Du hast die Wahl: Ausbildung oder Wohnung beides geht nicht!

  • Hallo an die Forumsmitglieder,


    ich schreibe hier für meinen Bruder und hoffe, dass Eure Erfahrungen uns vielleicht helfen können.


    Mein Bruder macht an einer "Privatschule" (Kosten ca. 180,00€ p.m.) eine Ausbildung zum Medien-und Grafikgestalter. Er wohnt nicht mehr zu Hause, hat keine Wohnung (mal hier mal da). BAFÖG bekommt er 219,00€ davon soll er selbst noch seinen Krankenversicherungsbeitrag zahlen. Bleiben ca. 180,00€. Die Schule lässt sich das Schulgeld vom Partner im Langzeitpraktikum (Vollzeit) bezahlen (solch ein Praktikum muss man erstmal finden) oder eben selber bezahlen von den übrig gebliebenen 180,00€ - 180,00€ = 0,00€!


    Ein paar Fakten:
    Alter 30
    Eltern: Beide können ihn nicht unterstützen (Frührente liegt alles dem BAFÖG Amt vor)
    Wohnstatus: eigtl. Obdachlos


    Wohnungsamt fühlt sich nicht zuständig also Weg zum Job Center. Das JC hat ihn jetzt sozusagen vor die Wahl gestellt: Wenn sie keine Ausbildung machen würden, dann würden sie Kosten für Unterkunft und Heizung + Hartz4 bekommen, so nicht. Züchtet das JC jetzt schon seine eigene Kundschaft ran??? Lieber arbeitslos anstatt einen Beruf zu ergreifen?


    Es ist schon schwer genug für ihn von ständig wechselnden Orten, ohne wirklich ein organisiertes Leben zu führen, die Motivation für das alles aufrecht zu erhalten. Nebenbei geht er arbeiten um denjenigen bei dem er gerade "wohnt", für die Unkosten ein bisschen Geld zu geben. Das ist doch nicht gerecht!!!


    Ich würde mich echt freuen, wenn es hier jemanden gibt, der noch einen Rat hat...wir haben keine Ideen mehr!


    Dankeschön fürs lesen Grüße Elli

  • Ganz schön verzwickte Lage. Ich gehe davon aus, dass das BaföG bei der Privatschule anders gehandhabt wird und kann mir nicht vorstellen, dass sie deinem Bruder von einer Ausbildung abraten. Er hätte das vorher durchrechnen sollen, das ganze kam ja nicht von heute auf morgen, oder? Ich will nicht den Zeigefinger heben, aber die Lage hat er größtenteils auch selbst zu verantworten.
    Wieviel verdient er denn im Monat bei seinem Nebenjob? Könnte er sich davon kein Zimmer leisten, wenn er am Wochenende jobbt? Und wie lange geht die Ausbildung noch? Das ist ja auf Dauer kein Zustand

  • Liebe/r Aristo,


    vielen dank für deine Antwort. Mein Bruder hat vorher nach einer Schule gesucht die durch Bafög gefördert wird. versuche vor Beantragung und Ausbildungsbeginn genaue Angaben zum tatsächlichen Bafög zu bekommen schlugen fehl. Zu dem Zeitpunkt hatte er aber auch noch einen Wohnsitz ( Freundin Trennung). Die Ausbildung geht noch bis zum Ende des Jahres. Der Zustand ist aber schon länger so. Selbst Wg Zimmer kosten zuviel bzw dann bleibt fürs überleben nix mehr übrig. Und die Aussage stammt tatsächlich vom Job Center O-Ton! Du sagst es es ist eine verdammt verzwickte Situation! Zumal er während der Ausbildungszeit oftmals ein neues bezahltes Praktikum finden musste, bis er das hatte musste er die schule Selber zahlen.


    Genaue Zahlen hab ich nicht über seinen Verdienst. Es ist halt nicht viel und wenn du Vermietern mit dem Bafög Bescheid mit genannter Summe + dem wenigen vom Nebenjob dann sagen die auch: Nein Danke!

  • Hallo,


    Zitat

    Das JC hat ihn jetzt sozusagen vor die Wahl gestellt: Wenn sie keine Ausbildung machen würden, dann würden sie Kosten für Unterkunft und Heizung + Hartz4 bekommen, so nicht. Züchtet das JC jetzt schon seine eigene Kundschaft ran??? Lieber arbeitslos anstatt einen Beruf zu ergreifen?


    Nö, hat es nicht - sondern ihm nur die Rechtslage erläutert. Mit Bezug von BaföG besteht kein Anspruch auf ALG II, wenn er nicht mehr bei den Eltern wohnt. So einfach ist das.


    Zitat

    versuche vor Beantragung und Ausbildungsbeginn genaue Angaben zum tatsächlichen Bafög zu bekommen schlugen fehl.


    Naja. Es gibt ungefähr eine Million BaföG-Rechner im Internet, auch eine Vorab-Prüfung beim BaföG-Amt hätte entsprechende Infos geliefert - insofern zieht das Argument nicht.


    Zitat

    Du sagst es es ist eine verdammt verzwickte Situation!


    Aja. Diese "verzwickte" Lage ist jedoch durchaus selbst verschuldet: es hätte keine Privatschule sein müssen, zumal die Schulgebühren durch keine staatliche Leistung aufgefangen wird.


    Wie auch immer: mit Bezug einer Wohnung (oder WG) erhöht sich das BaföG um die Mietpauschale. Ein Anspruch auf ALG II oder Wohngeld besteht nicht.


    Gruß!

