Der erwartete Run auf gebührenfreie Unis blieb bislang aus. So hat die Einführung der Studiengebühren in einigen Bundesländern nicht dazu geführt, dass Studenten abwandern und ihr Studium in einem Land beginnen, wo keine Gebühren anfallen. Das zumindest meldet das Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh.
Wie der Hochschulexperte des Centrums für Hochschulentwicklung, Frank Ziegele, sagte, gebe es zwar an einigen Hochschulen in Deutschland einen unerwartet großen Rückgang der Studenten. Allerdings, so Ziegele weiter, sei dieser Rückgang auch in Ländern zu beobachten, die bislang kein Gesetz zur Gebührenerhebung hätten. Beispielhaft nannte Ziegele die Universitäten in Mainz (Rheinland-Pfalz) und Wiesbaden (Hessen). Eine deutliche Abwanderung von Studenten nach Mainz, wo man zurzeit keine Semestergebühren erhebe, finde derzeit nicht statt, so der Experte.
Die sinkende Zahl der Studenten an einigen Hochschulen sei dagegen insbesondere durch die drastischeren Zugangskriterien wie den Numerus clausus zu erklären. Weiterhin, so vermutet man es zumindest, könnte auch die Umstellung der Abschlüsse von Diplom- und Magisterstudiengängen auf Bachelor- und Masterabschlüsse eine Mitursache für den Rückgang sein.
Frank Ziegele bemängelte allerdings noch die geringe Transparenz einiger Hochschulen. Insbesondere die mit den Studiengebühren finanzierten neuen Konzepte müssten besser dargestellt und erklärt werden. Die Unis müssten verdeutlichen, welche Vorteile zahlende Studenten hätten und welche Mehrleistungen sie für ihr Geld erhielten. Nach dem “Stopfen der dringendsten Löcher, wie etwa die Anschaffung neuer Bücher und Computer, müssten die Unis in einem zweiten Schritt schnell neue Strategien nachlegen. Dabei dürfen die Unis keine Zeit verlieren, so Ziegele. Denn andernfalls könne kein Vertrauen in den Studiengebühren aufgebaut werden.
