Aufwandsentschädigung als Schöffe - wie verhält es sich bei Wohngeld?

  • Hallo,


    bin neu hier im Forum und habe da gleich ein Problem zu "knacken". Wer kennt sich hier aus und kann weiterhelfen?


    Ich beziehe eine kleine volle EU - Rente und habe bisher dazu ergänzend Grundsicherung über das Sozialamt bekommen. Nun soll ich aber Wohngeld beantragen, womit die Grundsicherung wegfällt.


    Neben dieser sehr kleinen Rente habe ich ab und an als Schöffe am Gericht zu tun und bekomme dafür eine geringe Aufwandsentschädigung. Die soll ich im Wohngeldantrag lt. Bearbeiterin angeben und ihr den Nachweis für 1 ganzes Jahr vorlegen, was ich da bekommen habe. Dies will sie als Einkommen berücksichtigen, was sich mindernd auf den Wohngeldanspruch auswirken würde.


    Soweit ich informiert bin, sofern das richtig ist, wird eine Aufwandsentschädigung nicht als Einkommen gewertet. Kommt sie zudem noch von einer öffentlich rechtlichen Stelle darf sie gar nicht angerechnet werden. Ist das korrekt so???
    Die Frage steht also, muss ich tatsächlich den Nachweis für alle erhaltenen Aufwandsentschädigungen für 1 ganzes Jahr beibringen, so wie es die Wohngeldstelle verlangt und muss ich diese (in welchem Rahmen) überhaupt im Wohngeldantrag angeben?


    In diesem Zusammenhang stellt sich des weiteren die Frage, ob im Wohngeldantrag hierfür gesonderte Werbungskosten geltend gemacht werden können? Wenn ja, wie und in welchem Umfang geht das?
    Ab und an ist es nämlich bei Gericht so, dass die Aufwandsentschädigungen nicht in dem Umfang gezahlt werden, wie sie tatsächlich entstanden sind. Das ist dann der Fall, wenn ich an 1 Tag mehr als 10 Stunden bei Gericht und unterwegs bin. Dann wird die Entschädigung gekappt und auf 10 Stunden reduziert. Des weiteren werden bei Gericht immer wieder die Fahrkosten reduziert, die eigentlich in tatsächlicher Höhe auszubezahlen wären.


    Ganz herzlichen Dank.

  • Hallo,


    Zitat

    Ist das korrekt so???


    Nein.


    Zitat

    Die Frage steht also, muss ich tatsächlich den Nachweis für alle erhaltenen Aufwandsentschädigungen für 1 ganzes Jahr beibringen, so wie es die Wohngeldstelle verlangt und muss ich diese (in welchem Rahmen) überhaupt im Wohngeldantrag angeben?


    Ja. Eine solche Aufwandsentschädigung ist bis zu 2.400 € im Jahr anrechnungsfrei, alles darüber wird angerechnet. Dementsprechend benötigt das Amt natürlich die entsprechenden Nachweise für ein Jahr, um zu sehen, ob die Summe überschritten wurde oder nicht.


    Zitat

    ob im Wohngeldantrag hierfür gesonderte Werbungskosten geltend gemacht werden können? Wenn ja, wie und in welchem Umfang geht das?


    Du kannst wohl kaum für eine Tätigkeit, die i.d.R. nicht angerechnet wird, nun auch noch WK geltend machen. Abgesehen davon ist Deine ehrenamtliche Tätigkeit keine Erwerbstätigkeit und eben (bis 2.400 €) steuerfrei.


    Gruß!

  • Danke Hoppel! Damit ist erst mal die Grundvorgehensweise klar. Aber es ist gelinde gesagt ein "Witz", die Aufwandsentschädigungen anzugeben, wenn ich damit ohnehin weit unterhalb des Satzes von 2.400 € liege und diese damit wesentlich geringer ausfallen. Und was die Werbungskosten anbelangt, sehe ich hier nach wie vor nicht richtig durch. Denn unter Punkt 34 im Wohngeldantrag steht etwas, dass man z. B. für einen "Mininebenjob" Werbungskosten geltend machen kann.


    Punkt 34 im Wohngeldantrag fragt an, ob Werbungskosten (über dem Pauschbetrag) von den Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit geltend gemacht werden. Außerdem steht dort die Frage, ob man tatsächliche Aufwendungen für einen Mini/-Nebenjob geltend macht.
    Die Schöffentätigkeit ist in meinen Augen eine "nichtselbständige Arbeit" mit einer sehr geringen Stundenzahl. Ein "Mininebenjob" hat ebenfalls nur eine sehr begrenzte Stundenanzahl und ist wie das Schöffenamt als "Nebentätigkeit" anzusehen. Im "Hauptjob" bin ich ja Rentner, auch wenn das jetzt sehr komisch klingt.


    Vielleicht ist es Dir möglich, mir das nochmal etwas genauer zu erklären, damit ich´s verstehe. Offensichtlich kennst Du Dich in solchen Dingen aus und blickst durch.


    Ganz herzlichen Dank.


    Einen lieben Gruß:D

  • Hallo,


    Zitat

    Aber es ist gelinde gesagt ein "Witz", die Aufwandsentschädigungen anzugeben, wenn ich damit ohnehin weit unterhalb des Satzes von 2.400 € liege und diese damit wesentlich geringer ausfallen.


    Es mag ja sein, daß Du unterhalb der Grenze bist - aber woher soll das Wohngeldamt das wissen? Ich kenne durchaus Leute, die weit über diese 2.400 € liegen (ich selbst erhalte z.B. Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Tätigkeiten von ca. 8900 € im Jahr) - also muß das Amt das ja irgendwie kontrollieren. Ein "Witz" ist das jedenfall nicht und ich verstehe auch nicht, warum Dich das so aufregst.


    Zitat

    Die Schöffentätigkeit ist in meinen Augen eine "nichtselbständige Arbeit" mit einer sehr geringen Stundenzahl.


    Blödsinn. Es ist eine ehrenamtliche Tätigkeit, für die Du eine Aufwandsentschädigung erhälst. Wie das Wort "Aufwandsentschädigung" eigentlich sehr deutlich sagt, wird damit der Aufwand für die ehrenamtliche Tätigkeit entschädigt, die Tätigkeit dient also nicht der Einkommenserhöhung (wie meinetwegen ein Minijob). Du kannst doch jetzt nicht ernsthaft auch noch erwarten, über die Werbungskosten quasi eine Aufwandsentschädigung für die Aufwandsentschädigung zu erhalten.


    Abgesehen davon: erhöhte Werbungskosten sind beim Finanzamt bei der Steuerklärung geltend zu machen und werden dann bei Entrichtung der Lohn - oder Einkommenssteuer berücksichtigt. Als Rentner mit einer, wie Du schreibst, sehr geringen Rente zahlst Du weder Lohn- noch Einkommenssteuer, kannst also auch keine Absetzungen von einer nicht gezahlten Steuer machen.


    Nochmal ganz deutlich: Werbungskosten über die Pauschale hinaus werden nur bei einem unselbstständigen Erwerbseinkommen gewährt. Du als Rentner bekommst eine WK-Pauschale von 102 € jährlich.


    Gruß!

  • Hallo Hoppel!


    Danke für deine ganze Arbeit. Das war deutlich!


    Ich freue mich für Dich, wenn Du so viel Aufwandsentschädigung bekommst. Es ist mir allerdings ein Rätsel, wie Du das hinbekommst. Bei mir liegen diese unter 300 € im Jahr. Und im vergangenen Jahr habe ich nicht mal 100 € bekommen ...


    LG