Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) gibt es seit 90 Jahren. Sie ist deshalb aber kein bisschen ruhiger geworden. Bei der Vorstellung des aktuellen Sozialberichts sprach der Bundesvorsitzende Rainer Brückers eine klare Warnung aus: Der soziale Frieden und der Zusammenhalt der Gesellschaft in der Bundesrepublik seien gefährdet. Als Ursachen nennt er Ausgrenzung und Abstiegsängste.
“Erhebliche Teile der Bevölkerung fühlen sich abhängig und ausgegrenzt. Abstiegsängste machen sich bis weit in den Mittelstand breit”, so Brückers. Jetzt komme es darauf an, wie Politik und soziale Träger mit diesen Entwicklungen umgingen, damit keine weitere Spaltung der Gesellschaft drohe.
Eines der Kernthemen im Sozialbericht der Arbeiterwohlfahrt ist die “neue Armut in Deutschland”. Gelinge es künftig nicht besser, Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren, werde die Altersarmut rapide steigen. Daher fordert die AWO einerseits besser abgestimmte Maßnahmen, andererseits Mindestlöhne.
Deutliche Kritik bringt die Arbeiterwohlfahrt auch in den Bereichen Kinder und Bildung an. Sie hält das Betreuungsgeld, mehr Kindergeld und auch Freibeträge für einen völlig falschen Weg und setzt stattdessen auf eine Grundsicherung. Zusätzlich müsse in die Infrastruktur investiert werden. Dazu gehörten eine bessere Förderung benachteiligter Kinder, die bislang nur halbherzig und inkonsequent erfolge, und kostenlose Bildung bis ins Erwachsenenalter. Schon jetzt würden mehr als 70.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen und lebten zwei Millionen Kinder in Armut.

Der Druck müsste von der Strasse kommen. Aber erkommt nicht. Das wissen auch die Politiker und Wirtschaftslobbyisten, die seit den letzten zwei Jahrzehnten salamitaktisch die Sozialleistungen gekürzt haben. Allein die Tatsache, daß de fakto innerhalb weniger Stunden 500 Milliarden für systemrelevante Banken aus Steuermitteln gerettet wurden, zeigt, daß offensichtlich genug Geld da ist. Ob die Banken letztlch wirklich alle “systemrelevant” waren, will ich noch dahingestellt sein lassen. Eher steht zu vermuten, daß einige Politiker in den Landesparlamenten und dem Bundesparlament, die die Aufsicht über die Landesbanken hatten, sich dadurch ihre Haut retten wollten. Was da abgelaufen ist, und was da noch zur Zeit abläuft kommt der Wirtschaftskriminalität verdächtig nahe.
Es ist eine schande, daß die Staatsanwaltschaften gegen solche Figuren keine strafgesetzliche Handhabe zur Verfügung haben, Vorstände wie gewisse Politiker zur Verantwortung zu ziehen!
Arme sind demoralisiert, teilweise derartig “neben den Schuhen”, von denen ist kein Widerstand gegen das Unrecht von Politik und Gesellschaft zu erwarten. Die Hedonisten und Lifestyle-Fanatiker in unserer ach so moralischen Gesellschaft sind eindeutig in der Überzahl! Was interessiert die schon die Armen!