Praktikum

Allgemeine Informationen

Spätestens irgendwann im Laufe des Studiums wird jeder Student damit konfrontiert: ein Praktikum muss geleistet werden. Bei dem Gedanken daran freuen sich die Einen auf Praxiserfahrungen, abwechslungsreiche Aufgaben und vielleicht einen Zusatzverdienst. Die Anderen überkommt das kalte Grausen beim Gedanken an die Praktikumssuche, teure Zimmer zur Zwischenmiete und einen Einsatz als spärlich oder gar nicht bezahlte Vollzeitkraft während des Praktikums.

Was ist ein Praktikum?

Unter einem Praktikum versteht man gemeinhin eine Tätigkeit, die im Rahmen einer schulischen oder beruflichen Ausbildung praktische Erfahrungen in einem zukünftigen Beruf vermittelt soll. Speziell ein Fachpraktikum dient der Vertiefung und praktischen Anwendung von theoretischen Kenntnissen, die zuvor erworben wurden. Durch praktische Mitarbeit in einer Organisation sollen neue Kenntnisse und Fähigkeiten erworben werden.

Leider besteht seit einigen Jahren der Trend zum übermäßigen Einsatz von Praktikanten in Unternehmen. Sie werden häufig als preiswerte oder sogar kostenlose Vollzeitkraft betrachtet, die vom ersten Tag an voll in alle üblichen Aufgaben eingebunden werden. Die Bezahlung richtet sich oft genug nicht nach der tatsächlich geleisteten Arbeit, obwohl Praktikanten nach dem Berufsbildungsgesetz grundsätzlich einen Anspruch auf eine angemessene Vergütung haben.

Übrigens: Praktikanten gibt es schon seit dem 16. Jahrhundert. Zu dieser Zeit galten sie jedoch als Personen, die unsaubere Praktiken betrieben. Seine heutige Bedeutung erhielt der Begriff im 17. Jahrhundert.

Praktikumsvergütung – Vergütung für Praktika

Mit einer Vergütung können Absolventen eines Praktikums am ehesten in Wirtschaftsunternehmen rechnen. Die Spanne reicht dabei monatlich von etwa 300 bis 800 Euro, wobei 400 Euro einen realistischen Mittelwert darstellen. Man kann davon ausgehen: je größer die Stadt und das Unternehmen und je teurer das Leben im Umfeld, desto höher fällt die Vergütung aus. Im öffentlichen Dienst, bei Vereinen und Initiativen ist ein vergütetes Praktikum eher unüblich. Das gilt übrigens auch für öffentlich-rechtliche Medienunternehmen.

Wenn ein Praktikum vergütet wird, erfolgt in der Regel eine pauschale monatliche Zahlung in der vereinbarten Höhe. Aber auch ein Lohn auf stündlicher oder wöchentlicher Basis oder ein Honorar, das selbst versteuert werden muss, sind möglich. Das Bundesarbeitsgericht entschied 2003 in einem Grundsatzurteil, dass ein Arbeitsverhältnis nicht nach seiner Bezeichnung sondern nach seinem Inhalt bewertet werden soll. Praktisch bedeutet das: ist ein Student, beispielsweise, als Praktikant angestellt, arbeitet aber in Vollzeit wie jeder andere reguläre Arbeitnehmer des Unternehmens auch, steht ihm eigentlich auch eine angemessene Vergütung zu. Eine Definition, wer als Praktikant gilt, gibt das Gericht gleich mit: darunter zählt, „wer sich für eine vorübergehende Dauer zwecks Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen einer bestimmten betrieblichen Tätigkeit und Ausbildung, die keine systematische Berufsausbildung darstellt, im Rahmen einer Gesamtausbildung unterzieht, weil er diese für die Zulassung zum Studium oder Beruf, zu ealtiner Prüfung oder anderen Zwecken benötigt.

Praktikumsarten – Arten von Praktika

Erste Praktika kann man je nach Engagement und Interesse bereits während der Schulzeit absolvieren. Solch ein kurzes Orientierungs- oder Betriebspraktikum dient einer ersten beruflichen Orientierung und dem „Reinschnuppern“ in die Anforderungen und Abläufe eines Berufs. Während einer Ausbildung und vor allem im Studium werden an ein Praktikum andere Anforderungen gestellt. Man geht hier im Allgemeinen davon aus, dass die Berufsorientierungsphase abgeschlossen ist und eher bereits angeeignetes Wissen praktisch umgesetzt und gefestigt werden soll. Prinzipiell unterscheidet man diese Praktika in Pflichtpraktikum und freiwilliges Praktikum.

