BAB abgelehnt, weil ich über 3 Jahre versicherungspflichtig gearbeitet habe???

  • Hallo, ich hoffe doch sehr, dass mich hier vielleicht jemand aufklären kann.


    Ich 34, verheiratet, ein Kind 15 Jahre alt.
    Ab 1.07. habe ich die Möglichkeit eine (Erst)Ausbildung zu beginnen, mein Brutto-Ausbildungsgehalt im 1. Jahr 450 Euro, 2. 500 Euro und im 3. Ausbildungsjahr 550 Euro.
    Ehemann Verdienst 950,- Euro netto -( Monatskarte zur Arbeit 125,80)
    Kindergeld 184,- Euro
    und ich dann etwa 300,- Euro Ausbildungsgehalt (Monatskarte zur Arbeit rund 110,-Euro).


    Ich habe beim Arbeitsamt angefragt wegen BAB, die Dame am Telefon sagte mir, dass ich keinen Anspruch auf BAB habe, weil ich bisher über 3 Jahre versicherungspflichtig beschäftigt war. ( Ist doch klar, dass ich mit über 30 schon mehr als 3 Jahre in meinem Leben gearbeitet habe, oder ? ) Verstehe es nicht. Das soll ein Ablehnungsgrund für BAB sein? Warum?


    Und vor allem, was machen wir denn dann? Welche Hilfen/welche Möglichkeiten gibt es denn noch?


    Danke schon mal für eure ( hoffentlich hilfreichen ) Antworten.

  • Hallo, ich hoffe doch sehr, dass mich hier vielleicht jemand aufklären kann.
    ....
    Ab 1.07. habe ich die Möglichkeit eine (Erst)Ausbildung zu beginnen, ....
    Ich habe beim Arbeitsamt angefragt wegen BAB, die Dame am Telefon sagte mir, dass ich keinen Anspruch auf BAB habe, weil ich bisher über 3 Jahre versicherungspflichtig beschäftigt war.
    ...... Das soll ein Ablehnungsgrund für BAB sein? Warum?
    ....


    Hallo,
    ich kann mir schon denken, warum man dir mitgeteilt, dass es mit BAB nichts wird. Auch die Begründung ist anscheinend plausibel.


    § 57 Förderungsfähige Berufsausbildung
    (1) .....
    (2) Förderungsfähig ist die erste Berufsausbildung....
    (3)....


    Eine erstmalige Berufsausbildung ist nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts stets nur die erste zu einem
    Abschluss führende berufliche Bildungsmaßnahme. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um eine Berufsausbildung im
    Sinne von § 57 Abs. 1 SGB III oder um eine sonstige Berufsausbildung (z.B. in einem öffentlich-rechtlichen
    Dienstverhältnis, an Berufsfach-, Fach-, Fachhoch-, Hochschulen) handelt.


    Du hast aber gesagt, dass Du bisher noch keine Ausbildung gemacht hast, aber schon länger erwerbstätig warst.
    Durch eine langjährige Tätigkeit in einem Bereich, wo eigentlich ein Berufsabschluss vorliegen sollte, kann man
    sich gerade durch die Tätigkeit alles notwendige Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen.
    Nach einer gewissen Zeit hat man in diesem Bereich dann den gleichen verwertbaren Stand (für den ArbG) erreicht,
    wie ein "gelernter" mit einem Abschluss.
    Insoweit wird also der "Ungelernte" mit einem "Gelernten" gleichgestellt, was zur Folge hat, dass der "Ungelernte"
    in bestimmten Fällen eben bereits eine Ausbildung "fiktiv" hat.


    Welche Fristen gibt es dabei in BAB und Alternative Förderung?


    Soweit man die in § 81 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 2. Halbsatz SGB III geforderte Mindestzeit beruflicher Tätigkeit
    von drei Jahren nicht nachweisen kann, ist davon auszugehen, dass es sich um eine erste Berufsausbildung handelt.
    Es besteht für diesen Personenkreis grundsätzlich ein gesetzlicher Vorrang der Förderung der ersten
    Berufsausbildung gegenüber der beruflichen Weiterbildung, es sei denn, die Voraussetzungen nach
    § 81 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 2. Halbsatz SGB III liegen vor.



