Bereits hier haben wir über den Massenansturm von Studienanfängern auf die Universitäten berichtet. Ursache dieses Runs ist die Abschaffung der Wehrpflicht sowie – bedingt durch das in mehreren Bundesländern eingeführte Turbo-Abi – das erstmalige Auftreten von gleich zwei Abi-Jahrgängen. Obwohl das alles der Bildungspolitik beizeiten bekannt war, wurden offensichtlich kaum Anstrengungen unternommen, dem Ansturm gerecht zu werden.
Dabei betreffen die Probleme nicht nur heillos überforderte Unis, rappelvolle Vorlesungen und auf lange Zeit vollkommen ausgelastete BAföG-Ämter: auch die Unterbringung der Studienanfänger stellt in vielen Unistandorten ein ernstes Problem dar. Studentenheime wurde oftmals in den letzten Jahren eher geschliffen, weil vom Leerstand bedroht – und offensichtlich nicht rechtzeitig reaktiviert. Das freut die privaten Vermieter: die Mietpreise in den gossen Standorten sind in die Höhe geschnellt und somit – sofern überhaupt noch etwas frei ist – für viele Studenten unerschwinglich.
Das Team von bafoeg-aktuell.de hat sich an die an die Stadtverwaltungen und Studentenvertretungen der größten deutschen Unistandorte gewandt und wollte wissen, welchen Ausweg man bei dem Unterkunftsproblem sucht. Die Antworten sind teils recht skurill, zeugen aber insgesamt von einer gewissen Hilflosigkeit. Hier das Ergebnis unserer nicht repräsentativen Umfrage:
- In Berlin hat sich die Lage durch die vorhandenen 36 Studentenwohnheime insgesamt als nicht sehr bedrohlich entwickelt. Dennoch kommt es derzeit dazu, dass in Einzelzimmern in den Wohnheimen zwei Studienanfänger eingewiesen werden. Derzeit stehen noch 700 Studenten auf der Warteliste für eine Unterkunft.
- Auf eine seltsame Idee ist man in Hamburg gekommen: Last-Minute-Zimmer sollen zur Verfügung gestellt werden, die je Nacht 15 € kosten sollen. Die maximale Mietzeit beträgt 8 Tage. Für Studenten, die sich diesen Preis nicht leisten können, werden Notbetten in Turnhallen zur Verfügung gestellt.
- Eine unkonventionelle Lösung fand man offenbar in Köln: 16 Studenten sind hier im Eilenriedstift untergebracht, einem laut Eigenwerbung im Internet „Traditionshaus für anspruchsvolle Senioren-Wohnen“.
- Heidelberg kommt der Abzug der US-Streitkräfte entgegen: es wurden 192 ehemalige US-Wohnkasernen angemietet, worin 640 Studenten untergekommen sind.
- Eine Wohnung nahe der Uni Köln zu finden ist praktisch ausgeschlossen: derzeit gibt es für solche Wohnungen Wartezeiten von bis zu drei Jahren, was der Regelstudienzeit vieler Bachelor-Studiengänge entspricht. Auch im näheren Umfeld der Uni sind kaum noch Wohngelegenheiten vorhanden, womit nur die Flucht ins Umland bleibt – was angesichts der steigenden Mietpreise in Uni-Nähe auch in allen anderen Uni-Städte dringendst zu empfehlen ist.
- Die Warteliste für eine Unterkunft suchende Neustudenten enthält in München 6.000 Namen. Da dürften die 80 Notbetten in Gemeinschaftsräumen kaum mehr als ein winziges Tröpfchen gewesen sein. In München kommt hinzu, dass im gesamten Stadtgebiet laut Mieterbund vollkommen überhöhte Preise „für das letzte Loch“ verlangt werden.

Ich verstehe offen gestanden nicht, warum so viele junge Leute an die Hochschulen drängen. Doppelter Abi-Jahrgang hin oder her. Auf der anderen Seite sind viele Lehrstellen unbesetzt. Darunter sind auch etliche Ausbildungsberufe, die speziell auf Abiturienten zugeschnitten sind. Glaubt denn allen Ernstes jemand, dass alle Studenten nach Abschluss ihres Studiums überhaupt eine Arbeit finden? Rund ein Drittel bricht ohnehin das Studium ohne Abschluss ab. Die jungen Leute träumen von einer Akademikerkarriere und einem Leben auf der Sonnenseite mit einem hohen Verdienst ohne Arbeitslosigkeit. Ich kenne auch Akademiker mit Hartz IV. Sie sind hochmotiviert, intelligent und leider schon zu alt und nicht mehr qualifiziert genug. Eine gute Berufsausbildung, die gerade in Deutschland ein hohes Niveau aufweist und laut einer OECD-Studie weltweit ihresgleichen sucht, kann durchaus eine Alternative zu einem Studium sein. Nach Abschluss der Lehre gibt es zahlreiche hochqualifizierte Weiterbildungsmöglichkeiten. Ein Abendstudium ist ja immer noch möglich. Und wer einen Abischnitt von 1.0 hat, wird ohnehin Medizin studieren und in die Forschung gehen. Aber nicht jeder hat einen Einserschnitt. Warum sich dann in überfüllte Hörsäle drängen und halbherzig irgendetwas studieren, was später ohnehin keine Verwendung findet?
Ich bin knapp 48, nach Abitur eine Lehre zum Industriekaufmann und seit 2007 Empfänger von Hartz IV. Leider auch dauerkrank. Mein Nachbar ist Diplom-Chemiker und auch Hartzer.