Elterngeld

Neugeborenes Baby

Frisch gebackene Eltern erhalten Elterngeld РFoto © Vojtech Vlk Рbigstockphoto.com

(30.04.2020) Das Elterngeld ist eine Lohnersatzleistung f√ľr Eltern, die sich nach der Geburt des Kindes daf√ľr entscheiden, im Berufsleben k√ľrzer zu treten. Die Leistungen betragen zwischen 65 und 100 Prozent des bisherigen Erwerbseinkommens, mindestens aber 300 Euro und werden zus√§tzlich zum Kindergeld gezahlt.


Der Grundgedanke der Regierung mit der Einf√ľhrung des Elterngeldes ist, dass sich Paare der Familiengr√ľndung widmen und zumindest teilweise einen finanziellen Ersatz f√ľr das weggefallene Einkommen erhalten.

Voraussetzungen und Anspruch auf Elterngeld

Alle Eltern, die einen deutschen Wohnsitz oder gew√∂hnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik haben, haben f√ľr leibliche Kinder oder Adoptivkinder einen Anspruch auf Elterngeld. Seit der Reformierung des Elterngeldes im Jahr 2011 wurde der Berechtigtenkreis allerdings eingegrenzt. So wurden Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen von 250.000 Euro bei Singles und 500.000 Euro bei Verheirateten vom Bezug ausgenommen.

Erwerbstätigkeit nach der Geburt

Der Bezug von Elterngeld setzt voraus, dass der beanspruchende Elternteil nach der Geburt nicht mehr voll erwerbst√§tig ist, was bedeutet, dass eine Arbeitszeit von 30 Wochenstunden (¬ß 1 Abs. 6 BEEG)¬†im monatlichen Durchschnitt w√§hrend des Bezuges nicht √ľberschritten werden darf. Diese zeitliche Beschr√§nkung gilt nicht Azubis, die sich in einer Besch√§ftigung zur Berufsausbildung befinden.

Elterngeldantrag

Ein Antrag auf Elterngeld ist schriftlich bei der zust√§ndigen Elterngeldstelle (Jugendamt) der Stadt (bundesweites Verzeichnis) zu stellen. Nach der Geburt des Kindes sollte der Elterngelantrag schnell gestellt werden, da bei Verzug nur drei Monate r√ľckwirkend¬†ab Monat der Antragstellung gezahlt werden (¬ß7 Abs. 1 BEEG)

notwendige Unterlagen

  • Einkommensnachweise
  • Geburtsurkunde des Kindes
  • Erkl√§rung oder Bescheinigung, dass nicht mehr als 30 Stunden w√∂chentlich im Bezugszeitraum gearbeitet wird
  • Mutterschaftsgeldbescheinigung der Krankenkasse
  • Beleg √ľber den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld

Höhe des Elterngeldes

Beim Elterngeld handelt es sich um eine einkommensabh√§ngige Leistung. Ma√ügeblich zur Ermittlung ist das durchschnittliche Nettoeinkommen der letzten zw√∂lf Monate vor der Geburt des Kindes. Zwar bildet das Nettoeinkommen die Berechnungsgrundlage, die √Ąmter ermitteln aber selbst das Nettoeinkommen vom Bruttoeinkommen.

Abweichende Einkommensermittlung

Der Gesetzgeber spricht bei der Ermittlungsmethode vom Bruttoeinkommen von einer Erleichterung, jedoch fällt das Elterngeld durch die Berechnung aus dem Bruttoeinkommen Рaufgrund von höheren Pauschalen als den tatsächlichen Рniedriger aus, weil so das ermittelte vom tatsächlichen Nettoeinkommen abweicht.

Bei Selbst√§ndigen gilt der Gewinn vor der Geburt als Berechnungsgr√∂√üe. Wie bei Arbeitnehmern werden bei Selbst√§ndigen Pflichtbeitr√§ge zur Sozialversicherung (wenn tats√§chlich abgef√ľhrt) vom Gewinn noch abgezogen.

