etwas günstigeres war einfach nicht zu finden.


    Dementsprechend hat sich an meinen Lebenshaltungskosten auch nicht viel getan, aber ein Mietzuschuss wäre genau das, was ich brauchen würde.


    Ich habe gerade mal recherchiert und das mit dem "mindesteinkommen" für Wohngeld nachgelesen.

    Was mich nun wundert ist, dass man anscheinend ohne irgendwelche Abzüge laut


    http://www.wohngeld.org/einkommen.html


    in Mietstufe VI (München) "nur" 1.010,64 EUR verdienen darf, da man sonst für Wohngeld bereits zu viel verdient.

    Wenn ich nun mit 950 EUR bereits zu wenig verdienen sollte, wäre das Band in dem man überhaupt Anspruch auf Wohngeld hat ja extrem schmal, oder?

  • Hallo,

    Was mich nun wundert ist, dass man anscheinend ohne irgendwelche Abzüge laut


    http://www.wohngeld.org/einkommen.html


    in Mietstufe VI (München) "nur" 1.010,64 EUR verdienen darf

    Diese Summe gilt nur bei einem Einkommen, welches nicht aus einer Erwerbstätigkeit stammt - also z.B. Unterhalt. In Deinem Fall beträgt das erlaubte Höchsteinkommen 1.346 €.

    Ausbildungsvergütung ist aktuell 950 € Brutto.

    Das hilft nun nicht unbedingt weiter. Entscheidend ist die Höhe des Nettoeinkommen.


    Gruß!

  • Hallo,


    also hast Du nur 252 € zum Lebensunterhalt - 409 € wären aber nötig. Diese Unterdeckung kannst Du nicht plausibel erklären. Selbst wenn man die erlaubten 20% vom Lebensunterhalt ansetzt, wäre immer noch eine Differenz von fast 100 € vorhanden. Diese Differenz kann auch nicht aus dem fiktiven Wohngeld gedeckt werden, da Dein Bruttoeinkommen relativ hoch ist.


    Rechne mit einer Ablehnung des Antrages, denn das ganze ist eher auf der Kippe. Es kommt tatsächlich auf die penible Ausarbeitung des von theo und mir bereits erwähnten Haushaltsbuches an, sonst hast Du keinerlei Chancen. Weitere Hinweise findest Du unter http://www.mindest.wohngeldantrag.de .


    Gruß!

  • Hallo,


    es handelt sich nicht um ein fortlaufendes Haushaltsbuch, sondern ein einmaliges.


    In der linken Spalte alle Netto-Einnahmen, in der rechten Spalte alle laufenden Ausgaben. Das Haushaltsbuch ist also nicht zeitgebunden, sondern dokumentiert, wie Du Deinen Lebensunterhalt bestreitest. Von daher kannst Du diesen Nachweis auch jetzt noch machen - solange Deine Angaben plausibel sind.


    Gruß!