Die Zahl derer, die das Betreuungsgeld kritisieren, wächst. Sie halten die 150 Euro schlichtweg für kontraproduktiv – gleich, ob die Leistung in bar oder in Form von Gutscheinen zur Auszahlung kommt. Vorgesehen ist das Betreuungsgeld ab 2013, wenn Kinder unter drei Jahren von den Eltern und nicht in einer Kindertagesstätte betreut werden. Für die neue Familienministerin, Kristina Köhler, dürfte es in den kommenden Wochen und Monaten schwer werden, eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird. Erzieherinnen und Bildungsexperten jedenfalls wird sie mit der Idee des Betreuungsgeldes nicht überzeugen können.
Petra Kuckuck-Fiedel, Leiterin einer Dortmunder Kindertageseinrichtung, bringt im Gespräch mit der “Welt” deutlich zum Ausdruck, was sie und ihre Kolleginnen denken: “Bildungsferne Eltern werden sich über das Geld freuen, ich finde es nicht gut. Wenn man die Zukunft der Kinder im Auge hat, sollte man besser in die Bildung investieren.” Sie sieht die Gefahr, dass die Bildungsschere auf Dauer noch weiter auseinander klafft, wenn die Jungen und Mädchen nicht in die Kita gehen. Das bestätigt auch eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Das Ergebnis könnte eindeutiger nicht sein. Demnach steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder aus benachteiligten Familien ein Gymnasium besuchen, um 55 auf 83 Prozent, wenn sie in einer Kindertagesstätte betreut wurden.
Für die Studienleiterin, Annette Stein, steht daher fest: “Das Betreuungsgeld ist nicht das richtige Instrument.” Die Debatte werde falsch geführt. Es sei Aufgabe der öffentlichen Einrichtungen, benachteiligen Kinder so früh wie möglich Bildungs-Chancen zu bieten. Ähnlich argumentiert Andreas Gora. Der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Dortmund, hält das Betreuungsgeld für unsinnig. Viel wichtige sei der Ausbau der Bildungseinrichtungen für Kinder. Eine Empfehlung hierzu gibt es von der Bertelsmann Stiftung. Aktuell liegt der Personalschlüssel bei 1:6. Optimal bei Kindern unter drei Jahren sei aber ein Schlüssel von 1:3. Dann sei es auch möglich, längere Öffnungszeiten der Kitas zu realisieren, damit Beruf und Familien besser unter einen Hut gebracht werden können.
