17,8 Milliarden Euro – so hoch schätzt die Bundesagentur für Arbeit das Defizit im kommenden Jahr ein. Berechnet wurde der Wert anhand der voraussichtlichen Ausgaben in Höhe von 54 Milliarden Euro, denen Einnahmen von nur 36,1 Milliarden Euro gegenüberstehen. Die BA selbst könnte 1,8 Milliarden Euro aus ihren Rücklagen aufbringen, um das Loch zu stopfen. Blieben knapp 16 Milliarden Euro, die der Bund als Darlehen oder Zuschuss beisteuern müsste.
Grundlage für das Zahlenspiel sind die jüngsten Prognosen für das Jahr 2010. Sie gehen von einem 1,2-prozentigen Wirtschaftswachstum und durchschnittlich 4,1 Millionen Arbeitslosen aus. Anhand dieser Daten rechnet die Bundesagentur mit 22,5 Milliarden Euro für das Arbeitslosengeld I – 4,8 Milliarden mehr als 2009. Eine Entlastung von etwa drei Milliarden Euro wird im Bereich Kurzarbeitergeld erwartet. Immerhin: Die Zahlen sind etwas zuversichtlicher als noch Mitte des Jahres. Seinerzeit war man von einem Minus von über 20 Milliarden Euro ausgegangen. Größter Kritikpunkt bleiben die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Sie seien mit 2,8 Prozent zu niedrig und müssten auf über 4,0 Prozent steigen, so der Grünen-Finanzexperte Alexander Bonde.
Ob die aktuellen Vorhersagen zu positiv gefärbt sind, bleibt abzuwarten. Experten gehen jedenfalls davon aus, dass sich die Wirtschafts- und Finanzkrise erst nach und nach auf den Arbeitsmarkt niederschlagen wird – spätestens im ersten Halbjahr 2010. Schon jetzt ist ein deutlicher Anstieg der Insolvenzen zu verzeichnen. Laut Statistischem Bundesamt sind im August 12,3 Prozent mehr Firmen pleite gegangen als vor einem Jahr. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet damit, dass in diesem Jahr 35.000 Unternehmen zahlungsunfähig werden. Bis August waren es schon 21.807 Firmen. Dementsprechend würden auch mehr Menschen ihre Arbeit verlieren. Bei UniCredit geht man von 4,25 Millionen Arbeitslosen in 2010 aus.