    Erfüllt man nun die in § 81 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 2. Halbsatz SGB III geforderte Mindestzeit beruflicher Tätigkeit
    von drei Jahren, ist für die "erstmalige" Berufsausbildung auch Berufsausbildungsbeihilfe zu gewähren.
    Voraussetzung ist aber, dass der Antragsteller vor Beginn der Berufsausbildung in einer bestimmten Berufsrichtung
    nicht bereits einen Status erlangt hat, der ihn zur verantwortlichen Ausübung des gewählten Berufs befähigt.
    Dabei ist unerheblich, ob der erforderliche Wissens- oder Kenntnisstand durch eine "ordnungsgemäße" Berufsausbildung
    oder durch langandauernde Berufstätigkeit erlangt wird.



    Hallo, ich hoffe doch sehr, dass mich hier vielleicht jemand aufklären kann.
    ....
    Und vor allem, was machen wir denn dann? Welche Hilfen/welche Möglichkeiten gibt es denn noch?


    Danke schon mal für eure ( hoffentlich hilfreichen ) Antworten.


    Also würde ich empfehlen, mit dem Arbeitsvermittler der Agentur für Arbeit zu sprechen
    und schauen, ob evtl. eine Förderung der beruflichen Weiterbildung möglich wäre.
    Es kann aber sein, wenn Du dich versteifst, auf den von Dir avisierten Ausbildungsvertrag, dass Du letztendlich
    ohne Förderung da stehst.
    Auch ein Gespräch mit einem Berufsberater von der Agentur für Arbeit wäre angeraten.
    Parallel kannst Du trotzdem den BAB-Antrag stellen.


    dms

  • Hallo dms, (danke für deine Antwort)


    ich verstehe es, wenn jemand langjährige Erfahrung in einer Tätigkeit gesammelt hat, dass er dann nicht unbedingt BAB berechtigt wäre, leuchtet mir durchaus ein, in meinem Fall ist es allerdings so, ich habe als ungelernte Mitarbeiterin etwa ein halbes Jahr bei einem Anwalt gearbeitet und möchte eben gerne eine Ausbildung machen ( in einer anderen Kanzlei).
    Ich war etwa 6 Jahre lang Freiberufler, habe unter anderem Termine für Versicherungsagenten gemacht ( überwiegend Telefondienst und von zu Hause aus ) solange mein Kind noch klein war. Später dann 1,5 Jahre Bürogehilfin (überwiegend Bestellungen machen) , dann 3 Jahre im Verkauf (Kasse) und dann eben bei gesagtem Anwalt etwa 6 Monate.
    Man kann nicht sagen, dass ich jahrelange Erfahrung in diesem Bereich als "Rechtsanwaltsfachangestellte" habe. Büro ist ja nicht gleich Büro, verstehe deshalb nicht, warum die Dame von der Arbeitsagentur das gleich "ablehnen" will und vor allem ohne nähere Infos zu meinem persönlichen Fall.

  • Hallo dms, (danke für deine Antwort)


    ich verstehe es, wenn jemand langjährige Erfahrung in einer Tätigkeit gesammelt hat, dass er dann nicht unbedingt BAB berechtigt wäre, leuchtet mir durchaus ein,.....
    Man kann nicht sagen, dass ich jahrelange Erfahrung in diesem Bereich als "Rechtsanwaltsfachangestellte" habe. Büro ist ja nicht gleich Büro, verstehe deshalb nicht, warum die Dame von der Arbeitsagentur das gleich "ablehnen" will und vor allem ohne nähere Infos zu meinem persönlichen Fall.


    Hallo,


    genau deshalb habe ich ja gesagt, dass Du dringend mit einem Arbeitsvermittler wegen einer Förderung der beruflichen Weiterbildung sprechen sollst. Wenn dieser das ablehnt, weil eben die Voraussetzungen des o.g. Paragraphen nicht vorliegen, sollten im Umkehrschluss die Voraussetzungen für BAB sehr wahrscheinlich sein.
    Nur weil man bei einem RA arbeitet, muss nicht gleich das Berufsbild Rechtsanwaltsfachangestellte herangezogen werden, Bürogehilfe, Bürokaufmann etc. sind ebenfalls mögliche Berufsbilder (!).