Immer mehr Unternehmen, Organisationen und Vereine bzw. Verbände gehen dazu über, ein Praktikum in herkömmlichen Jobbörsen auszuschreiben. Häufig bieten Universitäten und Fachhochschulen auch eine eigene Stellenbörse, in der ein Praktikum im jeweiligen Unternehmen angeboten werden kann. Wer dort nicht fündig wird, kann auf der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz auch gezielt Unternehmensseiten durchsuchen oder einen Blick auf das Schwarze Brett der Fakultät, der Mensa oder des Studentenwerkes werfen. Auch Ausschreibungen der Agentur für Arbeit, Job-, Karriere- und Praktikumsmessen sowie spezielle Praktikums-Onlinebörsen haben sich bei der Suche bewährt.

Häufig liest man in Ausschreibungen unter dem Punkt Voraussetzungen: der Bewerber muss eingeschriebener Student sein, das Praktikum erforderlicher Teil seiner Ausbildung. Klar ist hier ein Trend zur Vergabe von qualifizierten Fachpraktika zu sehen. Die Tage des Dauerkopierens und des Kaffeekochens für Praktikanten scheinen zumindest laut der üblichen Ausschreibungen vorbei. Welche Unterschiede es zwischen den einzelnen Praktikumsarten gibt, ist in den nächsten Abschnitten nachzulesen.

Pflichtpraktikum im Studium

Unter einem Pflichtpraktikum versteht man ein Praktikum, das durch die Studien- und Prüfungsordnung zwingend vorgeschrieben wird. Seine Absolvierung ist Teil des Studiums. Ohne das Praktikum, das vom Prüfungsausschuss in der Regel anerkannt werden muss, fehlt eine wichtige Vorleistung für den Studienabschluss.

Die jeweilige Studienordnung nennt die Punkte, die zur Anerkennung eines Praktikums durch den Prüfungsausschuss erfüllt sein müssen. Je nach Studienfach und Universität können sich die Vorgaben sehr stark unterscheiden. In der Regel finden sich in den Praktikumsregelungen verbindliche Angaben zu Inhalt und Dauer eines Praktikums, zu leistenden Tätigkeiten und zur Anerkennung. Meist ist laut Prüfungsordnung auch ein Praktikumsbericht erforderlich, der die Grundlage für den Leistungsnachweis bildet.

Was Inhalt und Tätigkeiten betrifft, schreiben die meisten Prüfungsordnungen vor, dass während des Praktikums bereits Erlerntes Anwendung finden muss. Ein Praktikum, in dessen Rahmen man hauptsächlich allgemeine Bürotätigkeiten verrichtet hat, wird wohl in den seltensten Fällen als fachlich relevant anerkannt werden. Nicht ohne Grund soll das Praktikum Einblick in typische Arbeitsfelder geben sowie Fakten- und Methodenwissen fördern. Oft genug bildet es nämlich die Grundlage für die Weiterbeschäftigung mit einem Thema oder sogar eine Abschlussarbeit.

Häufig dauert ein Pflichtpraktikum mindestens 8 Wochen. Diese Dauer darf überschritten werden, zumal viele Unternehmen, Organisationen, Verbände und Vereine Praktikanten sogar für 6 oder 12 Monate einstellen. Wird die Praktikumsdauer unterschritten, wird es in der Regel nicht anerkannt. Oftmals ist es jedoch in Absprache mit dem Prüfungsamt möglich, ein Pflichtpraktikum in Teilen zu absolvieren. Übrigens: wer vor dem Studium in einem für das Studium relevanten Beruf gearbeitet hat, kann diese Arbeitszeit in vielen Fällen als Pflichtpraktikum anerkennen lassen.

Sonderform Famulatur für angehende Ärzte und Apotheker

Die deutsche Approbationsordnung Ärzte bzw. Apotheker schreibt ein besonderes Pflichtpraktikum vor: die Famulatur. Sie muss in der vorlesungsfreien Zeit absolviert werden und wird in der Regel nicht vergütet. Für angehende Ärzte und Pharmazeuten unterscheiden sich die Vorschriften der Landesprüfungsämter. Übrigens: Famulus bedeutet so viel wie „Gehilfe“ oder „Diener“. Per Definition handelt es sich bei Famulanten also um studentische Hilfskräfte.

Famulatur bei Medizinstudenten

Medizinstudenten absolvieren eine viermonatige Famulatur. In dieser Zeit arbeiten sie in einem Krankenhaus und in einer Arztpraxis. Die Approbationsordnung schreibt eine mindestens zweimonatige Tätigkeit in einem Krankenhaus und eine mindestens einmonatige Tätigkeit in einer Arztpraxis vor. Der verbleibende Monat kann wahlweise in einer Praxis oder einem Krankenhaus absolviert werden. Statt in einer Arztpraxis kann die Famulatur auch in bestimmten Einrichtungen unter ärztlicher Anleitung abgeleistet werden. Zu diesen Einrichtungen zählen beispielsweise öffentliche Gesundheitsdienste, Rehabilitationseinrichtungen, Justizvollzugsanstalten, truppenärztliche Einrichtungen der Bundeswehr oder manchmal auch rechtsmedizinische oder pathologische Institute. Eine Famulatur kann unterteilt werden, muss aber zwischen dem ersten und zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung absolviert werden.

