Familienversicherung

Beitragsfreie Krankenversicherung für Studenten

(22.07.2016) Die Familienversicherung ist für Studenten die beste und günstigste Möglichkeit, sich in der Kranken- und Pflegeversicherung zu versichern – sie kosten nämlich nichts. Das liegt einfach daran, dass der Student in diesem Fall beitragsfrei bei den Eltern im Rahmen der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) mitversichert ist, und dies im Regelfall bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres (25. Geburtstag). Dabei setzt die beitragsfreie Mitversicherung voraus, dass mindestens ein Familienmitglied, also der Hauptversicherte, gesetzliches oder freiwilliges Mitglied der GKV ist.

Die Regelungen betreffend der Familienversicherung finden sich im § 10 SGB V, die die beitragsfreie Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung regelt, wobei es verschiedene Voraussetzungen für Mitversicherte (z.B. studierende Kinder)  zu beachten gilt.

Altersgrenzen für Kinder in der Familienversicherung

Grundsätzlich sind Kinder bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres über ihre Eltern mit in der Familienversicherung versichert, sofern die Eltern der gesetzlichen Krankenversicherung angehören. Über das 18. Lebensjahr hinaus, dies ist gerade für Studenten relevant, können Kinder versichert sein bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres, wenn sie keiner Erwerbstätigkeit nachgehen.

Bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres, wenn sich das Kind in einer Schul- oder Berufsausbildung (z.B. Studium) befindet. Dies gilt auch für Kinder, die ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) oder ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) oder den Bundesfreiwilligendienst absolvieren. Hat das Kind bereits den (mittlerweile abgeschafften) Wehrdienst oder Zivildienst abgeleistet, so verlängert der Anspruch auf die Familienversicherung um die Dauer des Dienstes über das 25. Lebensjahr hinaus.

Behinderte Kinder können ohne Altersbeschränkung in der Familienversicherung versichert sein, sofern die Behinderung bereits während der Familienversicherung eingetreten ist. Mit Behinderung ist hier gemeint, dass das Kind nach § 2 SGB IX außerstande ist, sich selbst zu versorgen. Dabei muss die körperliche, seelische oder geistige Behinderung mittels eines Attestes nachgewiesen werden.

Grundlegende Voraussetzungen für Mitversicherte

Nicht nur Kinder, sondern alle in direkter Verbindung mit dem Hauptversicherten stehenden Personen, können beitragsfrei mitversichert sein, wenn sie ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Dazu gehören auch:

  • Ehegatte/ eingetragener Lebenspartner
  • Enkelkinder (Kinder von bereits beitragsfrei mitversicherten Kindern)

Grundsätzlich dürfen die Mitversicherten nicht bereits freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung sein, nicht versicherungsfrei oder sich von der gesetzlichen Versicherungspflicht haben befreien lassen.

Einkommensgrenzen der Familienversicherung

Die beitragsfreie Familienversicherung ist nur möglich, wenn der Mitversicherte nicht genügend Einkommen zur Verfügung hat, um sich selbst zu versichern bzw. eine eigene hauptberufliche selbständige oder sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnimmt. Dabei gibt es für 2016 zwei Einkommensgrenzen zu beachten:

  • bei geringfügiger Beschäftigung (Mini-Job) 450 €
  • alle anderen Einkünfte 415 €

450-Euro-Job

Dies ist die häufigste Beschäftigung, die Mitversicherte aufnehmen. Gerade auch Studenten nutzen die sozialversicherungsfreien Tätigkeiten (geringfügige Beschäftigung), um sich mit Studentenjobs etwas zum BAföG und Kindergeld dazuzuverdienen. Wird die Grenze von 450 Euro (neue Grenze seit 2013, bisher 400 Euro-Job) monatlich nicht überschritten, ist dies unschädlich für die beitragsfreie Familienversicherung.

