Kaum unterschrieben, hagelt es auch schon Kritik zum Koalitionsvertrag von Schwarz-Gelb. Insbesondere im Bereich Bildungspolitik scheiden sich die Geister. Während der Philologenverband und die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit dem Ergebnis zufrieden sind, beklagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass die Vereinbarungen nach wie vor Chancengleichheit vermissen lassen. Bundesbildungs- und Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) äußerte sich nicht dazu. Sie sagte lediglich, es handele sich um Willensbekundungen – nichts Konkretes also.
Dass hinter den vielen Ideen noch ebenso viele Fragezeichen stehen, zeigt sich besonders an den Stipendien für Studierende. Zehn Prozent der Studenten sollen mit 300 Euro im Monat gefördert werden. Für die Finanzierung sind Bund, Länder und Wirtschaft eingeplant. Ob sich tatsächlich Unternehmen finden, die Geld beisteuern, ist ebenso fraglich wie die Unterstützung der Länder. Gerade in den SPD-regierten Bundesländern wird das Programm als „unsozial“ bezeichnet. Da die Stipendien nur für die Besten vorgesehen seien, würden Kinder aus privilegierten und akademisch geprägten Familien bevorzugt. Schüler, die aus sozialen Gründen ohnehin benachteiligt seien, hätten nichts von den Plänen. Die Schere zwischen Bildungschance und sozialer Herkunft bliebe weit geöffnet, so der Verband Bildung und Erziehung. Der Bundesvorsitzende Udo Beckmann spricht sogar von einer „Eliteförderung“.
Lächerlich finden Kritiker die Idee des so genannten Zukunftskontos. 150 Euro würde der Staat auf dieses Konto einzahlen. Das Guthaben könnte später dann in die Bildung investiert werden. Das Problem: Das Konto aufzustocken dürfte für viele Familien unmöglich sein. Auch hier würden wieder nur Besserverdiener zum Zuge kommen. Dass auch Patenonkel oder der Opa auf das Konto einzahlen können, ist zwar schön. Es sei allerdings nicht die Aufgabe der Großeltern mit ihrem Geld „die mangelhafte staatliche Bildungsfinanzierung zu ergänzen“, moniert die GEW.