    Im übrigen lässt sich Dein Problem tatsächlich nur in Verbindung (Zusammenarbeit) mit der zuständigen Agentur klären.
    Ich habe hier nur versucht darzustellen, wieso eine solche Einschätzung -aufgrund der vorliegenden Informationen (spärlichen)- durchaus begründet zustande kommt.


    Zu deinem letzen Halbsatz:

    Zitat

    und vor allem ohne nähere Infos zu meinem persönlichen Fall


    Schau dir mal deinen ersten Beitrag und dann den Zweiten. Erst im zweiten Beitrag teilst Du detaillierte Informationen mit, welche es unter dem von mir dargestellten Gesichtspunkten neu zu analysieren gilt.
    Wenn Du der Dame am Telefon ebenso wenig Informationen zur Verfügung gestellt hast, ist die jetzige Aufregung nicht verwunderlich.


    Was will ich damit sagen:
    Du musst unbedingt mit den Damen und Herren vom Arbeitsamt einen Termin zur Klärung der Anspruchsvoraussetzungen (berufliche Weiterbildung oder BAB) herbeiführen.


    Alternativ kannst du aber auch, wie ich bereits schrieb, den Antrag auf BAB stellen, und dort ausführlich deinen beruflichen Werdegang darstellen.


    Ohne auf weitere Umstände einzugehen, würde ich aber den ersteren Weg favorisieren.


    Viel Erfolg.


    dms

  • Hallo,


    danke für deine "Aufklärung".
    Und zum Thema " wenig Infos ", ich hatte bei der Dame von der Agentur für Arbeit gar nicht die Chance irgendetwas genauer zu erklären, sie hat 4-5 Fragen gestellt und hat mir dann gesagt, dass ich keine Chance auf BAB hätte, weil ich schon über 3 Jahre versicherungsplichtig gearbeitet habe, sie hat sich sogar geweigert mir einen BAB-Antrag zu schicken! Ich bin dann hingefahren und habe ihn mir dort von einer freundlicheren Mitarbeiterin der Agentur abgeholt. Werde erstmal Antrag ausfüllen, alles nötige und wichtige an Unterlagen dazupacken und hoffe das ich dann auch mal die Möglichkeit habe mit einem Mitarbeiter der Agentur darüber zu sprechen.


  • Hallo,
    ich sehe Du wirst deinen Weg schon gehen.
    Wenn Du noch Hilfe brauchst oder Fragen hast, kein Problem.
    Für erste Informationen sind gerade solche Foren, wie hier, mitunter sehr hilfreich.


    Ich möchte nur nochmal darauf hinweisen, dass es durchaus noch eine andere Alternative gibt.
    Wie hatte ich oben geschrieben:

    Zitat

    Parallel kannst Du trotzdem den BAB-Antrag stellen.


    Wenn Du den Antrag hast, dort wird -glaub im Hauptantrag auf der Seite 2-
    auch der berufliche Werdegang abgefragt.
    Den solltest Du auf einem extra Blatt etwas ausführlicher machen,
    gerade was den Inhalt der Tätigkeit betrifft.


    Ansonsten wünsche ich Dir viel Erfolg.


    dms
    PS: Einkommen des Ehegatten und der Eltern ist gefragt, steht so im Gesetz

    Zitat

    § 67
    Einkommensanrechnung


    (1) Auf den Gesamtbedarf sind die Einkommen der folgenden Personen in der Reihenfolge ihrer Nennung anzurechnen:


    1. der oder des Auszubildenden,
    2. der Person, mit der die oder der Auszubildende verheiratet oder in einer Lebenspartnerschaft verbunden ist und von der sie oder er nicht dauernd getrennt lebt, und
    3. der Eltern der oder des Auszubildenden.