Im Überwachungsskandal der Deutschen Telekom ermitteln jetzt Bonner Staatsanwälte gegen das ehemalige Führungsduo Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel. Der Skandal um die Bespitzelung von Managern, Ausfischtsräten und Journalisten bei der Telekom breitet sich aus.
Derzeit wird gegen insgesamt 8 Personen ermittelt, darunter der ehemalige Konzern-Chef der Telekom Ricke und der ehemalige Aufsichtsratvorsitzende Klaus Zumwinkel. Heute wurde die Chefetage der Zentrale in Bonn von 50 Mitarbeitern sowie einige Privaträume der Beschuldigten durchsucht.
Nach Angaben der Financial Times Deutschland waren bereits seit dem Jahre 2000, Privatdetektive damit beschäftigt, undichte Stellen im Konzern zu finden und Mitarbeiter und Journalisten zu bespitzeln.
Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft:
Verletzung des Post oder Fernmeldegeheimnisses sowie Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz.
Die damalige Konzernspitze mutmaßte, dass immer wieder brisantes Insider-Wissen an Wirtschaftsblätter wie “Capital” oder “Financial Times Deutschland” weitergegeben werde. In hunderttausenden firmeneigenen Datenverbindungen wurde nachgeforscht, welcher Journalist Kontakt zu Aufsichtsräten hatte. Die Spitzedienste übernahmen Wirtschaftsdetekteien, von denen auch heute eine durchsucht wurde. Bei der Financial Times Deutschland und Capital wurde sogar versucht, den unliebsamen Redaktuer mit versteckter Kamera zu bespitzeln…die Capital reagiert empört:”Wenn wir in einem Land sind, wo so ein Klima ist, wo man es für möglich hält, dass Menschen, die mit der Zeitung bespitzelt werden…dann haben wir ein riesen Problem in Deutschland” so Redaktuer Reinhard Kowalewsky.
Der derzeitige Konzernchef Rene Obermann wusste schon letztes Jahr von den Bespitzelungen und entließ den Sicherheitschef. Eine Mitteilung an die Staatsanwaltschaft erging jedoch nicht. Der Aufsichtsrat stärkt dem Konzernchef trotzdem den Rücken und versucht den Image Schaden so gering wie möglich zu halten. “Wir sind an voller Transparenz sowie an voller Aufklärung interessiert und dann gilt es, dass was da rauskommt, zu würdigen” so Aufsichtsrat der Telekom Ulrich Lehner.
Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat werden trotzdem Strafanzeige stellen, denn auch sie wurden vielleicht ausgespäht.
Die Telekom appelierte heute zwar an die Kunden und Mitarbeiter, Vertrauen zum Unternehmen zu haben, dies erscheint bei diesen harten Spitzel-Vorwürfen aber nicht so einfach.