Einkommensgrenze für andere Einkünfte

Die Einkommensgrenze für andere Einkünfte, beispielsweise Selbständigkeit (nicht hauptberuflich!), Einkünfte aus Vermietungen oder Kapitaleinkünften liegt derzeit bei 415 Euro monatlich. Diese 415 Euro ergeben sich aus der Regelung des § 10 Abs. 1 Nr. 5 SGB V i. V. mit § 18 SGB IV. Demnach darf das monatliche Einkommen 1/7 der monatlichen Bezugsgröße nicht überschreiten, die im Jahr 2016 bei 2.905 Euro liegt. Die monatliche Bezugsgröße für 2016 liegt bei 2.905 Euro, so dass das monatliche Einkommen in 2016 415 Euro (2015: 2.835 / 405 Euro) nicht überschreiten darf, um noch beitragsfrei in der Familienversicherung versichert zu sein.

Voraussetzung der Eltern – GKV und PKV

Sind beide Eltern des Studenten Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung, so gibt es keine Probleme mit der beitragsfreien Familienversicherung. Komplizierter wird es, wenn ein Elternteil in der GKV und der andere Elternteil in der privaten Krankenversicherung (PKV) versichert ist.

Bei dieser Konstellation kann sich der Student nur in der Familienversicherung mitversichert werden, wenn der Elternteil mit dem höheren Einkommen der GKV angehört. Gleichzeitig darf das Einkommen der privat Versicherten 1/12 der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) nicht überschreiten. Die JAEG wird jährlich neu bestimmt und lag für 2015 bei 54.900 Euro, demgemäß sind davon 1/12 = 4.575 Euro. Im Jahr 2016 liegt 1/12 der Jahresarbeitsentgeltgrenze bei 4.687,50 Euro und die JAEG selbst beträgt 56.250 Euro.

In den Fällen, in denen die Eltern nicht die Voraussetzung der beitragsfreien Mitversicherung erfüllen, kann das Kind bzw. der Student nicht in der Familienversicherung versichert werden. Da es aber eine Versicherungspflicht in Deutschland gibt, müsste der Student sich selbst in der gesetzlichen Krankenversicherung für Studenten versichern. Bei einer Befreiung von der Versicherungspflicht könnte auch die private Krankenversicherung für Studenten gewählt werden.

Zusatzbeitrag in der Familienversicherung

Der von mittlerweile vielen eingeführte Zusatzbeitrag muss von Mitversicherten der Familienversicherung nicht entrichtet werden, da dies nur der Hauptversicherte leisten muss (in diesem Fall ein Elternteil). Unabhängig davon, wie viele Mitglieder der Familienversicherung angehören, muss kein Zusatzbeitrag gezahlt werden, da kein eigener Versicherungsvertrag mit der Krankenkasse besteht.

Praxisgebühr

Die Praxisgebühr wurde zum 01.01.2013 abgeschafft, daher gelten diese Informationen nur noch für zurückliegende Zeiträume. Jedes Mitglied erhält eine eigene Versichertenkarte und muss bei Arztbesuchen auch die vierteljährliche Praxisgebühr von 10 Euro je Quartal entrichten. Die Praxisgebühr muss allerdings erst ab Eintreten der Volljährigkeit gezahlt werden, minderjährige Kinder sind davon befreit. Für Studenten gibt es bei der Praxisgebühr leider keine Ausnahmen, auch nicht bei der beitragsfreien Familienversicherung.

Was passiert nach der Familienversicherung?

Erfüllen die Eltern oder Student selbst nicht die Voraussetzungen, beispielsweise wegen Überschreitung des Alters oder der Einkommensgrenzen, so muss sich der Student selbst versichern. Hierzu hat er die Möglichkeit, der gesetzlichen Krankenversicherung für Studenten (KVdS) beizutreten oder sich in die PKV für Studenten zu begeben.

Der Regelfall ist allerdings die gesetzliche Krankenversicherung für Studenten. Möchte sich der Student für die private Krankenversicherung entscheiden, so muss er sich zunächst von der Versicherungspflicht in der GKV befreien lassen.

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In den Fällen, in denen der Student selbst versichert ist und einen Anspruch auf BAföG hat, erhält er auch einen Zuschuss zur Krankenversicherung (sowohl in der GKV als als PKV). Dieser beläuft sich nach § 13 a BAföG auf 62 Euro (71 Euro ab 01.08.2016) als Zuschuss für die Krankenversicherung und 11 Euro (15 Euro ab 01.08.2016) als Zuschuss zur Pflegeversicherung.