Ausbildungskosten und Kosten des Erststudiums als Werbungskosten in der Steuererklärung

Ausbildungskosten und Kosten des Erststudiums als Werbungskosten in der Steuererklärung

Doch ziemlich überraschend war das Urteil des Bundesfinanzhofes vor wenigen Wochen, nach dem Auszubildende die Ausbildungskosten bei einer ersten Ausbildung oder einem Erststudium in voller Höhe als Werbungskosten von der Steuer absetzen könnten. Bedeutet dies doch, dass die oftmals nicht unerheblichen Kosten durchaus wieder in die Taschen der Auszubildenden zurückfließen. Wie aber soll das konkret vor sich gehen?

Abzugsfähige Kosten

Nicht alle Ausbildungskosten werden absetzbar sein. Zu den Kosten, die man sich vom Finanzamt zurückholen kann, gehören jedoch die größten Haushaltsposten in einem Azubi- oder Studentenhaushalt, nämlich

  • Semester- und Rückmeldungsgebühren
  • Aufwendungen für Arbeitsmittel
  • Fachliteratur
  • Lehrgangs-, Studien- und Schulgebühren
  • Mehraufwände für Unterbringung und Verpflegung z.B. bei einem Auslandsstudium
  • Zinsen für einen Bildungs- oder Studienkredit
  • Fahrtkosten für die Fahrt zwischen Wohn- und Ausbildungsort (mit je 30 Cent je Kilometer).

Das kann somit – auf die Dauer der Ausbildung umgerechnet – eine durchaus stattliche Summe sein, die man geltend machen kann.

Nun kann man natürlich keine Forderungen an das Finanzamt stellen, wenn man dort nichts einzahlt. Anders gesagt: man kann von der Steuer nur dann etwas absetzen, wenn man sie überhaupt leistet. Dies ist jedoch bei den meisten Auszubildenden zumindest während der Ausbildung ehr nicht die Regel, da steuerpflichtige Jobs dann doch eher rar gesät und oftmals schon aus Zeitgründen nicht aufgenommen werden können. Kein Problem: solche negativen Einkünfte können während der Ausbildung auch über Jahre hinweg angesammelt und bei späterem steuerpflichtigen Einkommen verrechnet werden, so die Vorgaben des Bundesgerichtes.

So überraschend dass Urteil des Bundesfinanzhofes war, so überrascht waren auch die Politiker von dem Urteil. Wie die Regierung auf das Urteil reagiert, ist derzeit noch offen. Und sie kann durchaus reagieren, wenn auch negativ für die Auszubildenden: das Bundesfinanzministerium könnte nämlich einen sogenannten „Nichtanwendungserlass“ herausgeben, der die Finanzämter dazu verpflichtet, das Urteil des Bundesgerichtes zumindest vorübergehend nicht zu beachten.

Dennoch sollten Auszubildende ab sofort alle Rechnungen, Nachweise und Quittungen über die weiter oben genannten Aufwendungen sehr gut aufheben und – rückwirkend bis zum Jahr 2007, sofern sie sich da schon in der Ausbildung befanden – sofort eine Einkommenssteuererklärung abgeben. Der Hintergrund: mit dieser Erklärung wird das Finanzamt eine Verlustfeststellung vornehmen, die dann Grundlage für die Rückzahlung der Ausbildungskosten ist, wenn das Finanzministerium von seinem Vetorecht keinen Gebrauch macht. Aber selbst wenn es zu dem Veto kommt, kann man die Rückzahlung der zuvor festgestellten Verluste immer noch auf dem Klageweg erreichen. Die Chancen dafür sehen nach dem grundsätzlichen Urteil gut aus.

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