Famulatur bei Pharmaziestudenten (Apotheker)

Pharmaziestudenten leisten ihre Famulatur in zweimal vier Wochen zwischen Studienbeginn und dem ersten Staatsexamen ab. Befreit sind lediglich Apothekerassistenten, Pharmazieingenieure, pharmazeutisch-technische Assistenten und Apothekenassistenten. Die Famulatur soll die Studenten neben pharmazeutischen Tätigkeiten auch mit Organisation, Betriebsabläufen, Rechtsvorschriften und der Fachsprache vertraut machen. Unter Anleitung und Verantwortung eines Apothekers müssen mindestens vier Wochen in einer öffentlichen Apotheke abgeleistet werden. Die restlichen vier Wochen können auch in anderen pharmazeutischen Einrichtungen absolviert werden. Prinzipiell ist eine Famulatur auch im europäischen Ausland möglich.

Praktikum im Ausland – Auslandspraktikum

Einige wenige Studienfächer schreiben neben einem inländischen Praktikum auch ein Praktikum im Ausland vor. Diese Studienfächer sind in der Regel international ausgerichtet und meist an international ausgerichteten Hochschulen zu finden. Für ein Pflichtpraktikum im Ausland gelten prinzipiell die gleichen Regeln im Vergleich zu einem herkömmlichen Pflichtpraktikum.

Auch für ein obligatorisches Praktikum im Ausland gilt eine durch die Studien- und Prüfungsordnung festgelegte Mindestdauer und bestimmte inhaltliche Ansprüche, die es zu erfüllen gilt. Oftmals existieren auch Vorgaben bezüglich der Unternehmen, Verbände, Organisationen oder Vereine, die Praktika vergeben.

Ein Pflichtpraktikum im Ausland ist mit einem größeren organisatorischen Aufwand verbunden als ein inländisches Praktikum. Zudem fallen mit hoher Wahrscheinlichkeit höhere Kosten an. Hochschulen, die ein Pflichtpraktikum im Ausland fordern, stellen in der Regel jedoch Hilfen und Zuschüsse bereit, damit jeder Student auch in der finanziellen Lage ist, diese obligatorische Anforderung zu erfüllen. Darüberhinaus wird in den meisten Fällen BAföG gewährt, sofern der Praktikant den Antrag gestellt hat bzw. schon während des Studiums BAföG bezieht.

Freiwilliges Praktikum – Praktika freiwillig

Viele Studenten nutzen vorlesungsfreie Zeiten oder Wartezeiten im Studium zur Absolvierung eines freiwilligen Praktikums. Dieses Praktikum wird nicht durch die Studien- und Prüfungsordnung vorgeschrieben. Es dient entweder der persönlichen Entwicklung der Studenten oder der beruflichen Weiterqualifikation. Einige Studenten nutzen freiwillige Praktika auch, um „über den Tellerrand zu schauen“, sie absolvieren bewusst ein Praktikum in Bereichen, mit denen sie sonst nichts zu tun haben um auch dort Abläufe und Aufgaben kennen zu lernen.

Ein freiwilliges Praktikum kann einen Lebenslauf gut aufwerten. Allerdings sollte man darauf achten, nicht zu viele Praktika zu absolvieren. Leicht gehört man sonst zur „Generation Praktikum“, die über zahlreiche Praktika versucht, Arbeitserfahrung zu sammeln. Achtung beim Thema Versicherung: ein freiwilliges Praktikum wird von den Hochschulen nicht gefordert und ist somit die Vergütung der Tätigkeit  sozialversicherungspflichtig, sofern es nicht unter die Geringfügigkeitsgrenze fällt.

Sollte man während des Studiums Anspruch auf BAföG haben, so fällt dieser für den Zeitraum des freiwilligen Praktikums weg, da BAföG nur für ein Praktikum gewährt wird, welches von der Hochschule bzw. vom Studienfach vorgeschrieben wird.

Auswirkungen eines Praktikums auf das Studium

Ein Praktikum ist in den meisten Studiengängen obligatorisch vorgesehen. Manche Studiengänge haben sogar im Studienablaufplan ein Semester für Praktika „reserviert“, damit diese nicht unter Zeitdruck in den Semesterferien absolviert werden müssen. Die Regel ist jedoch: ein Praktikum leisten die meisten Studenten in der Zeit der Semesterferien ab, um nicht ein ganzes Semester dafür opfern zu müssen und die Studienzeit damit zu verlängern.