  • Liebe/r Hoppel,


    vielen Dank für Ihre Antwort. Nun mit der kurzen Schilderung meinerseits, kann ich durchaus nachvollziehen, dass die entstandene Situation auf fremde Leute anders wirkt. Ich hatte in meinem Post das Wort Privatschule in Anführungszeichen gesetzt, weil ich die genaue Schulbezeichnung in dem Moment nich wusste.


    Die Bafög Rechner gaben eine Summe von etwa 400,00€ aus. Das Bafög Amt in Mitte sah sich außer Stande eine Vorabprüfung durchzuführen. Wäre nicht üblich, sagten die. Es ist nicht so, dass mein Bruder "blauäugig" gehandelt hat! Um die Leistung zu beantragen sollte er einen Bescheid der Schule vorlegen, dass er sich dort eingeschrieben hat. So war es nunmal und wenn man davon keine Ahnung hat, dann geht man davon aus, dass das alles so richtig ist und stellt nicht von Anfang an die Auflagen des Amts in Frage.


    Sie haben ihm die Rechtslage erläutert? Das sehe ich ein bisschen anders. Weggeschickt und das auf eine sehr unfeine Art und mit den schon beschriebenen Worten. Er soll sich eine Wohnung anmieten und dann wurden sie das erneut prüfen. Was mich wieder zu der Fage bringt: Mit dem Bescheid und Minigehalt...welcher Vermieter macht das?


    Leider bringt mir Ihr Post überhaut nichts. Ich habe versucht hier nach Lösungen zu suchen und oder Personen die vielleicht eine ähnliche Situation hatten und nicht nach Jemanden der hier von oben herab (so liest es sich leider an) alles abschmettert.


    Grüße Elli

  • Hallo,


    ... BAFÖG bekommt er 219,00€ ....


    das deutet für mich sehr stark auf Schülerbafög hin. Wenn dies so wäre,
    sollte dann nicht der § 7 Abs 6 SGB II evtl. greifen?




    Nö, hat es nicht - sondern ihm nur die Rechtslage erläutert. Mit Bezug von BaföG besteht kein Anspruch auf ALG II, wenn er nicht mehr bei den Eltern wohnt. So einfach ist das.
    .....


    Ich gebe zu, dass für mich zuwenig Informationen für diese Prüfung hier vorliegen.
    Die Aussage vom JobCenter ist durchaus korrekt, weil nicht bekannt ist, was und vor allem welche
    Informationen damals im Detail vorlagen.


    dms

  • Hallo,


    Zitat

    sollte dann nicht der § 7 Abs 6 SGB II evtl. greifen?


    Ja - wenn er noch bei den Eltern wohnen würde. So aber - nein.


    Zitat

    und nicht nach Jemanden der hier von oben herab (so liest es sich leider an) alles abschmettert.


    Ich schmettere nicht ab, sondern kann nur nicht das Jammern ab, welches entsteht, wenn man sich nicht vorher sachkundig macht. Wenn die Rechner im Inet etwas von 400 € aussagen, Dein Bruder aber nur 200 € bekommt, hat er schlicht den Rechner mit falschen Angaben gefüttert. Ich nehme mal stark an, daß Dein Bruder auf diese Summe gekommen ist, weil er angegeben hat, einen eigenen Hausstand zu haben und also die Mietpauschale mit angezeigt wird. Da dieser Hausstand nicht vorhanden ist, bekommt er nicht die Pauschale.


    Abgesehen davon verstehe ich nicht, warum Dir meine Antwort nicht weiterhilft. Ich habe ganz konkrete Hinweise auf eben diese Mietpauschale geschrieben, was das BaföG schon mal um ca. 200 € erhöht. Hinzu kommt die Frage des Unterhaltes: bekommen die Eltern das Kindergeld noch, müssen Sie ihm Unterhalt in Höhe von mindestens dem KG zahlen. Somit haben meine Antworten schon mal die Finanzen um satte 384 € erhöht - aber natürlich "hilft das nicht weiter". Jammern und Schimpfen ist ja wesentlich einfacher als Lesen und Nachfragen...


    Gruß!"

  • Vor allem bei 219,00 € scheint ja irgendwo was angerechnet zu werden.
    Und für die Krankenkasse könnte er vom BAföG auch bis zu 73,00 € dazu bekommen.


    Aristo : BAföG wird bei Privatschulen nicht anders gehandhabt. Entweder sind die förderfähig oder eben nicht.

  • Hinzu kommt die Frage des Unterhaltes: bekommen die Eltern das Kindergeld noch, müssen Sie ihm Unterhalt in Höhe von mindestens dem KG zahlen.


    Mit 30 dürfte der Zug Kindergeld abgefahren sein.

  • Hallo Theo,


    Zitat

    Mit 30 dürfte der Zug Kindergeld abgefahren sein.


    Jau - hatte ich überlesen.


    Dafür kommt dann die Mietbeihilfe in Betracht, wenn es sich um Schüler-BaföG handelt. Bleibt also bei den monitären Hinweisen - wenn es dann einen eigenen Hausstand geben würde. Womit wir wieder bei der Ausgangssituation sind... :-)


    Gruß!

  • Warum kann er nicht mehr bei den Eltern wohnen? Zumindest bis die Ausbildung abgeschlossen ist? Ich vermute, dass da eine Versöhnung notwendig ist, oder? Wenn die in mittelbarer Umgebung wohnen, wäre das doch möglich und ich kann mir kaum vorstellen, dass die ihren eigenen Sohn auf der Straße übernachten lassen. Oder er muss warten, bis er eine Wohnung unter der Hand bekommen kann, ohne alles offenlegen zu müssen