Inländische Einnahmen

Ber√ľcksichtigt wird nur Einkommen, welches in Deutschland versteuert wurde oder den inl√§ndischen Eink√ľnften gleichgestellt ist. So werden auch Einkommen, die in der EU versteuert wurden, ber√ľcksichtigt.

Elterngeld Berechnung

Gehaltsabrechnung mit Euro-M√ľnzen

Das Einkommen vor der Geburt ist f√ľr das Elterngeld ma√ügeblich

Ist die Bemessungsgrundlage aus Nettoeinkommen oder Gewinn ermittelt, ist die Elterngeld Berechnung relativ einfach, da es feste Berechnungswerte gibt. Hier beträgt das Elterngeld zwischen 65 und 100 Prozent des Einkommens und ist bei 1.800 Euro gedeckelt. Mehr als 1.800 Euro Elterngeld gibt es nicht, egal wie hoch das Einkommen im Vorfeld gewesen ist.

Mindestbetrag „Sockelbetrag“

Unabh√§ngig davon, welches oder ob √ľberhaupt Einkommen vor der Geburt bezogen wurde, betr√§gt das Elterngeld nach ¬ß 2 Abs. 4 BEEG mindestens 300 Euro.

Nettoeinkommen zwischen 300 Euro bis 1.000 Euro

Diese Einkommensgruppe gilt als Geringverdiener. Hier beträgt die Höhe des Elterngeldes mindestens 67 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens vor der Geburt. Zusätzlich +0,1 Prozent je 2 Euro, die 1.000 Euro unterschreiten. Bei einem Nettoeinkommen von 900 Euro beträgt das Elterngeld z.B. 70 Prozent = 630 Euro. Durch die stufenweise Anhebung kann mit dieser Regelung bis zu 100 Prozent des Einkommens mit dem Elterngeld ersetzt werden.

Nettoeinkommen zwischen 1.000 und 1.200 Euro

67 Prozent des bisher in den 12 Monaten vor der Geburt erhaltenen Nettoeinkommens.

Nettoeinkommen √ľber 1.200 Euro

Hier verl√§uft die Rechnung wie bei Geringverdienern, nur in die andere Richtung. Die Basis bilden 1.200 Euro mit 67 Prozent. F√ľr jede 2 Euro √ľber 1.200 Euro werden 0,1 Prozent stufenweise abgesenkt, bis zum Mindestwert von 65 Prozent des Nettoeinkommens. Das Elterngeld betr√§gt h√∂chstens 1.800 Euro, womit der Grenzbetrag bei einem Nettoeinkommen von 2.770 Euro liegt. Einkommen dar√ľber hinaus hat keinen Einfluss mehr auf die H√∂he.

kein Einkommen

Eltern, die kein Einkommen vor der Geburt hatten, (z.B. Empfänger von Sozialleistungen), erhalten den o.g. monatlichen Pauschbetrag von 300 EUR. Anrechnung: Bei Bezug des Kinderzuschlags oder Hartz IV werden diese 300 Euro seit 2011 voll angerechnet!

Geschwisterbonus

Zwillinge Babys liegen im Kinderbettchen

F√ľr Geschwisterkinder und bei Mehrlingsgeburten erhalten Eltern zus√§tzliches Elterngeld
Bild: Stefan Beger/ pixelio.de

Zus√§tzlich zum aus dem Einkommen oder dem Sockelbetrag ermitteltem Elterngeld wird ein Geschwisterbonus gezahlt, wenn weitere Geschwisterkinder betreut werden. Das gilt f√ľr

  • zwei unter dreij√§hrige Kinder
  • drei unter sechsj√§hrige Kinder

Je Geschwisterkind werden hier weitere 10 Prozent des Elterngeldes gezahlt, mindestens 75 Euro monatlich. Der Geschwisterbonus ist bis zur Vollendung des dritten bzw. sechsten Lebensjahres des jeweiligen Kindes beschränkt.

Mehrlingsgeburten

Bei Mehrlingsgeburten erhalten Eltern f√ľr das erste Kind regul√§res Elterngeld aus der Einkommensermittlung und f√ľr jedes weitere Kind zus√§tzlich 300 Euro. Bei Zwillingen also 300 Euro zus√§tzlich, bei Drillingen 600 Euro zus√§tzlich.