Da ein Pflichtpraktikum ein obligatorischer Bestandteil der zu erbringenden Leistungen im Studium ist, kann die Nichterfüllung auch drastische Auswirkungen haben. Ohne das Praktikum kann die Abschlussprüfung nicht abgelegt werden, da für die Zulassung zur Prüfung eine Voraussetzung fehlt. In manchen Studiengängen muss die Prüfung jedoch innerhalb einer bestimmten Frist abgelegt werden, da sonst Exmatrikulation droht. Wer also kein absolviertes Pflichtpraktikum nachweisen kann, riskiert im Extremfall seine Exmatrikulation und somit seinen Studienabschluss.

Ein Praktikum bildet nicht ohne Grund einen Bestandteil der deutschen Hochschulausbildung. Dabei festigt man sein Wissen, beweist seine Fähigkeiten und gewinnt neues Fakten- und Methodenwissen hinzu. In manchen Fachrichtungen ist ein Pflichtpraktikum bereits am Anfang des Studiums vorgeschrieben, da in diesem Praktikum wichtige Grundlagen erlernt werden, auf denen im weiteren Verlauf des Studiums aufgebaut wird. Das Praktikum kann auch Anregungen für die Beschäftigung mit einem Thema oder dessen Weiterentwicklung geben. Manchmal bietet es auch die Grundlage für die Abschlussarbeit oder öffnet die Tür für einen späteren Einstieg ins Unternehmen.

Auswirkungen eines Praktikums auf das BAföG

Viele Studenten erhalten Ausbildungsförderung in Form von BAföG, da sie sich das Studium finanziell sonst nicht leisten könnten. Bafög wird immer einkommensabhängig und in Anhängigkeit davon gewährt, ob man ordentlicher Student einer Fakultät ist. Dementsprechend sind bei einem Praktikum, vor allem bei einer längeren Dauer oder im Fall einer Vergütung, einige Dinge zu beachten.

In der Regel unterscheiden Bafögämter zunächst zwischen einem Pflichtpraktikum und einem freiwilligen Praktikum. Pflichtpraktika können vor, während und nach der eigentlichen Studienzeit erforderlich sein. Bei einem Praktikum vor und während der Studienzeit besteht ein Anspruch auf Förderung durch BAföG. Ist es vergütet, sind bestimmte Einkommensgrenzen einzuhalten, da die Vergütung sonst als Einkommen angerechnet wird. Da ein Pflichtpraktikum nach der Studienzeit wie beispielsweise das Referendariat oder der Arzt im Praktikum praktisch nicht mehr zur Studienzeit zählen, greifen hier keine Bafög-Regelungen mehr. Auch während der Zeit eines freiwilligen Praktikums, egal wann es absolviert wird, besteht kein Anspruch auf BAföG. Da es bei der Förderung auf verschiedene Faktoren ankommt, haben wir hierzu einen gesonderten Artikel zum Thema BAföG im Praktikum.

Sozialversicherung – Krankenversicherung

Ein Pflichtpraktikum ist per Definition von der Sozialversicherungspflicht befreit. Voraussetzung dafür ist, dass die Studien- und Prüfungsordnung das Praktikum als obligatorisch vorschreibt und man zum Zeitpunkt der Ableistung des Praktikums an einer ordentlichen Hochschule eingeschrieben ist. Freiwillig geleistete Praktika sind grundsätzlich sozialversicherungspflichtig. Einzig die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro beschränkt die Sozialversicherungspflicht. Wer also sein Praktikum mit maximal 450 Euro vergütet bekommt, braucht keine Beiträge zur Sozialversicherung abzuführen. Egal ob es sich dabei um ein obligatorisches oder ein fakultatives Praktikum handelt.

Viele Studenten sind familienversichert, was zu einer Ersparnis der Versicherungskosten führt. Nehmen sie jedoch einen Job an oder absolvieren sie ein Praktikum, sind auch hier einige Vorschriften (Einkommen und Arbeitszeit) zu beachten. Grundsätzlich kann ein Student bis zum 25. Lebensjahr (plus Zeit des Wehr- oder Zivildienstes) in der Familienversicherung beitragsfrei bei seinen Eltern krankenversichert bleiben.

Andere Möglichkeiten der Versicherung sind die gesetzliche Krankenversicherung für Studenten (KVdS) oder die PKV.

Für Studenten gilt darüber hinaus unabhängig vom Einkommen eine maximale Wochenarbeitszeit von 20 Stunden. Wird sie überschritten, muss man sich ebenfalls selbst krankenversichern. Diese Begrenzung der Wochenarbeitszeit gilt jedoch nicht in den Semesterferien. Ein Grund mehr, das Pflichtpraktikum in der vorlesungsfreien Zeit zu absolvieren.