Die Finanzkrise erweist sich nun doch als ausgewachsene Wirtschaftskrise und reißt die Bundesrepublik Deutschland erstmals seit fünf Jahren wieder in die Rezession. Die aktuellen, vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Wirtschaftsdaten weisen einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes, kurz BIP, um 0,5 Prozent im dritten Quartal aus. Minus 0,4 Prozent waren es im Frühjahr. Per Definition liegt damit eine Rezession (lateinisch Rückgang) vor, da das BIP zwei Quartale in Folge eine negative Entwicklung aufweist. Ähnlich sah es zuletzt in der Zeit von Herbst 2002 bis Frühjahr 2003 aus.
Experten halten sich mit der Aussage, es liege eine Rezession vor, noch zurück. Sie sprechen erst dann von einem deutlichen Rückgang, wenn sich auch Begleiterscheinungen wie steigende Arbeitslosigkeit sowie sinkende Gewinne und Investitionen der Unternehmen bemerkbar machen. Für sie ist es aktuell eher eine “technische Rezession”, weil das erste Quartal dieses Jahres bedingt durch den milden Winter sehr stark war (plus 1,4 Prozent) und das Bild verzerrt. Das Frühjahrsquartal habe nur aufgrund des ungewöhnlich guten Auftaktquartals schwächer abgeschlossen, nicht, weil die Konjunktur sich insgesamt abgekühlt habe.
Die OECD, Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sieht hingegen ganz klare Hinweise dafür, dass die Eurozone und die USA in der Rezession sind. Für das aktuelle Quartal wird ein Minus von 1,0 Prozent erwartet (USA minus 2,8 Prozent). Dieser Trend werde aller Wahrscheinlichkeit nach auch 2009 noch anhalten. Für das kommende Jahr geht die OECD davon aus, dass die Wirtschaft um 0,9 Prozent schrumpft und sich erst im Herbst wieder erholt.