Doppeltes Elterngeld bei Zwillingen

Das Gesetz (BEEG) sieht zwar nicht, vor, dass bei Zwillingen das Elterngeld doppelt gezahlt wird, jedoch das Bundessozialgericht (BSG), wie es in den aktuellen Entscheidungen vom 27.06.2013 heißt (Az. B 10 EG 3/12 R und Az. B 10 EG 8/12 R). Demnach können Eltern bei der Geburt von Zwillingen jeweils das volle Elterngeld pro Kind und zusätzlich den Geschwisterbonus in Höhe von 300 Euro beanspruchen (Quelle: http://juris.bundessozialgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bsg&Art=ps&Datum=2013&nr=13007&pos=0&anz=19)

Elterngeld Bezugsdauer

Das Elterngeld wird grunds√§tzlich f√ľr einen Zeitraum von zw√∂lf Monaten gew√§hrt. Dieser Zeitraum kann auf 14 Monate erh√∂ht werden, wenn sich beide Elternteile dazu entschlie√üen, beruflich k√ľrzer zu treten (sog. Partnermonate). So lange 14 Monate in der Summe nicht √ľberschritten werden, spielt die Aufteilung der Bezugsmonate von Mutter und Vater keine Rolle.

Aufgrund des fehlenden Partners erhalten Alleinerziehende Elterngeld f√ľr 14 Monate.

Auf Antrag besteht zudem die Möglichkeit, den Bezugszeitraum auf 28 Monate auszuweiten, jedoch werden die Zahlungen auch halbiert. Im Ergebnis ändert sich also nichts.

Mutterschaftsgeld

M√ľtter erhalten in der Regel 6 Wochen vor der Geburt und 8 Wochen nach der Geburt das Mutterschaftsgeld. In dieser Zeit verringert sich das Elterngeld um die H√∂he des Mutterschaftsgeldes. (zum Mutterschaftsgeld beim Familienministerium:¬†http://www.familien-wegweiser.de/wegweiser/stichwortverzeichnis,did=40164.html)

Elterngeld in der Steuererklärung

Das Elterngeld selbst wird nicht besteuert, wird aber zur Ermittlung des Steuersatzes herangezogen (sog. Progressionsvorbehalt). Einzutragen ist es, wie auch das Mutterschaftsgeld in der Anlage N der Steuererklärung (bei Arbeitnehmern). Auch der Sockelbetrag von 300 Euro wird zur Bemessung des Steuersatzes herangezogen, so die Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH, Az. VI B 31/09).

Progressionsvorbehalt Erläuterung

Das Elterngeld wird zum zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet und es wird der Steuersatz ermittelt. Anschlie√üend wird das Elterngeld vom Einkommen wieder abgezogen und das √ľbrige Einkommen wird mit dem erh√∂hten Steuersatz versteuert.

Elterngeld bei Studenten

Da Studenten im Regelfall vor Aufnahme des Studiums kein Erwerbseinkommen erzielen, erhalten sie beim Elterngeld nur den Mindestbetrag von 300 Euro. Wurde Einkommen erzielt, z.B. aus einem Studentenjob, so gelten die regulären Beträge anhand der Berechnung nach § 2 BEEG wie oben beschrieben.

Um das Elterngeld zu erhalten, m√ľssen Studenten ihr Studium nicht unterbrechen. Auch gilt in diesem Fall die Beschr√§nkung von 30 Wochenarbeitsstunden nicht. Beziehen Studierende BAf√∂G, so bleibt das Elterngeld in H√∂he von 300 Euro auf die Ausbildungsf√∂rderung anrechnungsfrei. Weitere Infos f√ľr Studenten: Studieren mit Kind

Noch Fragen zum Thema?

Schildere deinen Fall einfach im Elterngeld Forum. Vielleicht hatte auch schon jemand eine √§hnliche Frage, die bereits gekl√§rt wurde.

Quellen und weiterf√ľhrende Informationen: